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Service - Pflegebegutachtung und Widerspruch

Wer eine Pflegestufe für sich oder einen Angehörigen beantragt, kommt um die Pflegebegutachtung nicht herum. Immerhin, rund ein Drittel aller Anträge auf eine Pflegestufe wird zunächst abgelehnt. Die Antragsteller müssen dann Widerspruch einlegen, um die gewünschte Stufe zu erhalten. Wie das geht, klären wir mit einer Juristin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.

Studiogast: Anja Lehmann, Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Jeden kann es treffen, nicht nur Alte: Ein Unfall, eine Erkrankung führen dazu, dass ein Mensch auf Hilfe angewiesen ist. (2018 waren es 3,7 Millionen Menschen) Dafür ist die Pflegekasse da, doch bevor die einspringt und hilft, begutachtet der Medizinische Dienst der Krankenkassen den Antragsteller. Bei Privatpatienten übernimmt Mediproof die Begutachtung der Hilfsbedürftigkeit.

Antragstellung:
Der Antrag kann zunächst mündlich, also per Telefon bei der Krankenkasse gestellt werden. Die angegliederte Pflegekasse übermittelt dann die Antragsformulare. Gezahlt werden die Leistungen ab dem Zeitpunkt der Antragstellung, also auch rückwirkend. Es kann mehrere Wochen dauern, bis der Antrag bearbeitet und die Einstufung durch den MDK erfolgt ist.

Seit der Pflegereform 2017 wurden die Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt. Davon profitieren vor allem demente Menschen. Ihnen kommt jetzt Unterstützung zugute, die zuvor nicht geleistet wurde.

Über welche Fähigkeiten ein Pflegebedürftiger verfügt, wobei sie oder er Hilfe braucht, ist entscheidend für die Einschätzung nach einem Punktesystem durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen.

Ob Körperpflege, geistige Kriterien, die Fähigkeit zur Nahrungszubereitung und Essen all das zählt für die Festlegung des Pflegegrades. Der reicht von 1 bis 5. Die Begutachtung hat das Ziel, Pflegedürftigen die Hilfe zukommen zu lassen, die ihnen zusteht.

Wichtig ist, dass der Antragsteller einen realistischen Blick auf seine körperlichen, geistigen und sozialen Kompetenzen ermöglicht. Viele alte Menschen wollen möglichst gut dastehen beim Besuch des MDK und vertuschen so mitunter Defizite, die ihnen tatsächlich im Alltag Probleme bereiten.

Sollten Angehörige oder Pflegebedürftige nicht mit der Einstufung des MDK zufrieden sein, ihn als nicht gerecht empfinden, so sollten sie Widerspruch einlegen. Dies können sie insgesamt zwei Mal tun, sollte sich dann an der Einschätzung des MDK und der Einstufung des Pflegegrades nichts ändern, bleibt noch die Klage vor dem Sozialgericht.


Pflegegrade/Leistungen:

Pflegegrade      

Geldleistung (ambulant)

Sachleistung (ambulant)

Entlastungsbetrag (ambulant) zweckgebunden

Leistungsbetrag (vollstationär)

1

   

125 Euro

125 Euro

2

316 Euro

689 Euro

125 Euro

770 Euro

3

545 Euro

1.298 Euro

125 Euro

1.262 Euro

4

728 Euro

1.612 Euro

125 Euro

1.775 Euro

5

901 Euro

1.995 Euro

125 Euro

2.005 Euro

 

 

 

Beitrag von Ute Mueller-Schlomka