Symbolbild Vorsorge Darmkrebs
Colourbox
Bild: Colourbox

Service - Vorsorgeuntersuchungen: Das müssen Sie wissen!

20 Euro für ein Ultraschallbild der Gebärmutter, 30 Euro für eine Augeninnendruckmessung. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen längst nicht alles, was der Arzt empfiehlt. Lohnt sich die Extra-Ausgabe? Welche Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll? Und welche kann man sich sparen? Studiogast: Dr. Johannes Schenkel, Unabhängige Patientenberatung Berlin.

Empfehlenswerte Vorsorgeuntersuchungen
Alle gesetzlichen Krankenkassen bezahlen das gesetzliche Früherkennungsprogramm. Dazu zählen die Krebsfrüherkennung auf Darm-, Haut-, Prostata-, Gebärmutterhals- und Brustkrebs sowie der allgemeine Gesundheits-Check-Up für alle Versicherten ab 35 Jahren.
Manche gesetzlichen Kassen übernehmen sogar mehr, als sie müssten. So bieten einige das Hautkrebs-Screening, das eigentlich erst ab einem Alter von 35 Jahren bezahlt wird, schon für 20jährige Versicherte umsonst an.
Was die eigene Krankenkasse über das gesetzliche Vorsorgeminimum hinaus bezahlt, erfährt man auf deren Internetseite oder telefonisch.


Check-up für alle ab 35 Jahren
Der Check-up dient der Früherkennung von Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. D.h. er umfasst eine Ganzkörperuntersuchung, Blutdruckmessung, eine Blutprobe zur Ermittlung von Blutzucker- und Cholesterinwerten und eine Urinuntersuchung, um die Funktion der Nieren zu checken.


Kostenpflichtige Vorsorgeuntersuchungen
Es gibt viele Vorsorgeuntersuchungen, die der Arzt empfiehlt, die Geld kosten, z.B. die Messung des Augeninnendrucks. Der Arzt rechnet sie als IGeL-Leistung ab.
Im Einzelfall können sinnvolle Angebote dahinter stecken; keines der Angebote ist jedoch zwingend notwendig.


Hautkrebsvorsorge
Ein Sichtcheck mit dem bloßen Auge ist alle zwei Jahre für Versicherte ab 35 Jahren kostenlos. Viele Hautärzte sind jedoch der Meinung, ein Screening ohne Auflichtmikroskop, das die Muttermale und Leberflecken vergrößert, sei nicht aussagekräftig, und verlangen für die Verwendung des Mikroskops zwischen 25 und 40 Euro extra. Es gibt jedoch keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien darüber, dass durch das Auflichtmikroskop der Erfolg der Früherkennung verbessert wird.
Wenn eine verdächtige Hautstelle entdeckt wird und näher untersucht werden muss, wird die Verwendung des Auflichtmikroskops von den Krankenkassen sowieso bezahlt.


Krebsvorsorge bei Frauen
Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen lediglich die Tastuntersuchung von Brust und Gebärmutter. Viele Gynäkologen bieten zusätzlich noch ein Ultraschall von Eierstöcken, Gebärmutter und Brust an. Kosten: rund 20 Euro pro Organ.
Ärztliche Fachgesellschaften raten von der Ultraschall-untersuchung der Eierstöcke ab, da durch die Untersuchung keine Todesfälle durch Eierstockkrebs verhindert werden, umgekehrt aber durch Fehlalarme unnötige Folgeuntersuchungen oder sogar Operationen an eigentlich gesunden Eierstöcken gemacht werden.
Die Ultraschalluntersuchung der Brust ist als Screening für gesunde Frauen nicht geeignet. Allenfalls bei Frauen über 50, bei dichtem Drüsengewebe oder bei erhöhtem Krebsrisiko kann der Ultraschall der Brust als ergänzende Untersuchung sinnvoll sein.

Darmkrebsvorsorge
Darmkrebs ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine der häufigsten Krebserkrankungen. Weil nur wenige freiwillig zur Darmspiegelung gehen, zahlen die gesetzlichen Kassen seit April 2017 allen Versicherten ab 50 Jahren einmal im Jahr einen „immunologischen Stuhltest“. Diesen kann man bequem zuhause durchführen. Das Probenröhrchen bringt man danach zurück zum Arzt. Im Labor wird der Stuhl auf Blut hin untersucht. Für die Auswertung gibt es Spezialgeräte, die unterscheiden können, ob eventuell entdecktes Blut auch wirklich vom Menschen stammt und nicht aus fleischhaltiger Nahrung.
Alle Versicherten ab 55 Jahren können darüber hinaus zweimal innerhalb von 10 Jahren eine Darmspiegelung durchführen lassen. Die Kosten trägt die Krankenkasse.

Vorsorgeuntersuchungen speziell für Männer
Es gibt für Männer ab 45 Jahren die Früherkennung des Prostata-Krebses und - ganz neu seit Januar 2018 - das Screening auf ein Bauchaortenaneurysma ab dem 65. Lebensjahr. Dabei handelt es sich um eine Aussackung der Hauptschlagader im Bauch, die reißen und zum lebensbedrohlichen Notfall werden kann.
 

Beitrag von Gela Braun