Service - Pils-Bier im Öko-Test

102 Liter Bier trinkt der Deutsche durchschnittlich im Jahr. Damit liegen wir hinter Tschechien im europaweiten Vergleich auf Platz zwei. Doch wie unbedenklich ist der Biergenuss? Ökotest hat 43 Pilsner Biere, sieben davon in Bioqualität, in die Labore geschickt.

Untersuchungskriterien
Untersucht wurde, ob der angegebene Alkoholgehalt stimmt, wie es um die Schaumkrone steht, und ob bedenkliche Inhaltsstoffe in den Pilsner Bieren enthalten sind.
Entwarnung gab es für Keime und Bisphenol-A. Beides wurde nicht gefunden. Die  Chemikalie Bisphenol-A gilt als schädlich für die Fortpflanzung und könnte, falls verwendet, aus der Aluminiumhülle von Dosenbieren entweichen, wenn die Innenlackierung kaputt geht.

Glyphosatrückstände in 15 Pilsener Bieren
In 15 der 43 untersuchten Pilsner Biere hat das von Ökotest beauftragte Testlabor Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat gefunden. Es steht im Verdacht, Krebs auszulösen.
In zwei Bieren wurden nur äußerst geringe Spuren festgestellt, in 13 Bieren aber soviel, dass diese von Ökotest um eine Note abgewertet wurden, auch wenn die festgestellten Mengen noch weit unter dem gesetzlichen Grenzwert für Gerste lagen.
Darunter waren „Flensburger“, „Jever“, „Ur-Krostitzer“, „Pilsner Urquell“, „Radeberger“, „Sternburg“, „Brinkhoff´s“,
„Tyskie“ aus Polen, „Perlenbacher“ von Lidl,  die Dosenbiere „Schultenbräu“ von ALDI Nord, „Stephans Bräu“ von Kaufland und „5,0“ sowie das Bio-Bier „Hofmark Pils“.

Wie kommt Glyphosat ins Bier?
Vermutlich wurde die Braugerste damit gespritzt. In Deutschland ist dies zwar kurz vor der Ernte verboten, aber es wird auch Braugerste importiert.
2016 wurde Glyphosat zum ersten Mal im Bier festgestellt, damals vom „Umweltinstitut München“.
Gegen den Bayer-Konzern, der Glyphosat herstellt, sind in den USA Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe anhängig (drei Verfahren wurden bereits von den Klägern gewinnen), weil Glyphosat im Verdacht steht, Krebs auszulösen.

Dennoch ist das Unkrautvernichtungsmittel nach wie vor das meistverwendete Pestizid überhaupt. Rund 5.000 Tonnen davon werden von deutschen Landwirten jährlich auf den Äckern versprüht. Kein Wunder also, dass sich in vielen Lebensmitteln Spuren davon finden - sei es in Brot, Mehl, Nudeln oder eben auch im Bier.

Ob Glyphosat für den Menschen gefährlich ist, darüber streiten sich die Experten bis heute. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat es als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Glyphosat für „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Und deshalb ist es nach wie vor als Unkrautvernichtungsmittel erlaubt  – in der EU bis 2022. Dann wird erneut über seine Zulassung entschieden.

Testergebnisse
Es wurde 25mal die Note „sehr gut“  vergeben, 12mal die Note „gut“ und sechsmal „befriedigend“.
 

Beitrag von Gela Braun