Service - Zahnfüllungen: Alles besser als Amalgam?

Seit Juli sind Zahnfüllungen mit Amalgam für Kinder unter 15 Jahren, Schwangere und stillende Frauen nur noch in besonderen medizinischen Ausnahmefällen erlaubt. Dieses EU-weite Verbot hat die Diskussion um mögliche Gesundheitsrisiken des Quecksilber-Gemischs neu entfacht. Sind Amalgam-Füllungen gefährlich? Wir erklären, wie hoch das Risiko ist und was die Vor- und Nachteile von alternativen Zahnfüllungen sind.

Amalgam ist ein Materialmix aus Silber, Zinn, Kupfer und Quecksilber und einer der ältesten zahnärztlichen Werkstoffe. Es wird bereits seit über hundert Jahren in der Zahnmedizin verwendet. Dennoch ist es aufgrund des enthaltenen Quecksilbers nicht unumstritten. Hintergrund des  aktuellen Verbots für bestimmte Personengruppen  sind aber weniger gesundheitliche, als vielmehr ökologische Gründe. Die Europäische Union will den Einsatz von Amalgamfüllungen aufgrund des enthaltenen Quecksilbers und der damit verbundenen Umweltproblematik langfristig zurückführen.

Die Verwendung von Amalgam ist auch für Menschen mit einer nachgewiesenen Allergie gegen Amalgambestandteile und für Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen verboten. Diese Menschen erhielten bereits vor dem aktuellen Verbot kostenfrei eine alternative Füllung im Seitenzahnbereich.

Es gibt zahlreiche Studien, wonach eine intakte Amalgam-Füllung keine negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat. Zwar kommt es durch die Kaubewegungen zu einem minimalen Abrieb, aber die Quecksilber-Mengen, die dabei vom Körper aufgenommen werden, liegen nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kiefernheilkunde in einer unbedenklichen Größenordnung. Viele Zahnärzte loben das Preis-Leistungs-Verhältnis von Amalgam. Es lässt sich leicht verarbeiten und hat eine lange Lebensdauer: Amalgam kann durchaus über zwanzig Jahre halten, selbst auf den Kauflächen.

Wer dennoch ein ungutes Gefühl hat und seine alten Amalgam-Füllungen lieber entfernen lassen möchte, muss wissen: Beim Einsetzen und beim Entfernen einer Amalgam-Füllung ist das Risiko am größten, dass giftige Quecksilber-Dämpfe austreten. Ein Austausch alter Amalgamfüllungen sollte daher vor allem in der Schwangerschaft möglichst nicht und wenn, dann nicht ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen erfolgen, da beim Ausbohren vermehrt Quecksilber freigesetzt wird. Wenn die Füllung intakt ist, besteht nach Ansicht von vielen Experten kein medizinischer Grund, sie zu entfernen.

Alternativen zu Amalgam

Zahnärzte, die kein Amalgam verwenden, müssen ihren Patienten eine Alternative anbieten, die nicht teurer ist als eine Amalgamfüllung - im Seitenzahnbereich also zuzahlungsfrei. Sonst verstoßen sie laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung gegen ihre vertragszahnärztlichen Pflichten. Und ob gesundheitsgefährdend oder nicht, viele Patienten möchten keine Amalgam-Füllungen mehr, auch aus ästhetischen Gründen.

Eine häufig gewählte Alternative zu Amalgam ist die Kunststofffüllung, das so genannte Komposit - ein Gemisch aus Kunststoff und  Quarzteilchen. Die weiche Substanz wird direkt in das Loch gefüllt und dann gehärtet. Der Vorteil: Das Material ist im Zahn kaum erkennbar. Dank verbesserter Eigenschaften und neuer Befestigungsverfahren hält modernes Komposit etwa 8-10 Jahre. Für die Frontzähne übernehmen die Krankenkassen die Kosten für einfache Kompositfüllungen. Im Seiten- und Backenzahnbereich wird je nach Aufwand eine Zuzahlung von etwa 30 bis 160 Euro fällig. Die zahnfarbenen Kunststoff-Füllungen enthalten eine Mischung aus verschiedenen Kunststoffen, deren mögliche Wirkung auf den Körper noch nicht abschließend erforscht ist.

Glasionomerzement ist ein mineralischer Zement, der speziell für die zahnärztliche Anwendung entwickelt wurde. Das Material ist weich, und zeigt nach der Härtung eine matte, helle Oberfläche. Glasionomerzement leistet gute Dienste bei der Befestigung von Zahnersatz, kann aber auch als Füllung eingesetzt werden. Bei großer Karies, die schon die Zahnzwischenräume erreicht hat, ist diese Füllungsalternative allerdings ungeeignet. Auch ist sie mit 3-8 Jahren weniger langlebig.

Bei größeren Defekten sind Gold und Keramik weitere Alternativen zu Amalgam. Sie werden im Labor angefertigt. Dieses Stück - das so genannte Inlay - setzt der Zahnarzt dann ein. Der Vorteil: Beide Werkstoffe halten zehn Jahre und länger. Der Nachteil: Sie sind vergleichsweise teuer. Je nach Größe des Lochs und der Lage des Zahns muss man für ein Gold-Inlay zwischen 250 bis 500 Euro zuzahlen, ein Keramik-Inlay kann sogar bis zu 700 Euro kosten. Die Preise variieren je nach Labor.

Für welches Material man sich entscheidet, hängt von vielen Faktoren ab: vom Zustand des Zahnes,  der Größe des Defekts, dem allgemeinen Gesundheitszustand, ästhetischen Ansprüchen und vom gewünschten Zeit- und Kostenaufwand.

Beitrag von Sina Krambeck