Eine Frau sitzt im Büro und ist verzweifelt (Quelle: Colourbox)
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Service - Raus aus der Perfektionismusfalle

Der Perfektionismus gilt als Einfallstor zum Unglücklichsein. Dabei ist es grundsätzlich nicht verkehrt, sich hohe Ziele zu setzen. Doch wenn das Gewünschte nicht eintritt, entsteht oft eine dauerhafte Leidenssituation. Wir erklären die Problematik und zeigen Lösungen für Betroffene und Angehörige auf. Studiogast: Elisabeth Heckel, Dipl.-Psychologin und Business-Coach

Wir versuchen ständig uns selbst zu optimieren
Ob es die Smart-Watch am Handgelenk ist, oder das Joggen nach der Arbeit im Stadtpark, es scheint als würden wir ständig daran arbeiten eine immer perfektere Version on uns selbst zu erschaffen. Dabei vergessen wir, wie wichtig eine Fehlerkultur ist, und wir sind oft zu hart zu uns selbst. Alles aus Angst im Spiel nicht mehr mithalten zu können, den Ansprüchen der realen und der digitalen Welt nicht mehr zu genügen.

Perfekt im Hamsterrad
Perfektionisten sind nie mit dem zufrieden was sie erreichen. Das macht sie zwar zu den perfekten Mitarbeitern, denn sie bleiben abends länger im Büro, sie sind fleißig und ziehen sogar Mehrarbeit an sich, weil sie glauben, andere würden es nicht so perfekt erledigen wie sie. Doch am Ende steht meistens der Burnout. Denn die Perfektionisten finden einfach kein Grenze. Immer geht es noch etwas besser.

Soziale Medien machen uns einsam
Unser digitales Ich in den sozialen Netzwerken spiegelt den anderen ein glückliches, ein erfülltes Leben vor. Mit der Wirklichkeit hat das meistens aber nicht viel zu tun. Denn alle negativen Aspekte des Lebens wie Angst oder Zweifel werden ausgeklammert .

Und wir sind ständig darüber frustriert, dass perfekte Leben der anderen zu sehen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die viel Zeit in den sozialen Medien verbringen, sich einsamer und trauriger fühlen als Menschen, die daran gar nicht erst teilnehmen.

Rauskommen ist schwer
Für viele Perfektionisten ist das Rauskommen aus ihrem ganz persönlichen Hamsterrad sehr schwer. Psychologen empfehlen das sogenannte Reframing, also eine Umdenkstrategie. Ganz bewusst sollten Perfektionisten ein Tagebuch darüber schreiben mit Erlauber-Sätzen. Wörter wie "sollen" und "müssen" werden aus diesem Buch verbannt. Stattdessen werden Erfolge groß gemacht. So kann sich langsam eine Sprache entwickeln, die Fehler als unabdingbaren Bestandteil des Lebens zulässt.

Beitrag von Ben Muhs