Grafik von Hirn und verstopftem Gefäß (Quelle: Colourbox)
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Service - Thrombose – das unterschätzte Risiko

Ein kleines Blutgerinnsel mit großer Wirkung: Wenn eine Thrombose wichtige Venen oder Arterien verstopft, kann das lebensbedrohlich sein. Experten schätzen, dass jedes Jahr in Deutschland bis zu 100.000 Menschen an den Folgen einer Thrombose sterben. Doch die Warnzeichen zu erkennen und richtig zu deuten, ist nicht immer einfach.

Unser Experte im Studio ist Dr. Clemens Fahrig, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus Hubertus, Berlin

Die Schmerzen können urplötzlich auftreten und sich anfühlen wie ein Muskelkrampf oder ein Bluterguss. Meist treten die Beschwerden  in den Beinen auf. Oft denken die Betroffenen nicht sofort an eine Thrombose.
Eine Thrombose entsteht oft, wenn sich das Blut an den Venenklappen staut und dadurch verklumpt. Die Folge ist ein Blutpfropf, der die Vene komplett verschließt. Er kann sich lösen und durch den ganzen Körper in die Lunge wandern und dort eine Arterie verstopfen – eine gefährliche Lungenembolie.

Risikofaktoren und Ursachen
Zu den Risikofaktoren gehört eine genetische Vorbelastung, eine bestimmte Gerinnungsstörung des Blutes, ansonsten zu wenig Bewegung, Rauchen, Übergewicht. Das Risiko steigt mit höherem Alter, aber auch junge Menschen können eine Thrombose entwickeln, z.B. wenn sie viel sitzen (vorm Computer oder im Flugzeug), durch Schwangerschaft oder die Pille. Krebskranke und frisch Operierte, die viel liegen müssen, sind ebenso besonders gefährdet.

Ein Blutgerinnsel, also ein Thrombus, kann sich prinzipiell in jedem Blutgefäß bilden, besonders häufig tritt es aber in den Venen in den Beinen auf. Denn dort fließt das Blut langsamer. Thrombosen können grundsätzlich drei verschiedene Ursachen haben, die allein oder in Kombination bestehen können:

•    Strömungshindernisse im Blutgefäß: Schäden/Erkrankungen oder Ablagerungen an der Gefäßwand oder Einengungen der Blutgefäße durch mechanischen Druck von außen (z.B. bei Vernarbungen, Tumoren)
•    langsame Fließgeschwindigkeit: In krankhaft erweiterten Venen (Krampfadern), durch die Wirkung der Schwerkraft oder/und durch eine zu geringe Muskelspannung (bei Immobilität, Lähmungen oder nach Operationen), Flüssigkeitsmangel (Blut wird dickflüssiger)
•    erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes: Erkrankungen des Blutgerinnungssystems, schwere systemische Erkrankungen (Krebs, Autoimmunerkrankungen), Medikamenten-Nebenwirkungen (z.B. durch die „Pille“), Rauchen

Folgen einer Thrombose
Vor allem die Lungenembolie ist gefürchtet, da sie oft erst zu spät erkannt wird. Dabei löst sich ein Gerinnsel und wandert in die Lunge, wo sie eine Arterie verschließt. In einem von 10 Fällen endet eine Lungenembolie tödlich. Es sterben mehr Menschen an einer Lungenembolie als an Autounfällen. Das liegt auch daran, dass die Vorboten oft nicht richtig gedeutet werden.
Eine Lungenembolie äußert sich unter anderem durch Atemnot, beschleunigte Atmung, Herzrasen oder –stolpern, Angst oder Unruhegefühle, Brustschmerzen, Schwindel.

Therapie
Die übliche Therapie sind Blutverdünner und Kompressionsstrümpfe, die individuell angepasst werden. Die Dauer der Therapie richtet sich nach Ursachen und Ausdehnung der Thrombose und beträgt meist drei bis sechs Monate. Darüber hinaus kann eine langfristige Blutverdünnung nötig sein, je nach individuellem Thromboserisiko. Patienten mit einer bekannten Störung der Blutgerinnung sollten sich regelmäßig in einer Gerinnungsambulanz untersuchen lassen.

Beitrag von Sina Krambeck