Tabletten in einer Hand. Quelle: Colourbox
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Service - Raus aus der Tablettenfalle

Mit steigendem Alter schlucken die Menschen immer mehr Pillen: Aber viele Tabletten sind eigentlich unnötig, wenn wir selbst nur etwas aktiver werden! Sportwissenschaftler Ingo Froböse erklärt, wie  man gesund und fit bleiben kann, ohne dass Tabletten zum unabwendbaren Schicksal werden.

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Der Kopf tut weh, im Rücken zwickts, der Schlaf will sich nicht einstellen – macht  nichts, dagegen gibt’s doch eine Pille. So denken viele von uns. Und je älter wir werden, desto mehr Tabletten schlucken wir: Mit 60 Jahren häufig über fünf verschiedene täglich. Einige davon unnötig und: alle haben Nebenwirkungen, gegen die dann auch wieder etwas genommen wird. Ein Teufelskreis – dem wir jedoch entrinnen können, meint  Prof. Dr. Ingo Froböse. Der  renommierte Sportwissenschaftler erklärt in seinem aktuellen Buch: „Raus aus der Tablettenfalle“ wie ein Leben ohne Pillen und co. gelingen kann.
 
Worum geht es in dem Buch?
Ingo Froböse möchte, dass wir wieder eigenverantwortlich handeln und unsere Gesundheit nicht ausschließlich in die Hände der Pharmaindustrie legen. Denn die meisten Medikamente lindern nur die Symptome, gehen aber nicht ihrer Ursache auf den Grund. Und: keine Pille ohne Nebenwirkung. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Raus aus der Tablettenfalle kommen wir aber nur, wenn wir unseren Lebensstil ändern, hin zu richtiger Ernährung und ausreichend Bewegung. Das ist unbequem, kostet Kraft und funktioniert nicht von heute auf morgen, so der Experte.
Was ist denn so schlimm an bekannten Medikamenten wie Schmerzmittel, Nasenspray oder Sodbrenntabletten?
Mal eine Kopfschmerztablette zu nehmen ist sicher nicht schlimm, auch ein Nasenspray vorübergehend zu nehmen nicht. Aber: 1. Greifen wir oft viel zu schnell nach Medikamenten, aus Bequemlichkeit und zweitens: die Dosis macht das Gift. Nasensprays können abhängig machen und Schmerztabletten auch. Nur weil ein Medikament freiverkäuflich ist, ist es nicht ohne Risiko.

Weniger Tabletten, gilt das auch für die vom Arzt verordneten? Die müssen doch eigentlich ok sein, wenn sie vom Arzt kommen?

Das Problem ist auch hier: wir schlucken zu viele Tabletten. Ingo Froböse meint, man dürfe ihn nicht  falsch verstehen, er wolle nicht die Errungenschaften der modernen Medizin verteufeln. Aber gerade gegen die sogenannten Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und Rückenschmerzen wird oft zu vorschnell und ausschließlich zum Medikament gegriffen. Und im Alter nehmen sie sogar noch zu und oft wird die Dosis erhöht. Es wird viel zu selten in Frage gestellt, ob ein Medikament noch sinnvoll ist. Und es treten auch oft gefährliche Wechselwirkungen auf, weil die Ärzte oft untereinander nicht wissen, was der andere verschrieben hat. Deshalb gilt auch hier: Eigenverantwortung. Das heißt, z.B. mit dem Hausarzt alle verordneten Medikamente und deren Nutzen besprechen. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass man das eine oder andere Medikament weglassen kann. Aber niemals ohne sich vorher mit dem Arzt abzustimmen. Außerdem sollte man sich einen Medikationsplan erstellen lassen. So können  überflüssige Medikamente und gefährliche Wechselwirkungen erkannt werden. Den Plan sollte man immer bei sich haben, so liefert er anderen Ärzten oder Krankenhäusern  wertvolle Informationen.  

Welche Alternativen gibt es zu Medikamenten?
Das ist eine Änderung des Lebensstils hin zu einem natürlichen, aktiven und gesundem Lebensstil. Dazu zählen die gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung sowie ausreichend Schlaf/Regeneration.
Wie viel Bewegung sollte es sein und wie gelingt das im Alltag?
Der Experte rät: treiben Sie mindestens dreimal die Woche Sport und trainieren Sie dabei sowohl das Herz-Kreis-Lauf-System als auch Ihre Muskeln. Nutzen Sie im Alltag jede Gelegenheit, sich zu bewegen. Gehen sie 40 Etage pro Woche zu Fuß, dann können sich schon bald viele Herz-Kreis-Lauf- und Stoffwechsel-Probleme auflösen.

Auf was sollte man bei der Ernährung achten?
Möglichst abwechslungsreich essen und wenig industriell verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen. Weniger ungesunde Kohlenhydrate, vor allem abends,  besser ausreichend Proteine. Viele Vollkornprodukte, viel Gemüse, Obst. Auch Hülsenfrüchte und Nüsse. Außerdem Milchprodukte. Wenig Fleisch und Fisch. Und noch weniger rotes Fleisch. Die richtige Ernährung kann sich positiv auf bestimmte Erkrankungen auswirken oder vorbeugend wirken. So können sich z.B. 40 g Walnüsse positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken.

Warum ist Schlaf wichtig?
Ingo Froböse meint: Erholung ist kein Luxus, sondern ein Muss. Unsere wichtigste Regenerationsquelle ist ein guter Schlaf. Wir müssen wieder lernen, mehr zur Ruhe zu kommen, z.B. abends keine spannenden Filme gucken, das empfindet der Körper als Stress.

Was kann bei Rückenschmerzen helfen?
90 % der ärztlichen Diagnosen bei „Rücken“ lauten „diffuser“ oder „unspezifischer“ Rückenschmerz.  Es liegt also keine Schädigung des Rückens vor, sondern es handelt sich um Überlastungs- oder Alarmschmerz. Oft ist die Ursache Bewegungsmangel. Der Rücken will nicht geschont werden, sondern er will abwechslungsreich bewegt werden.  Das gilt auch für das Sitzen, es gibt nicht die einzige richtige Sitzhaltung, sondern jede andere Haltung ist richtig, das bedeutet: so oft es geht die Sitzhaltung ändern, auch mal aufstehen.
Bei schlimmen akuten Schmerzen kann eine bestimmte Lagerung Linderung verschaffen: z.B. Stufenlagerung: Beine im Hüft-und Kniegelenk im rechten Winkel beugen und die Unterschenkel auf die Sitzfläche eines Hockers/Sofas legen. Oberkörper und unterer Rücken liegen flach auf dem Boden.

Beitrag von Susanne Stein