Service - Zu wenig Futter: Wildtiere in Not

Der Jahrhundertsommer war für viele Menschen schön, für die Natur aber war der Regenmangel bei großer Hitze eine Belastung. Das hat für viele Wildtiere im Herbst und im Winter Konsequenzen, denn sie finden weniger Futter. Was die Natur jetzt von uns Menschen braucht, besprechen wir mit Wildtierexperte Derk Ehlert

Der Sommer 2018 war heiß und trocken. Das bedeutet gerade für die heimischen Tiere eine extreme Umstellung.

Wildscheine zum Beispiel kommen an ihre Nahrungsquellen gar nicht ran. Mais als Futterpflanze fiel durch die vertrockneten Felder teilweise ganz weg, die Böden sind so trocken, dass Regenwürmer und Engerlinge in die Tiefe abgewandert sind, so dass die Schweine nicht mehr drankommen. Ihre Suche nach Fressen treibt die Wildschweine immer auch in die Städte. Die Tiere versuchen, den Mangel durch das Fressen von Wurzeln, Blättern oder anderen zur Verfügung stehenden Nahrungsquellen auszugleichen, doch die sind nicht so nahrhaft. Daher befinden sie sich in einer schlechten Konstitution für den bevorstehenden Winter. Durch fehlende Nahrungsaufnahme haben sie weniger Fett ansetzen können für den Winter. Das führt im weiteren zu einer Dezimierung der Tiere, die sich schon jetzt bemerkbar macht.

Auch der Igel hat es schwer. Igel müssen jetzt viel fressen um durch den Winter zu kommen, doch der trockene Boden bietet kaum Regenwürmer, kaum Schnecken. Die Wampe aber ist notwendig, um durch den Winterschlaf zu kommen. Man sagt, der Igel verliert 20-40% Gewichts während des Schlafens. Ein weiteres Problem: durch fehlende Nahrung können die Weibchen weniger Milch für die Jungtiere bilden.

Auch die Trinkquellen der Tiere sind bedroht. Der Wasserstand der Tümpel, Flüsschen und Seen in der freien Landschaft in Brandenburg ist sehr niedrig. Zum Teil sind sie ausgetrocknet. Die Tiere behelfen sich,  indem sie Gemüse und auch Früchte fressen, die einen hohen Wasseranteil haben. Um die zu finden müssen sie allerdings oft ihre Reviere verlassen. Das bedeutet Gefahr und durch den großen Bewegungsaufwand verlieren sie zu viel Energie.

Der trockene Sommer hat auch den Störchen Probleme gemacht. Auch sie haben nicht ausreichend Nahrung (aquatisches Futterquellen) gefunden. Zwar gab es witterungsbedingt 2018 mehr Insekten, doch kamen die erst zu einem späteren Zeitpunkt und zudem waren es auch nicht die Insektenarten (Großinsekten), die die Störche im Frühjahr zur Aufzucht der Jungtiere benötigen. Mehr Insekten heißt nicht, dass es insgesamt ausreichend Insekten gibt, sondern nur, dass die Insekten 2018 grundsätzlich klimatisch bessere Bedingungen vorgefunden haben. Monokulturen und Insektizide stehen einem gesunden Insektenbestand entgegen.

Während es den Wespen dies Jahr gut ging und sie gut genährt in den Völkerbau gingen, hatten die Bienen mit dem plötzlichen Frühling zu kämpfen. Er kam schnell und plötzlich, alles blühte gleichzeitig, der Kreislauf, den die Bienen sonst anfliegen, wurde unterbrochen. Bienen sind eher schwach und haben keine gute Bevorratung für den Winter. Ihre Völker sind klein und können nur wenige bestäuben. Das wird sich in den kommenden Jahren bei der Blüte bemerkbar machen. Gleichwohl werden die meisten Blüten gar nicht von Bienen sondern von anderen Insekten bestäubt. Denen aber geht es nicht anders als den Honigbienen.

Auch bei Bäumen und Pflanzen macht sich die Trockenheit natürlich bemerkbar. Da das letzte Jahr aber sehr feucht war, werden sich die Schäden erst 2019 bemerkbar machen.

Deutlich werden die Folgen der Trockenheit mit Pflanzen am Buchsbaum. Seit circa zwei Jahren hat sich in Brandenburg der Buchsbaumzünsler verbreitet. Eine Falterart, die den Baum von innen her auffrisst. Besonders gut gedeiht der Buchsbaumzünsler bei Trockenheit. Wer mal guckt, wird viele Buchsbäume entdecken, die gelbe trockene Stellen haben. Das ist das Werk des Buchsbaumzünslers. Herr wird man ihm zum Beispiel mit Pheromonfallen.

Was heißt das alles für die kommenden Jahre?
Einige Tierarten werden im Bestand weiter abnehmen – vor allem die an Wasser gebunden Tierarten wie Kraniche, Störche oder Frösche. Das Grundwasser und Schichtenwasser fällt weiter ab. Bäume, Sträucher, die Vegetation insgesamt verändert sich, es entstehen völlig andere Lebensbedingungen, in denen unsere heimischen Arten sich nicht immer anpassen können. Das heißt: das Artensterben nimmt zu.

Was kann man tun?
Bitte nicht den Wildschweinen helfen! Zum Beispiel Wasserbottiche aufstellen. Das Laub nicht wegrechen, sondern Laub auf Pflanzflächen liegen lassen (das ist gut für Insekten und hält die Feuchtigkeit), Gehölzschnitt vor Ort belassen und heckseln, das schützt den Boden vor Verdunstung und schützt ihn und die in ihm lebenden Tiere vor der Winterkälte.

Zu Gast im Studio: Derk Ehlert

Beitrag von Christine Deggau