Ein Junge hat Kopfhörer auf und hört Musik (Quelle: Colourbox)
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Service - Technik fürs Ohr - Kopfhörer und Hörgeräte

Wir muten unseren Ohren im Alltag viel zu. Kopfhörer sind im Trend, laute Musik und satter Bass inklusive! Für die Ohren ist das langfristig weniger gut. Welche Kopfhörer und welche Einstellungen schaden den Ohren nicht? Welche Technik hilft denen an besten, die bereits ein Problem beim Hören haben?

Hören Sie in einem stillen Zimmer die Uhr ticken? Wenn nicht, deutet bereits das auf einen leichten Hörschaden hin. Ein kleines Alarmsignal sollte es sein, wenn sie einer leisen Unterhaltung nicht mehr folgen können und nur noch die Hälfte davon verstehen. Dann sind Sie mittelgradig schwerhörig. Experten meinen, dass es hierzulande mehr als 10 Millionen Betroffene gibt, von denen sich aber nur ein Teil behandeln lässt. Dabei ist gutes Hören wichtig für die Gesundheit. Der 3. März ist der Internationale Welthörtag und zibb hat deshalb Prof. Dirk Mürbe von der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité eingeladen.

Wie merkt man eigentlich, dass man schwerhörig wird?
Die Schwerhörigkeit beginnt langsam und schleichend. So ist es typisch, dass es nicht der Betroffene selbst ist, der es bemerkt, sondern das andere ihn darauf aufmerksam machen. Etwas später wird es der Betroffene selbst erkennen, nämlich daran, dass er vieles missversteht, es ihm vor allem schwerfällt, Sprache zu verstehen, wenn es laut um ihn herum ist und dass es ihn anstrengt, wenn er sich längere Zeit auf einen Gesprächspartner konzentrieren muss.

Eine Hörstörung ist keine Nebensächlichkeit. Sie kann Krankheiten auslösen! Typischerweise führt die nicht behandelte Hörstörung zum psychosozialen Rückzug und zur Isolation. Menschen mit einer Hörschwäche haben ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Und nicht zu vergessen die Kinder: Wenn ihre Hörschwäche nicht rechtzeitig behandelt wird, können sie später Sprachschwierigkeiten haben, ihre Intelligenz entwickelt sich wesentlich schlechter und sie werden die soziale Kompetenz verlieren und höchstwahrscheinlich auch Selbstwertprobleme bekommen.
Wenn Verständnisprobleme auftreten, ist eine Diagnostik bei einem HNO-Arzt zu empfehlen. Geprüft wir dann mit entsprechenden audiometrischen Verfahren, ob und welche Töne und vor allem auch Sprache gehört werden kann. Da gibt es ein Audiogramm, ein Hörtest, bei dem festgestellt wird, welche Töne in welchen Tonfrequenzen gehört werden können und dann werden einsilbige Wörter genannt oder kurze Sätze, die vom Patienten verstanden werden müssen. Und ähnlich klingende Wörter wie Haus und aus oder Ast und Axt. Die werden dann oft verwechselt und das führt zur Diagnose, dass ein Sprachverständigungsproblem vorliegt. Dann wird ein Hörgerät notwendig.

Eine Ursache für schlechtes Hören kann eine erbliche Vorbelastung sein, wenn sie bereits frühzeitig auftritt. Oder sie wird durch einen langandauernden starken Lärm ausgelöst. Auch kurzer Krach kann eine Hörschwäche auslösen. Ein plötzliches lautes Knallen oder hohes Pfeifen in unmittelbarer Nähe, das zunächst zu einer leichten Hörstörung führt, von der sich aber das Gehör nicht mehr vollständig erholt. Eine Hörschwäche tritt oft auch mit zunehmendem Alter auf.

Oft muten wir unseren Ohren allerhand zu. Kopf- bzw. Ohrhörer sind im Trend, denn damit lässt sich die Lieblingsmusik in voller Lautstärke genießen, ohne jemanden zu stören. Gerade junge Menschen gönnen ihren Ohren kaum noch eine Ruhepause.  Messungen haben gezeigt, dass der Pegel bei derartigem Musikhören oft ähnlich hoch ist, wie bei einem Presslufthammer aus 10 Metern Entfernung. In unserem Gehör befinden sich äußerst sensible Haarzellen, die die Schallwellen von außen
aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten.

Starker Dauerlärm kann sie schädigen und meist ist das nicht mehr zu reparieren. Also die Lautstärke drosseln und auch mal den Ohren eine Pause gönnen, raten Experten. Viele Menschen können sich mit einem Hörgerät nicht abfinden. Vielleicht ist ein Hörtraining besser? Es gibt da verschiedene Therapieangebote auf dem Gesundheitsmarkt.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Sprachverständlichkeit sowie die Geräuschunterscheidung. In regelmäßigen 45minütigen Therapiesitzungen werden mithilfe verschiedener Übungen diese Sachen trainiert. Unterstützt wird das außerdem durch umfangreiche Entspannungsübungen, um Stress abzubauen. Es gibt sogar spezielle Programme im Internet bzw. auf CD. Solche zielgerichteten Trainingsangebote können auch den Ersteinsatz eines Hörgerätes erleichtern und helfen, deren Qualität zu verbessern.
Geräusche entstehen im Gehirn. Es muss trainiert werden, diese wieder wahrzunehmen und spezielle Geräusche von anderen zu unterscheiden. Also wird die Hirnaktivität geschult, um erlahmte Nervenzellen wieder anzuregen. Diese werden dann neue Verbindungen mit anderen Nervenzellen herstellen. Je mehr solcher Verbindungen es im Gehirn gibt, desto besser werden wir hören, aber auch sprechen und insgesamt denken.

Die kleine Technik im Ohr leistet inzwischen viel mehr als noch vor einigen Jahren, denn Hörgeräte haben sich in kurzer Zeit gewaltig verändert. Diese Minicomputer können inzwischen selbständig reagieren. Zum Beispiel auf schwierige Geräuschsituationen.
Ein winziges Mikrophon wandelt den Schall in elektrische Signale um. Diese werden von einem Mini-Rechner analysiert und verstärkt. Die sozusagen aufgefrischten Schallwellen gelangen dann durch einen Lautsprecher in den Gehörgang. Es gibt inzwischen ausgefeilte Systeme, die die Richtmikrofontechnik nutzen und kabellos mit vielen Geräten, wie dem Fernseher beispielsweise verbunden werden können.
Bei aller neuen Technik. Viele klagen dennoch darüber, dass die Geräte nicht optimal funktionieren. Manche sind zu laut, andere wieder zu leise. Hörsysteme sind Hochleistungs-Minicomputer, die an die individuelle Situation der Betroffenen angepasst werden müssen. Da ist zeitlich und personell in der Regel ein aufwendiger Prozess. Selbst die beste Technik kann sich nicht auf alle Eventualitäten einstellen. Ein Hörakustiker aber hat das entsprechende Wissen und die Erfahrung. Nur mit ihm zusammen lassen sich solche Probleme lösen. Dazu muss auch der Patient sein Teil leisten. Also Geduld aufbringen und die Bereitschaft mitzuarbeiten.

Viele Menschen klagen auch über Tinnitus. Das kann eine Reaktion des Gehirns auf eine Nervenbelastung sein, die sich dann auf das Gehör auswirkt. Hörgeräte können das ständige Pfeifen oder Rauschen durchaus beeinflussen oder auch verdecken.
Hörgeräte, die von den Krankenkassen bezahlt werden, haben in der Regel einen guten Grundstandard. In Abhängigkeit der individuellen Schwerhörigkeit und der individuellen Hörsituationen kann weiterführende Technik allerdings zu einer besseren Hör- und Sprachrehabilitation führen. Auch wer etwas mehr Komfort will, kann die eine oder andere Leistung zusätzlich bezahlen, wie beispielsweise bessere Ladestationen für Akkus oder spezielle Verstärker für das Fernsehgerät oder ein bestimmtes Design, auf das man Wert legt.

Beitrag von Boris Roemer