Service - Zecken – kleine Biester, große Gefahr

Am liebsten suchen sich die kleinen Vampire einen kuscheligen Ort am Körper und krallen sich fest. Haben sie dann eine gut durchblutete Stelle gefunden, stechen sie zu und saugen Blut. Nicht weiter schlimm – außer, sie tragen Erreger in sich. Laut Robert Koch-Institut übertragen zehn bis 35 Prozent der Zecken Borreliose. Eine Krankheit, die sich gut behandeln lässt – wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

Borreliose ist eine Erkrankung, die von spiralförmigen Bakterien, den Borrelien verursacht wird. Sie befallen vorwiegend die Haut. Eine Unterart der Borreliose, die sogenannte Lyme-Borreliose, kann hingegen verschiedene Organsysteme betreffen, neben der Haut auch das Nervensystem und die Gelenke.

Die Lyme-Borreliose (auch Lyme-Disease genannt) ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. In Deutschland erkranken jährlich zwischen 60.000 und mehr als 200.000 Menschen. Eine frühzeitige Entfernung der Zecke, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt hat, kann die Übertragung des Erregers verhindern.

Meist gutartiger Verlauf

Das häufigste Symptom der Lyme-Borreliose ist die Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle. Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, sowie Müdigkeit können hinzukommen. Wenn das Nervensystem betroffen ist, spricht man von einer Neuroborreliose.

Typisch hierfür sind brennende Nervenschmerzen, die sich vor allem nachts verschlimmern. Auch eine Gesichtslähmung kann hinzu kommen. Die Neuroborreliose verläuft trotzdem überwiegend gutartig. Schlechte Langzeitverläufe, von denen immer wieder berichtet wird, sind zum erheblichen Teil auf Fehldiagnosen zurückzuführen, so Experten.

Leitlinie zur Neuroborreliose

Im April dieses Jahres hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie nach mehr als dreijähriger Arbeit die erste S3-Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht. Solche S3-Leitlinien sind Leitfäden für Ärzte und Patienten, die nach strengen Regeln erarbeitet werden und den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Medizin wiedergeben. In diesem Fall waren 20 wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften, das Robert Koch-Institut, die Paul Ehrlich Gesellschaft, drei Patientenorganisationen sowie die Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. daran beteiligt.

Behandlung mit Antibiotika

Laut Leitlinie sollen Patienten mit einer gesicherten Diagnose 14 Tage bei früher und 14 bis 21 Tage bei später Neuroborreliose behandelt werden. Eine längere Behandlung bringt demnach keinen Mehrwert, sondern setzt die Patienten einem unnötigen Risiko von schweren Nebenwirkungen aus.

Wenn die Antibiotika nach zwei bis drei Wochen nicht anschlagen, bringen auch weitere Wochen oder gar Monate nichts. Eine gesicherte Diagnose ist nur durch die Entnahme von Nervenwasser möglich. Der Grund: Das menschliche Immunsystem bildet erst mit Verzögerung Antikörper gegen eine erstmalige Infektion mit Borrelien.

Bei beginnenden Erkrankungen (wenige Tage Dauer) können Untersuchungen auf spezifische Antikörper gegen Borrelien negativ ausfallen. Eine erst kürzlich aufgetretene Wanderröte ist daher im Antikörpertest häufig negativ. Hingegen ist ein positiver Test nicht immer auf eine akute Infektion mit Borrelien zurückzuführen.

So können hohe Antikörper-Werte nach einer früheren, möglicherweise unbemerkten Infektion über viele Jahre erhalten bleiben. In Deutschland tragen 5,8 Prozent der Frauen und 13,0 Prozent der Männer Antikörper und haben somit mindestens eine Infektion durchgemacht.

Ein Impfstoff gegen Borrelien ist nicht verfügbar. Die sogenannte Zecken-Schutzimpfung betrifft lediglich die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Beitrag von Christine Knospe