Service - Wärmepflaster im Ökotest

Im vergangenen Jahr wurden mit über vier Millionen rezeptfreien Wärmepflastern mehr als 80 Millionen Euro umgesetzt. Die Hersteller versprechen damit, Rücken und Schultern zu entkrampfen oder Muskel-, Gelenk- und Regelschmerzen zu lindern. Doch was davon halten sie wirklich?

Die Zeitschrift ÖKO-Test wollte genau dies wissen und hat 11 selbst erwärmende Pflaster untersucht, die nach dem Prinzip des Aktivkohlewärmers funktionieren.

Schmerzt der Rücken oder peinigen einen Muskel- und Gelenkschmerzen meinten schon unsere Altvorderen zu wissen: Wärme lindert nicht nur den Schmerz, sondern kann ihn sogar vertreiben. Da wundert es nicht, daß die Pharmaindustrie im letzten Jahr allein mit rezeptfreien Wärmepflastern deutschlandweit 82 Millionen € umsetzte.

Meist mit selbst erwärmenden Pflastern. Diese enthalten Eisenpulver, Aktivkohle und Wasser. Nach dem Öffnen der Verpackung oxydiert das Eisen mit dem Luftsauerstoff. Die Reaktionswärme gibt das Pflaster ab, meist um die 40 °C.

Viele Wärmepflasterhersteller versprechen vieles dank ihrer Produkte: Da geht es nicht nur um Linderung von Kreuzleiden, auch um Abhilfe bei Muskel- und Gelenkschmerzen oder Steifigkeit sowie bei Zerrungen und Verstauchungen, ebenso bei Hexenschuss, Arthritis, sogar bei Menstruationsbeschwerden.

Mediziner aber wissen, zwar fördert  das Hausmittel Wärme die Durchblutung im Gewebe, doch ob sie Muskeln entkrampft , Rücken- und Arthritisschmerzen lindert, gar beseitigt, ist fraglich. Diese medizinischen Wirkungen der Wärmepflaster sind - wenn überhaupt - nur äußerst dürftig belegt.

Hier arbeitete ÖKO-TEST eng mit der Deutschen Schmerzgesellschaft und dem Institut für Pharmazeutische Chemie zusammen. Schlimmer: Eine solche Wärmetherapie kann rheumatische Erkrankungen sogar verschlechtern. Da viele Leidende dankbar sind, selbst etwas und das auch noch recht kostengünstig gegen die Schmerzen tun zu können, gaukelt ihre positive Erwartung ihnen oft ein Placeboeffekt vor.

Weil die medizinische Wirkung der Wärmepflaster wenig überzeugend ist, überschrieb Ökotest seinen aktuellen Check von 11 Wärmepflastern mit dem Aktivkohleprinzip mit "Trostpflaster". Da kein getestetes Pflaster eine überzeugende medizinische Wirkung nachweisen konnte, schafften es die besten fünf Probanden gerade noch auf "ausreichend". Sechs Testprodukte blieben mit "mangelhaft" auf der Strecke. Hierzu ist im Heft ÖKOTEST 10-2017 zu lesen: "Das ist viel vermeidbarer Müll".

Die weiteren Testkriterien: Beipackzettel, Inhaltsstoffe, Tragetest. So fehlte auf dem Beipackzettel mal der Hinweis, daß vor der Anwendung bei Arthritis der Arzt konsultiert werden muß, damit die "self made" Wärmetherapie nicht nach hinten losgeht. Zum anderen war dort kein Hinweis zu finden, die Anwendung zu stoppen und den Arzt zu konsultieren, wenn die Schmerzen nicht nachlassen.

Denn anhaltender Schmerz kann auf sehr schwerwiegende Erkrankungen hinweisen. Bei der Analyse der Inhaltstoffe wurden auch einige gefunden, die auf Dauer der allgemeinen Gesundheit nicht gut tun können. So problematische Weichmacher, zinnorganische oder umstrittene halogenorganische Verbindungen.

Im Tragetest mußten die Pflaster nachweisen, nicht zu überhitzen, nicht zu schnell zu erkalten oder die Haut zu reizen und ausreichend zu haften. Hier hielten die meisten Pflaster um die 8 Stunden bei Temperaturen zwischen 40 und 46°C. Laut Ökotest "in Ordnung".

Den rezeptfreien Wärmepflastern mußte Ökotest insgesamt ein schlechtestes Testergebnisse bescheinigen. Selbst die Sieger brachten es nur auf "ausreichend".  Zwar konnte ihnen eine kurzzeitige Entspannungswirkung attestiert werden, aber kaum die versprochene medizinische Heilwirkung. Wenigsten hielten sie sich bei potentiell gefährlichen Inhaltsstoffen zurück,  deklarierten ihre Produkte ohne Mängel und hielten bei guter Temperatur lange reizfrei am Körper:

Sieger – "ausreichend":
Altapharma Wärmepflaster 3,35 €
Doc Therma Wärmeauflage 3,35 €
Multinorm Wämepflaster 0,67 €
SOS Wärmepflaster 2,40
Termacare Wärmeauflage 3,48 €

Die Verlierer mit "mangelhaft" brachten neben der wenig überzeugenden medizinischen Wirkung auch Deklarationsmängel oder bedenkliche Inhaltsstoffe ein:

Verlierer – "mangelhaft":
Fit+Vital Natürliches Wärme-Pflaster 1,98 €  
Herbachaud Wärmepflaster 3,15 €
Kade Wärmepflaster 3,50 €
Reginaplast Universal XXL-Wärmepflaster 1,60 €
Urgo Wärmepflaster 3,02 €
Wundmed  Natürliches Wärme-Pflaster 1,50 €  

Ökotest rät hier generell: Sparen Sie sich das Geld. Die Pflaster wärmen zwar, wirken aber nicht überzeugend im medizinischen Sinne gegen Rücken-, Muskel- oder Gelenkschmerzen. Man solle sich im Alltag bei akuten oder chronische Schmerzen weiter bewegen. Unter fachkundiger Anleitung empfiehlt sich Muskeltraining wie Aerobic, Yoga und Pilates und bei Dauerbeschwerden einen Arzt zu konsultieren.

Generell sollte eine Wärmetherapie ausbleiben, wenn Entzündungen zu beklagen sind. Hier reagieren die erkrankten Regionen bereits mit Wärmeentwicklung. Von außen zugeführte Wärme würde das Krankheitsbild im wahrsten Wortsinne noch mal anheizen. Das gilt für Gelenkentzündungen, viele rheumatische Erkrankungen wie bei Zahnbeschwerden mit Entzündungen.

Beitrag von Reinhard Rychlik