Service - Schwerbehindertenausweis – was man drüber wissen muss

Der Schwerbehindertenausweis ist für viele Menschen mit Handicap eine echte Erleichterung: Sie erhalten Unterstützung im Job, bekommen mehr Urlaub, erhalten Steuervergünstigungen und können sogar vorzeitig in Rente gehen. Wir klären mit Henrike Weber vom Sozialverband VdK, wem der Ausweis helfen kann.

Ob Konzert oder Museum, Bus oder Bahn: wer einen Schwerbehindertenausweis besitzt, genießt einige Vorteile. Etwa jeder 10. in Deutschland hat ihn. Fachleute schätzen jedoch, dass viel mehr Menschen einen Anspruch darauf haben.  Doch wer kann den Ausweis beantragen und was ist dazu notwendig?

Anspruch haben all diejenigen, die aus medizinischen Gründen eine dauerhafte (wenigstens 6 Monate) andauernde Beeinträchtigung haben. Diese kann psychischer oder physischer Natur oder eine Kombination aus beidem sein. Die  Beeinträchtigungen müssen aber so schwerwiegend sind, dass sie einen Gesamtgrad der Behinderung (GdB) von 50 rechtfertigen.

Der Grad der Behinderung ist entscheidend dafür, welchen Anspruch auf Nachteilsausgleich man hat. Das Ganze muss medizinisch bewertet werden und ist letztendlich eine Antragsleistung, die bei den Versorgungsämtern der jeweiligen Bundesländer entschieden wird. In Brandenburg ist es das LASV mit Sitz in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder).

Bei jedem Versorgungsamt kann man ein entsprechendes Antragsformular herunterladen oder auch abholen. Sie sehen alle recht ähnlich aus und sind recht umfangreich. Hilfe gibt es beim VdK aber auch bei den Gewerkschaften oder anderen freien Trägern und caritativen Einrichtungen.

Behinderte Arbeitnehmer genießen besondere Rechte im Berufsleben.  Dazu gehört neben einem besonderen Kündigungsschutz, Der Arbeitgeber muss vor der Kündigung die Zustimmung des Integrationsamtes zu dieser einholen, aber auch der Anspruch auf 5 zusätzliche Urlaubstage im Jahr. Zudem müssen sie keine Überstunden leisten, damit sie im Job vor Überlastung geschützt werden. Das gilt auch für Menschen mit schweren Erkrankungen wie Krebs. Bei der Einkommensteuererklärung können je nach Grad der Behinderung Pauschalbeträge geltend gemacht werden.

Gerade bei älteren Menschen verschlechtert sich die gesundheitliche Situation langsam. Ärzte und Sozialberatungsstellen helfen da beim den Anträgen.

Bis der Antrag bearbeitet ist vergehen bis zu sechs Monate. Bei einer Ablehnung gibt es ab Zugang des Bescheides eine Frist von 1 Monat für einen Widerspruch. Diese  ist nicht verlängerbar. Sinnvoll ist es sich im Widerspruchsverfahren begleiten zu lassen oder wenigstens Rechtsrat einzuholen.

Mobil mit Schwerbehindertenausweis
Je nach Behinderungsgrad ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ermäßigt oder sogar kostenlos. In manchen Fällen muss einmal im Jahr für 80 Euro eine Wertmarke beantrag werden. Ist eine Begleitung notwendig, ist diese kostenlos, wenn sie auf dem Behindertenausweis vermerkt ist. Auch wer mit dem Auto unterwegs ist genießt Vorteile. Angefangen bei ermäßigter Kfz-Steuer bis zu deren Erlass. Auch für den Umbau und Kauf eines Fahrzeugs gibt es Zuschüsse. Wer ausgewiesene Behindertenparkplätze nutzen will, bei der Straßenverkehrsbehörde einen extra Parkausweis beantragen. Dieser kann dann auch reservierten Stellplatz zuhause oder bei der Arbeit sichern. Doch es ist enorm schwer diesen Ausweis zu erhalten, da man dafür nicht nur eine Schwerbehinderung braucht. Sondern man benötigt entweder das Merkzeichen BL oder  das Merkzeichen aG= außergewöhnlich Gehbehindert. Der Gesetzgeber hat gerade wieder die Voraussetzungen für das Merkzeichen aG verschärft. Sie benötigen einen mobilitätsbezogenen (!) GdB von 80 und müssen im Prinzip auch für kürzeste Strecken einen Rollstuhl benötigen.

Beitrag von Katja Charlé