Rollstuhlfahrer zieht in eine neue Wohnung ein (Quelle: imago/MITO)
imago/MITO
Bild: imago/MITO

Service - Barrierefreies Wohnen

Damit man seine Wohnung auch im Alter mit körperlichen Einschränkungen nutzen kann, muss sie barrierearm oder -frei sein. Viele suchen eine solche Unterkunft, sie zu finden ist allerdings sehr schwierig. Wir klären, wie man eine entsprechende Wohnung findet und finanziert.

Auch im Alter soll es aufwärts gehen. Aber den meisten Senioren fällt das schwer. Selbst der Gang durch die Wohnung kann für sie gefährlich werden. Sogar die Balkonschwelle bereitet Probleme. An vielen Orten drohen Hindernisse. Und dann erst der Einstieg in die Badewanne.

Ältere Menschen müssen zu Hause manchmal ganz schön klettern, um bestimmte Dinge zu erreichen.  Das alles sollte besser nicht sein, denn es gibt viele Möglichkeiten, eine Wohnung altersgerecht auszustatten.

Bei zibb gibt Diplom-Sozialarbeiterin Christine Gaszczyk, dazu nähere Informationen. Sie leitet seit vielen Jahren die "Beratungsstelle für Technische Hilfen und Wohnraumanpassung" beim Sozialverband des VdK Berlin-Brandenburg. Die Beratungsstelle befindet sich in Berlin-Treptow, im Kiezklub Rathaus Johannisthal, und ist immer montags und donnerstags geöffnet. Beratungen finden aber auch telefonisch, nach Vereinbarung, oder in Form eines Hausbesuches statt. Informiert wird kostenlos über alle Hilfen, die es älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung ermöglichen, ihr Leben weitgehend selbstbestimmt zu organisieren.

Das beginnt bei einfachen Gegenständen, die das Leben im Haushalt oder bei der Körperpflege erleichtern können und reicht bis hin zu Hilfestellung bei der Mobilität.

Sollte das nicht ausreichen und ein Umbau der Wohnung nötig sein, gibt es auch dafür die entsprechende Beratung, also beispielsweise, welche Anträge wie und wann gestellt werden müssen, welche Förderungen es gibt oder welche Rechte der Mieter hat. Sollten dabei Probleme auftreten, hilft die Beratungsstelle ebenfalls.

Einen alten Baum verpflanzt man nicht! Für viele ältere Menschen ist das gewohnte Wohnumfeld sehr wichtig. Damit sind sie vertraut, dort leben Familienangehörige, Freunde. Dort befinden sich die Ärzte. Das gibt Sicherheit und stärkt die Lebensgeister.

Bei einem Umzug muss man meist wieder ganz von vorne anfangen, sich neu orientieren, Kontakte knüpfen. Außerdem ist es sehr schwer, eine entsprechend ausgebaute Wohnung zu finden, weil es nicht genügend gibt. Experten haben berechnet, das in der Bundesrepublik in gut zehn Jahren mehr als drei Millionen solcher Quartiere benötigt werden und derzeit kaum 700000 existieren.

Wenn es sie in ausreichender Zahl gibt, kommt das nächste Problem: Kann man sie sich auch leisten im Alter oder als Pflegefall? Insofern ist es ratsam, die eigenen vier Wände, in denen man sich wohlfühlt, so auszugestalten, dass man dort noch viele unbeschwerte Jahre verbringen kann.

Die technische Entwicklung hat dabei einiges möglich gemacht: Einfache Hilfsmittel sind zum Beispiel Bewegungsmelder, die es in jedem Baumarkt gibt und die leicht zu installieren sind. So muss man in dunklen Räumen nicht erst lange nach dem Lichtschalter suchen.

Angeboten werden auch zahlreiche Notrufsysteme, wie beispielsweise eine Sturzmatte, die man vor das Bett oder vor die Badewanne legt und die einen Notruf sendet, wenn jemand hingefallen ist.

Notrufsysteme gibt es auch für den Herd, falls dieser nicht ausgeschaltet wird oder für Fenster, wenn sie zu lange geöffnet bleiben. Und auch solche, die Wasserschäden melden. Das gibt demenzkranken Menschen und deren Angehörige mehr Sicherheit.

Für Menschen, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können, sind absenkbare Schränke oder Kleiderlifte, die Hosen oder Hemden in höher gelegene Regale verstauen, eine Unterstützung.

Wenn das alles nicht mehr ausreicht, ist ein Umbau der Wohnung ratsam. Der Mieter kann nach Paragraph 554a des Bürgerlichen Gesetzbuches einen solchen Umbau der Wohnung verlangen. Manche Vermieter fordern dafür einen Nachweis über den Schwerbehindertenausweis hinaus, zum Beispiel einen ärztlichen Nachweis, dass der Mieter auf eine altersgerechte- oder behindertengerechte Wohnung angewiesen ist.

Trotzdem darf der Vermieter ablehnen - und zwar in dem Fall, dass seine Immobilie dadurch an Wert verliert oder andere Mieter sich dadurch beeinträchtigt fühlen. Eine Klage ist dann möglich, aber nicht ratsam, weil dadurch ja das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter nur noch mehr belastet wird.

Der Vermieter kann verlangen, dass bei einem Auszug der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird und für diesen sog. Rückbau eine Kaution fordern. Damit sind viele Betroffene finanziell überfordert und können den Umbau trotz eigentlicher Erlaubnis nicht realisieren

Eine Mieterhöhung ist nicht zulässig, da der Mieter die Kosten für den Umbau selbst getragen hat.

Wenn der Vermieter den Umbau bezahlt, ist natürlich eine Mieterhöhung die Folge. Bisher konnten bis zu elf Prozent für die Arbeiten auf die Miete umgelegt werden, seit 01.01.19 sind es nur noch acht Prozent. Zeitlich begrenzt ist das nicht. Auf lange Sicht ist es zudem sehr kostspielig. Bei einem Wohnungswechsel hat man dafür aber weniger Probleme, da ein Rückbau nicht verlangt werden kann.

Was sind typische Veränderungen, die in der Wohnung dann vorgenommen werden müssen, welche Umbauten sind zu erwarten?

Das hängt vom Hilfebedarf der Bewohner ab. Jeder entscheidet selbst, was er dringend benötigt. Wichtig sind aber in der Regel breite Türen, damit man sie auch mit dem Rollstuhl oder dem Rollator problemlos passieren kann. Steckdosen und Lichtschalter, die leicht, also auch im Sitzen, zu erreichen sind. Ein Fußboden ohne Schwellen. Haltegriffe. Eine bodengleiche Dusche statt einer Badewanne. Oder wenn das nicht geht, evtl. eine Türe in die vorhandene Badewanne. Oft ist auch das WC zu niedrig. Und Notrufsysteme, die melden, wenn sich länger in der Wohnung nichts tut.

Ein Badumbau kann bis zu 20000 Euro kosten. Zum Glück geht es aber auch preiswerter. Für den alters- bzw. behindertengerechten Umbau der gesamten Wohnung können Zuschüsse bei verschiedenen Stellen beantragt werden.

Da wäre zunächst die Pflegekasse. Bei einem Pflegegrad zahlt sie bis zu 4000 Euro für Umbauten in der Wohnung sowie im Hauseingangsbereich. Auch die Installation von Haltegriffen im Bad oder Notrufsysteme fallen darunter.

Vielen Pflegekassen reicht ein Kostenvoranschlag. Manche fordern zwei oder drei. Manche wollen auch eine Notwendigkeitsbescheinigung des Pflegedienstes oder schicken den MDK vorbei.

Hilfe gibt es auch von der Krankenkasse. Sie finanziert vor allem Hilfsmittel, wie Badewannensitze, Badewannenlift, oder ein Pflegebett. Aber auch das Anbringen von Klappstützgriffen für die Toilette oder das Waschbecken.

Einige Bundesländer bieten zudem Förderprogramme an. Die Landesinvestitionsbank Brandenburg gewährt ein Darlehen bis zu 22000 Euro. Berlin hat so etwas leider nicht zu bieten. Zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse vergibt auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Immerhin bis zu einer Höhe von 50000 Euro. Man muß dann aber Vorgaben bzgl. der Barrierefreiheit einhalten, die auch überprüft werden können. Das Geld kann auch zum Erwerb einer bereits umgebauten Wohnung verwendet werden.

Grundsätzlich gibt es auch andere verschiedene Kostenträger, die in Frage kommen. An erster Stelle steht die Pflegeversicherung. Dann - je nach Ursache einer Behinderung - gibt es noch die Unfallversicherung, BG, Rentenversicherung Integrationsamt.

Nachrangig ist das Sozialamt, das im Rahmen der Eingliederungshilfe oder der Altenhilfe Kosten übernehmen kann.

Bei letzterem müssen aber die persönlichen Finanzen offen gelegt werden. Es gibt Einkommens- und Vermögensgrenzen.

Man kann sich auch an Stiftungen wenden, aber auch da muss man "beweisen", daß man alles andere versucht hat und sich nicht selber helfen kann.

Die Voraussetzungen für eine Leistung sind in den einzelnen Gesetzen des SGB beschrieben: manches sehr klar und eindeutig,, aber manche Ausdrücke lassen auch mehrere Interpretationen zu. Sollten aber Anträge abgelehnt werden, ist es immer ratsam, einen Widerspruch einzulegen. Oft sind die genannten Gründe leicht widerlegbar.

Man sollte aber auch bedenken, daß nach einem erfolgreichen Umbau die Pflegekasse überprüfen kann, ob dadurch nicht auch der Hilfebedarf geringer geworden ist und der Pflegegrad gesenkt werden kann. Die Experten vom VdK stehen dabei gern beratend zur Seite.

Beitrag von Boris Römer