3D-Bild eines Knies (Bild: imago images/Science Photo Library)
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Service - Knie-Operationen - wann sind sie sinnvoll?

Das Knie ist ein komplexes und damit auch faszinierendes Gelenk für Prof. Dr. Hanno Steckel. Der Berliner Wissenschaftler und Orthopäde hat dem Knie nun ein ganzes Buch gewidmet: "Nicht übers Knie brechen". Darin warnt er unter anderem vor zu früh durchgeführten Knie-OPs.

Der Titel seines Sachbuchs spielt auf die stetig wachsende Zahl von Knie-Operationen an. Vor allem der Trend zu künstlichen Gelenken. Seit zehn Jahren steigt die Zahl und 31% der Knieprothesen werden bei unter 60-jährigen Patienten eingesetzt. Viel zu früh, warnt Buchautor Hanno Steckel. Erst wenn alle sogenannten "konservativen" Behandlungsformen ausgereizt sind, kann eine Knieprothese die richtige Lösung sein.

Die häufigsten Probleme bereiten Fehlstellungen, Risse an Bändern oder Menisken und nicht zuletzt die Volkskrankheit Arthrose – der Knorpelverschleiß. In jedem dieser Fälle ist ein Behandlungskonzept erforderlich, wenn das Knie länger als eine Woche bewegungseingeschränkt ist oder schmerzt.

Hanno Steckel empfiehlt sogar einen jährlichen Check-up für die Gelenke, dafür ist auch der Hausarzt eine gute Adresse. Besonders bei Arthrose sind die Probleme oft erblich oder systemisch bedingt. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung setzten den Knien zu. Zu viele Kilos drücken auf die Gelenke, selbst wenn operieren die letzte Lösung ist, drücken die Kilos wiederum auf die Wunde und das neue Gelenk.

Bei der Ernährungsumstellung und beim Aufstellen eines individuellen Diätplans helfen Ernährungsberater*innen. Eine Hilfe, die es anzunehmen lohnt, denn mit Begleitung wird das Abnehmen viel leichter zu einem erfreulichen Prozess, denn nicht nur die Knie profitieren davon.

Auch die Nahrung selbst liefert wichtige Bausteine für Knochen und Gelenke. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zum Beispiel 1.000 mg Calcium pro Tag, wichtig für unsere Knochen. Knochen können sich regenerieren, die Arthrose, der Knorpelabbau ist unheilbar. Bei fortgeschrittener Arthrose reibt Knochen auf Knochen, das ist schmerzhaft und schränkt die Bewegung deutlich ein.

Doch Arthrose lässt sich mit verschiedenen Therapieformen aufhalten: Mit Physiotherapie oder Verzicht auf Knie belastende Sportarten wie Joggen oder Volleyball. Stattdessen empfehlen Mediziner Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen. Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit sind die Basis für gezieltes Training, dass den Knien hilft.

Auch medizinische Möglichkeiten bei der Arthrose-Behandlung schreiten voran. Hyaluronspritzen können Knorpelabbau aufhalten, zwar keine Kassenleistung, aber Hilfe versprechen schon 3-5 Spritzen für jeweils 60 Euro pro Jahr. Ähnliche Wirkung haben auch die Eigenbluttherapie und das Züchten von körpereigenen Knorpelzellen. Das bezahlt die Krankenkasse. Dr. Hanno Steckel setzt alle drei Verfahren mit guten Resultaten in seiner Praxis ein. Und erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Operieren die richtige Entscheidung sein. Im Zweifelsfall ein Zweitmeinung einholen.

Beitrag von Dagmar Kniffki