"Bunte Bonbons liegen auf Zucker"; © COLOURBOX
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Service - Für immer zuckerfrei

Die Moderatorin Anastasia Zampounidis nennt sich selbst einen "trockenen Sugarholic": im April 2006 änderte sie ihre Ernährung und lebt von da an zuckerfrei. Sie hatte genug davon, dass der Süßigkeitenkonsum ihren ganzen Tag bestimmte, schreibt sie in ihrem neuen Buch „Für immer zuckerfrei – Meine Glücksrezepte“.

„Es fing mit dem großen Glas Mehrfruchtnektar am Morgen an (weil ich dachte, das sei so gesund!), ging mit den  süßen Teilchen als vermeintliche Energiespender am Nachmittag weiter und hörte mit zart schmelzender Schoki oder Eiscreme als Betthupferl am Abend auf.“

Doch war dieses Leben „alles andere als ein Zuckerschlecken“ - es ging ihr nicht gut damit. Sie fühlte sich oft müde und schlapp, verspannt und getrieben, dazu plagten sie Heißhungerattacken und die ständige Lust auf mehr Süßes.

Seit sie den Industriezucker vom Speiseplan gestrichen hat, kann sie die Signale ihres Körpers und ihre Gefühle wieder besser deuten – sie spürt, welche Lebensmittel ihr gut tun. Auch hat sie dank ihres zuckerfreien Lebens kaum noch Stimmungstiefs, Trost seltener nötig: „Früher kannte ich nur ein Rezept gegen Niedergeschlagenheit, Wut, Furcht oder Nervosität: Süßigkeiten. Und war ich happy und aufgekratzt, musste ebenfalls etwas Süßes her, gewissermaßen als Sahnehäubchen obendrauf.“, beschreibt Zampounidis diesen Zustand.

Mittlerweile hat sie verstanden, dass sie mit dem Süßkram nur eines bewirkte: „einen verstopften Kommunikationskanal zwischen meinem Körper und meinen Emotionen. Ein klebrig-zäher Zuckerklumpen blockierte den freien Austausch, und der Lebensmotor geriet ins Stocken.“

War vor 200 Jahren „freier“ Zucker ein rares, kostbares Gut, ein wahrer Luxus, den sich nur wenige leisten konnten, wurde er mit Beginn der industriellen Zuckerproduktion im 19. Jahrhundert erschwinglich und zu einem Produkt für die Massen  - und „das Drama nahm seinen Lauf und hat mit dem aktuellen Maissirup-Boom seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.“

Maissirup (Isoglukose oder auch als Fructose-Glukose-Sirup bezeichnet) wird vielen Softdrinks, Joghurts, Saucen, Puddings und sogar Brot zugefügt, weil er preiswert ist, einfach herzustellen, gut zu verarbeiten und vor allem: enorm süß! Die EU hat im Oktober 2017 sowohl die Zuckerquote als auch die Handelsbeschränkungen für Isoglukose gekippt.

Und so steigt der Verbrauch weiter trotz der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, nicht mehr als 25 Gramm Zucker täglich einzunehmen (das sind sechs Teelöffel). Für die Gesundheit fatal: Tatsächlich konsumieren wir in Deutschland im Schnitt täglich vier Mal so viel – und das summiert sich auf 35 Kilo im Jahr!

Die Folge derart hohen Zuckerkonsums ist, dass die Leber mit diesen Mengen auf Dauer genauso schlecht zurechtkommt wie mit übermäßigem Alkoholkonsum, erläutert Anastasia Zampounidis das Problem. Mehr Menschen bekommen eine „nichtalkoholische“ Fettleber und haben mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen: Schlappheit, Blähungen, Übelkeit – manche könnten sogar an einer Fettleber-Hepatitis und Leberzirrhose erkranken.

Es ist gar nicht so einfach, die süße Substanz zu vermeiden, denn sie steckt nahezu in allen verarbeiteten Lebensmitteln - in Mengen, die aus dem Essen wahre Zuckerfallen machen. Und in die man immer wieder hineintappt aus der Gier nach mehr, denn Zucker dämpft Stressreaktionen ähnlich wie Alkohol: beruhigt, tröstet, euphorisiert.

Lebensmittelkonzerne und ihre Marketingstrategen nutzen es aus, dass Menschen eine natürliche Neigung haben, süße Nahrungsmittel zu bevorzugen und Bitteres zu vermeiden, meint Zampounidis.

Ihr persönliches Hauptmotiv, auf Zucker zu verzichten waren die „nervigen Heißhungerattacken“. Diese wollte sie unbedingt loswerden, denn sie fühlte sich „regelrecht fremdbestimmt“. Tatsächlich ging es ihr erstaunlich schnell besser, die Attacken verschwanden – und ihr Geschmack verfeinerte sich wieder, sie konnte wieder die natürliche Süße von Früchten und Gemüsen schmecken.

In ihrem Buch beschreibt sie die „süßen „Nebenwirkungen“ eines zuckerfreien Lebens: einige Bespiele: Nie wieder Heißhunger, das Nachmittagstief ist passé; keine Stimmungsschwankungen und mehr Gelassenheit; die Kilos purzeln, ohne zu hungern; verjüngte und reinere Haut…

Auch wenn man glaubt, so zu konditioniert zu sein, dass ein völliger Verzicht unmöglich erscheint, meint Anastasia Zampounidis, dass sich jede Konditionierung wieder rückgängig machen lasse. Sie ermutigt, den Zucker ganz wegzulassen, denn so werde dieses Ungleichgewicht seltener, bis es eines Tages völlig verschwunden sei, weil „wir die Kontrolle über unser Essverhalten zurückgewonnen haben und emotional stabiler geworden sind. Und das wiederum macht rundum zufrieden!“

Den Zuckerkonsum zu kappen, sich „körperlich aus dem klebrigen Sirup heraus zu kämpfen“, helfe, den Teufelskreis aus Heißhunger, Naschen, Selbstvorwürfen und Sorgen zu durchbrechen. Ihr Motto: „Sinkt der Zuckerpegel, steigt der Stimmungspegel.“

Beitrag von Renata Seremet