Multiple Sklerose - Grafik (Quelle: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und AMSEL e.V., Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg)
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft
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Service - Die richtige Ernährung bei Multiple Sklerose

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die Strukturen des zentralen Nervensystems zerstört und langfristig zu Behinderungen führt. An MS erkranken vor allem junge Erwachsene. Die Ursache ist trotz intensiver Forschung weiterhin unbekannt.

Wenn die Augen plötzlich ihren Dienst versagen, kann das ein erstes Anzeichen für Multiple Sklerose sein. Das zentrale Nervensystem funktioniert nicht mehr einwandfrei. Wie elektrische Leitungen durchziehen die Nervenbahnen unseren Körper und auch sie besitzen eine isolierende Schutzschicht. Doch eine fehlerhafte Immunabwehr kann diese Isolation angreifen und zerstören. Ein reibungsloser Energietransfer ist dann in unserem Organismus nicht mehr möglich.    
Bundesweit leiden rund 200 000 Menschen an der Multiplen Sklerose, die meisten von ihnen zwischen 20 und 40 Jahre alt.     
Heilbar ist sie nicht. Doch die richtige Ernährung kann Symptome lindern. In der Charité wird dazu jetzt eine Studie durchgeführt. Zu Gast im zibb-Studio: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Immanuel Krankenhaus Berlin / Charité
Man sieht es in der Regel den Menschen nicht an, dass sie unter Multipler Sklerose leiden. Oft wird diese Krankheit als die „Krankheit mit den vielen Gesichtern“ bezeichnet. Das bedeutet, dass es eine Vielzahl Symptome gibt, die in der Anfangszeit in Perioden auftreten, wie Störungen in der Muskelfunktion, eine sehr starke Müdigkeit, Koordinationsprobleme, spastische oder epileptische Ausbrüche oder Sehstörungen. Das sind nur einige. Im Verlauf der Krankheit können sich diese Symptome verstärken und unter Umständen zu einer dauerhaften Behinderung führen. Beispielsweise, dass man im Rollstuhl sitzt.
Bei Tierversuchen hat sich gezeigt, dass eine stark kohlenhydratreduzierte Ernährung oder das Fasten zu einer deutlichen Abmilderung der Symptome führen kann. Seit längerem weiß man, dass zuviel Kohlenhydrate neurologische Erkrankungen befördern, nicht nur die Multiple Sklerose, sondern auch Parkinson oder Alzheimer. Doch das Abschwächen von Symptomen ist das eine. Jetzt soll es vor allem um die Frage gehen: Kann man mit der Nahrungsaufnahme auch den Krankheitsverlauf beeinflussen? Lassen sich durch die richtige Ernährung zum Beispiel weitere Schäden im Gehirn verhindern oder läßt sich die Schubrate, in denen die Beschwerden auftreten, verlangsamen? Das könnte Ansatzpunkte für eine wirksame Therpie bringen. Ebenso interessant ist der Einfluss der Ernährung auf die Darmflora, denn es ist inzwischen bekannt, das bestimmte Bakterien Multiple Sklerose auslösen können. Welche Ernährungskonzepte werden nun in dieser Charite-Studie getestet?
Zum einen das therapeutische Fasten. Einmal in einem halben Jahr 3 Wochen in einem Stück. Und dazwischen in reduzierter Weise. Dann die fettreiche und kohlenhydratreduzierte Ernährung, sowie die entzündungshemmende Ernährung, bei der vor allem pflanzliche Nahrungsmittel eingenommen werden. Welche Methode am Wirksamsten ist, soll unter anderem herausgefunden werden.
Bei der Kohlenhydrat- Diät oder dem Fasten werden beispielsweise so genannte Ketonkörper gebildet. Dass sind körpereigene chemische Substanzen, die das Gehrin besser mit Energie versorgen können. Auch der Insulinspiegel kann dadurch auf einem niedrigeren Nivieau gehalten werden. Interessant sind auch die Ergebnisse bei der entzündungshemmenden Ernährung, die vor allem aus pflanzlicher bzw. Fischkost besteht. Hier hat man bei Tierversuchen erkannt, das Omega-3-Fettsäuren die zerstörte Schutzhülle der Nervenbahnen wieder heilen konnten.
Es hat sich jetzt schon gezeigt, dass sich bei vielen Patienten das Wohlbefinden stärken lässt, die Krankheitsschübe verlangsamen oder sind nicht mehr so heftig, die Muskelkräfte werden gestärkt, Koordinationsprobleme verschwinden. Es gibt Beispiele, dass Patienten länger die Kraft zum Laufen haben oder zu anderer körperlicher Betätigung. Das stärkt auch die Psyche. Könnte gezielte Ernährung auch Medikamente ersetzen? Immerhin sind viele MS-Patienten darauf angewiesen. Einige benötigen hochdosierte Kortinsonpräparate, um Symptome abzumildern.
Vorerst ist daran nicht zu denken. Bei akuten Schüben können starke Beschwerden auftreten, die dann  mit Medikamenten behandelt werden müssen. Aber eine gezielte Ernährung kann die Lebensqualität zwischen den Krankheitsschüben positiv beeinflussen, so dass die Dosierung anderer begleitender Medikamente herabgesetzt werden könnte. Die Studie läuft über 18 Monate. Der Teilnehmer kann sich dabei nicht für eine der drei Ernährungsvarianten entscheiden, das wird durch das Zufallsprinzip entschieden. Während der Ernährungsumstellung gibt es eine wissenschaftlich betreute Begleitung und Beratung. Die Probanden werden dann zu 6 Visiten eingeladen, bei denen verschiedene Untersuchungen vorgenommen werden, vom EKG über das MRT bis zur Blutabnahme. Auch einige Tests werden gemacht, um die Koordinationsfähigkeit zu überprüfen.
Jeder, der mitmachen möchte, wird vorher in einem speziellen Eignungstest untersucht. Die Teilnehmer müssen zwischen 18 und 65 Jahre alt sein und sollten in den vergangenen zwei Jahren einen Multiple Sklerose-Schub erlebt haben. Wer an einer progressiven Multiplen Sklerose leidet, das heißt, die Krankheit hat bereits zu unheilbaren Schäden geführt, kann leider nicht mehr teilnehmen. Ebenso Schwangere oder Mütter in der Stillzeit. Auch Patienten mit einer Diabetes oder einer anderen Stoffwechselerkrankung sind nicht geeignet.  


Beitrag von Boris Römer