Eine Frau schläft in einem Bett aus Wolken (Quelle: Colourbox)
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Service - Warum wir schlafen und träumen

Ob Tier oder Mensch, die nächtliche Ruhe ist ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir. Ohne Schlaf geht’s nicht. Doch was genau in unserem Körper passiert, während wir schlummern, ist noch immer nicht restlos erforscht. Wir bringen Licht ins Dunkle.
Studiogast: Albrecht Vorster, Schlafforscher

In seinem Buch „Warum wir schlafen“ geht der Biologe Albrecht Vorster der Frage nach, warum die Natur überhaupt so etwas wie Schlaf eingerichtet hat. Zu den wichtigsten Funktionen des Schlafes gehört die Gedächtnisbildung. Unser Gehirn wird aufgeräumt, sortiert, Unwichtiges fliegt raus, Wichtiges landet im Langzeitspeicher. Außerdem finden im Schlaf wichtige Stoffwechselprozesse statt (Zucker- und Fettstoffwechsel) und das Immunsystem wird gestärkt. Daher sind die Ratschläge „Schlaf dich gesund“ und „Schlaf mal ne Nacht drüber“ durchaus berechtigt. Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn Gelerntes und so ist man dann meistens am nächsten Tag besser sortiert und klarer. Und wenn der Körper mit einem Krankheitserreger zu kämpfen hat, muss das Immunsystem einen „Schlachtplan“ entwerfen und das tut es ebenfalls im Schlaf.

Teile unseres Gehirns schlafen sogar, während wir eigentlich noch wach sind. Wenn einzelne Nervenzellen übermüdet sind, fallen sie in den Tiefschlafmodus. Das führt dazu, dass wir bei Übermüdung vergesslicher und fahriger werden. Nach intensivem Klavierspielen fallen die Nervenzellen-Regionen in den Tiefschlaf, die für die Feinmotorik von Bedeutung sind. In diesem Teil des Gehirns lassen sich dann Tiefschlaf-Gehirnwellen nachweisen.

Lernen im Schlaf
Der Körper ruht, doch im Gehirn geht die Post ab. Im Schlaf bildet sich unser Gedächtnis. Das zeigen Studien wie die folgende immer wieder. Zwei Gruppen von Studenten müssen Vokabeln pauken. Mehrmals hintereinander über einen Zeitraum von 3 Monaten. Während die eine Gruppe direkt nach jeder Lernsitzung schlafen darf, muss die andere Gruppe wachbleiben. Die Frage der Wissenschaftler: Wie wirkt sich der Schlaf auf das Lernergebnis aus?
Das ist eindeutig: Schon während eines kurzen Nickerchens verarbeitet das Gehirn frische Informationen und speichert sie. Die Studenten, die schlafen durften, merkten sich deutlich mehr Vokabeln als die Vergleichsgruppe.
Doch im Schlaf Vokabeln hören und sie danach im Kopf haben, das funktioniert leider nicht. Denn für Impulse von außen schaltet das Gehirn während des Schlafens ab. Wir müssen also erst lernen und danach schlafen, um das Wissen zu verankern.  

Warum träumen wir?
Dazu gibt es viele Theorien. Wir alle träumen, auch wenn wir uns nicht mehr daran erinnern nach dem Aufwachen. Und zwar in allen Schlafphasen, nicht nur, wie lange gedacht, nur im REM-Schlaf. Albrecht Vorster denkt, dass wir beim Träumen unserem Gehirn beim Verarbeiten, Überspielen und Verknüpfen gelernter Bilder, Gedanken und Emotionen „zusehen“.

Zu wenig Schlaf macht dick und krank

Menschen, die dauerhaft z.B. durch Schichtarbeit einen gestörten Schlaf haben und zu wenig schlafen, werden träge, bewegen sich weniger und haben öfter Heißhunger-Attacken. Wer abnehmen will, sollte auf ausreichenden Schlaf achten. Nach einer durchwachten Nacht ist unser Körper auch resistenter gegenüber Insulin. Die genauen Mechanismen dahinter sind noch unbekannt. Nach einer schlechten Nacht müssen sich Diabetiker oft mehr Insulin spritzen, um ihren Blutzuckerwert zu senken. Aber es gilt auch für Gesunde: Eine durchwachte Nacht bringt unsere Blutzuckerregulation durcheinander. Das Risiko, Diabetes 2 zu entwickeln, steigt. Menschen mit dauerhaftem Schlafmangel haben ein doppelt so hohes Risiko, an Diabetes 2 zu erkranken.
Durch dauerhafte Schichtarbeit und chronischen Schlafmangel verlieren die einzelnen Organe, die alle eine innere Uhr haben, ihre Orientierung. Magen-Probleme wie Sodbrennen, Übergewicht, Kreislaufprobleme, Schlafprobleme folgen. Studien zeigen: Schichtarbeit fördert Krebs. Denn fehlender Schlaf schwächt das Immunsystem. 30 Jahre Schichtarbeit verkürzen das Leben im Schnitt um 8 Jahre, schreibt Vorster.

Schlafmittel? Besser nicht!
Viele Menschen greifen bei Schlafproblemen zu Schlafmitteln. Davon rät Albrecht Vorster dringend ab. Gerade für ältere Menschen seien diese Medikamente gefährlich. Sie belasten die Leber und machen stark abhängig. Außerdem machen sie unsicher auf den Beinen. Schlafmittel sind nachweislich für eine Vielzahl an Oberschenkelhalsbrüchen verantwortlich. Die bessere Behandlung bei Schlafproblemen sei die Kognitive Verhaltenstherapie. Sie wirke laut Vorster genauso gut wie Schlafmittel.  

Beitrag von Sina Krambeck


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