Service - Wege zur Pflege

Wie werden wir selbst oder unsere Angehörigen im Alter am besten versorgt, wenn es nicht mehr alleine geht? Der Autor und Journalist Raimund Schmid hat sich 12 verschiedene Pflegemodelle in der Praxis angeschaut und beschreibt ihre Vor- und Nachteile.

3,5 Millionen Deutsche sind pflegebedürftig, bis 2035 sollen es vier Millionen sein. Pflege-Fachkräfte werden dringend gesucht und der Bedarf wird weiter steigen. Pflegeroboter sind in Japan schon verbreitet aber in Deuschland noch Zukunfstsmusik. Trotz der prekären Lage sind die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen mit diesem Thema konfrontiert und oft ratlos. Beratung bieten Pflegstützpunkte an, die leider nur punktuell in den Städten und Gemeinden eingerichtet sind.

Der Autor Raimund Schmid hat sich Durchblick verschafft und Pflegeeinrichtungen getestet. Sein Buch „12 Wege zu guter Pflege“ gibt praktische Tipps und stellt auch positive Beispiele vor.
Als zukunftsweisend gilt die Pflege-WG. 6-12 Bewohner teilen sich die Räume und die Pfleger, auch Besucher helfen mit und ehrenamtliche Helfer. Solche selbst organisierten Wohnformen versprechen Nähe zu anderen Menschen, viel Anregung und Abwechslung. Das macht Senioren- oder Demenz-WGs attraktiv.

Doch passender Wohnraum ist knapp. Nur ein Bruchteil der Interessierten bekommt einen Platz. Und wer schon in jungen Jahren kein Wohngemeinschaftstyp gewesen ist, findet meist auch im Alter keinen Gefallen daran. Das Pflege-Modell muss zur Situation und zum Charakter des Pflegebedürftigen passen.

In Pflege-Heimen wird nur jeder vierte Pflegebedürftige versorgt. Die meisten Menschen möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben. Deshalb werden sie oft von ihren Angehörigen gepflegt. Die können Pflegegeld von der Pflegeversicherung beantragen und sich eine Auszeit vom Beruf nehmen, sofern der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter hat. In der Regel ist das dennoch eine große Belastung.

Entlastung verspricht zum Beispiel die Tagespflege. Dafür werden vom Staat monatlich bis zu 2000.- Euro zusätzlich zur Pflegeversicherung bezahlt. Menschen, die trotz Krankheit und Gebrechen in ihrer eigenen Wohnung bleiben wollen, profitieren von ambulanter Pflege. Wie oft und wie lange Hilfe nötig ist, wird individuell geregelt. Einen Teil der Kosten übernimmt die Pflegeversicherung.

Ambulante Pflege ist flexibel - aber auch hier ist die  Nachfrage deutlich höher als das Angebot. Eine 24-Stunden-Rundum-Betreuung müssen Pflegebedürftige selbst finanzieren. Agenturen vermitteln Pflegerinnen aus dem Ausland. Der Vorteil: die bestmögliche Entlastung für Angehörige – vorausgesetzt, dass die Chemie stimmt, die Pflegekraft  Kompetenz mitbringt und sich sprachlich verständigen kann.

Raimund Schmids Ratgeber 12 Wege zu guter Pflege  ist zum Nachlesen für alle Betroffenen einen wertvolle Hilfe. Sein Rat: möglicht viele Pflegemodelle ausprobieren, auch in Heimen erstmal probewohnen. Wer etwas flexibel bleibt, hat trotz der schwierigen Lage bessere Chancen, eine Lösung zu finden.

Beitrag von Dagmar Kniffki