Service - Nach dem Krebs: Mit Sport zurück ins Leben

Am Sonntag startet der 45. Berlin-Marathon. Eine der rund 44.000 LäuferInnen wird die 34-jährige Miriam sein, die vor 8 Jahren an Leukämie erkrankte. Sie erhielt eine Chemotherapie und während der Behandlung kam es zu Komplikationen mit ihrem Herzen. Dann begann sie mit dem Laufen...

Erst waren es nur kurze Spaziergänge, die immer länger wurden und sie zum Joggen, schließlich zum Marathon führten. Der Sport hat sie in ihrer Genese unterstützt und war auch als psychologische Hilfe von großer Bedeutung, sich nicht der Krankheit zu ergeben und ein Ziel zu verfolgen.

Sport bei Krebs
Schon während einer Chemotherapie kann moderate Bewegungstherapie sehr positive Wirkung auf die Patienten haben. Besonders  das Fatigue-Syndrom, also Müdigkeit und Erschöpfung durch die Medikamente werden deutlich gelindert. Blutdruck und Kreislauf werden stabilisiert und auch die Bildung körpereigener Abwehr- bzw.Killerzellen wird angeregt.

Menschen mit Krebs sollen am besten sofort nach der Diagnose mit Sport beginnen. Eine Studie zeigt: Intensive Bewegung kann das Tumorwachstum bremsen. Ein Krankenkassen-Programm sammelt Erfahrungen.

Die Diagnose Krebs ist im Leben jedes Betroffenen ein Einschnitt. Ab sofort ist der Alltag ein anderer – und er ist meist deutlich eingeschränkt. Viele sind unendlich müde und kraftlos oder haben Angst. Mit Bewegung und Sport können sie diese Probleme in Angriff nehmen – davon sind Experten überzeugt. „So können Patienten aus ihrer Passivität und Schockstarre geholt werden“, ist Professor Martin Halle von der Technischen Universität München überzeugt. Dabei gehe es nicht um Fußballspielen oder Höchstleistungen, sondern um eine speziell auf den Patienten abgestimmte Sporttherapie. Die soll dem Krebspatienten nicht nach der Therapie, in einer Reha, verordnet werden, sondern schon zu Beginn – wenn der Erkrankte seine Diagnose bekommt.
„Der Patient soll wissen, dass er seine Krankheit auch in der Hand hat und dafür verantwortlich ist, dass seine Therapie optimal wirkt“, erklärt Halle. Nur ein wirklich fitter Patient könne die Chemotherapie tolerieren, seine Prognose sei besser. Zudem belegen Studien, daß die Rückfallquote unter Patienten, die nach der Erkrankung Sport treiben geringer ist.

Anlässlich des Berlin Marathons ist eine junge ehemalige Krebspatientin, Miriam V. zu Gast bei zibb, die nach überstandener Krankheit ihren zweiten Marathon läuft und anderen Betroffenen Mut machen will.

Expertengast: Prof. Dr. Berhard Wörrmann Internist und Spezialist für Onkologie und Hämatologie in der Berliner Charité. Außerdem ist er engagiert in der Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs


Beitrag von Ute Müller-Schlomka