Röntgenaufnahme einer menschlichen Hand (Bild: colourbox.com)

Service - Was tun gegen rheumatoide Arthritis?

Rheumatoide Arthritis - unter dieser Gelenk-Erkrankung leiden in Deutschland etwa 800.000 Menschen. Heilen kann man die Autoimmunerkrankung nicht. Aber frühzeitig erkannt, lässt sie sich zumindest aufhalten. Wir klären, was die Symptome sind und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt.

Experte im Studio: Prof. Dr. med. Andreas Halder, Ärztlicher Direktor und Chefarzt, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Rheumatologie, Klinik für Operative Orthopädie in Sommerfeld/Kremmen https://www.sana-sommerfeld.de/

Was ist Rheumatoide Arthritis?

Es ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Sie ist chronisch.  Die Gelenkhäute und die Gelenke sind entzündet, das Immunsystem greift körpereigene  Zellen an, dadurch kommt es zu Schwellungen und Entzündungen. Die Entzündung läuft oft im ganzen Körper ab. Oft sind Gelenke befallen, besonders Finger, seltener Gefäße und Organe wie Herz, Lunge oder Auge.

Was sind typische Symptome?

Mehr als zwei Gelenke sind über mehrere Wochen geschwollen und schmerzen. Morgensteifigkeit ist typisch, die länger andauert.  Die rheumatoide Arthritis kann schleichend oder schlagartig beginnen. Meist verläuft sie schubweise. Sehr häufig sind Hände, bzw. die Finger betroffen.  Fast immer sind beide Körperhälften befallen. Mit der Zeit können große Gelenke wie Schulter und Knie betroffen sein. Folgende Krankheitszeichen können auftreten: auch Sehnenscheiden entzünden sich. Müdigkeit, Nachtschweiß, Fieber zeigen, dass der ganze Körper unter der Entzündung leidet. Es können sich Rheumaknoten bilden. Obwohl sie chronisch ist, verläuft die Krankheit schubweise. Ohne Behandlung breitet sich die Entzündung zunehmend auf andere Gelenke, Sehnenscheiden und Knochen aus. Sie führt dann zur Zerstörung der Gelenke und Knochen. Bewegungen tun immer mehr weh, selbst einfache Handgriffe können schwer fallen.

Was sind die Auslöser?

Die genaue Ursache für die Krankheit ist bisher unbekannt. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zwei Faktoren sind wahrscheinlich das körpereigene Abwehrsystem und eine erbliche Veranlagung. Einige Experten vermuten auch einen Zusammenhang mit Infektionen, z.B. einer bakteriellen Zahnentzündung. Und Raucher sind häufiger betroffen.

Wer ist am häufigsten betroffen?

Meistens beginnt die Krankheit so zwischen 30-60 Jahren und es betrifft häufiger die Frauen, sie sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Selten kommt sie bei Kindern vor.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Es ist immer ein Mosaik aus verschiedenen Faktoren, die zusammenkommen. Es wird geschaut: sind die Gelenkbeschwerden funktionell, handelt es sich um Verschleiß oder ist es eine Systemerkrankung. Man fragt nach den typischen Symptomen. Es kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz und es wird auf bestimmte  Faktoren im Blut untersucht.

Warum ist frühe Therapie wichtig?

Die Rheuma Liga sagt: 13 Monate dauert es im Durchschnitt, bis ein Patient mit Symptomen einer Rheumatoiden Arthritis erstmals zum Rheumatologen kommt. In diesen Monaten verstreicht wertvolle Zeit, in der die Gelenke irreparable Schäden erleiden können. Weil bereits nach ein paar Wochen zunächst die Gelenkhaut, dann der Knorpel und schließlich der Knochen angegriffen werden. Dieser Prozess kann mit den richtigen Medikamenten verzögert werden.

Neue Leitlinien besagen, dass innerhalb der ersten drei Monate nach Auftreten der ersten Beschwerden mit der Behandlung begonnen werden soll.

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?

Es sind zum einen symptomatische, also schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, dann die so genannten Basistherapie Medikamente, die wirken zellteilungshemmend, außerdem kurzzeitig Kortison und am wirksamsten sind wohl die so genannten Biologika. Auf diesem Gebiet hat man in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht . Die Krankheit lässt sich durch die Medikamente nicht heilen aber sie lässt sich verzögern, Symptome können abklingen.

Was kann der Patient selber machen?

Wenn es akut entzündet ist, kann Kälte helfen, danach eher Wärme. Bewegung ist wichtig, damit sich die Gelenke nicht weiterversteifen. Und auch eine Ernährungsumstellung, z.B. weniger bzw. kein Fleisch essen kann sich positiv auswirken.

Beitrag von Susanne Stein