Service - Bio oder nicht: Wie gut ist Schweinefleisch?

Die Deutschen essen viel und gerne Schweinefleisch. Doch nach all den Fleischskandalen will man wissen, welche Anbieter den Tierschutz ernstnehmen. Die Stiftung Warentest hat aktuell 15 Produkte – abgepackte Steaks und Koteletts aus der Tiefkühltruhe – auf Qualität und Unternehmensverantwortung untersucht. Die Urteile reichen von gut bis mangelhaft.

Realität in Deutschland: Rund 150.000 Schweine werden pro Tag geschlachtet. Die Tiere sind meist erst sechs Monate alt – dabei könnten sie zehn Jahre leben. Wegen schlechter Arbeitsbedingungen sind die Schlachthöfe zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Hunderte von Mitarbeitern haben sich mit dem Corona-Virus infiziert. Und auch das Wohl der Tiere steht in der Fleischindustrie offenbar an letzter Stelle. Doch hat das Auswirkungen auf die Fleischqualität? Die Stiftung Warentest hat Schweinefleisch untersucht – bei zibb gibt’s die Ergebnisse.

15 Steaks und Koteletts hat die Stiftung Warentest untersucht – im Hinblick auf die Fleischqualität, aber auch auf die Unternehmensverantwortung. 8 von den 15 getesteten Produkten sind "gut". Es schmeckt, wie es schmecken soll, und ist mikrobiologisch und chemisch einwandfrei.

Aber: Bewertet man zusätzlich die Unternehmensverantwortung, also das Bemühen um Tierwohl und Arbeitsbedingungen, sind nur zwei Anbieter wirklich zu empfehlen: das Bio-Schweinenackensteak der Pichler Biometzgerei und die Dennree Königshofer Bio-Schweine-Nackensteaks natur.

Resistente Keime auf konventionellem Fleisch

Sowohl konventionelle als auch Bio-Betriebe produzieren einwandfreies Fleisch. Das belegen die vielen guten Noten für die chemische Qualität, mit der wir etwa den Muskelfleischanteil bewerten. Tendenziell sind allerdings antibiotikaresistente Keime auf Bio-Höfen seltener. Denn Bio-Bauern dürfen Antibiotika nur in Ausnahmen nutzen. Bei den Produkten im Test fanden die Tester zu zwei Dritteln antibiotikaresistente Keime. Das Problem: Viele resistente Keime machen gar nicht selbst krank. Sie können ihre Resistenzgene aber auf gefährlichere Keime übertragen. Wenn dann ernste Krankheiten auftreten, könnten Antibiotika weitergegeben.

Die meisten Produkte waren mikrobiologisch und chemisch in Ordnung. Die Tester haben keine Rückstände von Antibiotika und keine Krankheitserreger wie Salmonellen, Campylobacter und Listerien gefunden.

Die Steaks von Rewe Wilhelm Brandenburg waren allerdings auffällig mit Verderbniskeimen belastet – zwar gesundheitlich unbedenklich, aber es ist ein Hinweis auf Schwächen im Hygienemanagement. Die Laborwerte der Koteletts von Norma zeigten, dass ein bestimmtes Enzym im Fleischsaft stark aktiv war. Das weist auf zerstörte Zellen und ausgetretenes Wasser hin. Beides kann auftreten, wenn Fleisch, z.B. fürs Schneiden, angefroren wird. Die Fleischqualität leidet darunter.

Klare Verlierer im Test sind demnach die Anbieter Norma und Rewe Wilhelm Brandenburg. Sie haben bei der Fleischqualität nur mit "ausreichend" abgeschnitten. Wie überhaupt die meisten Anbieter (8 von 12 Anbietern) haben sie bei der Unternehmensverantwortung nur ein "Ausreichend" bekommen. Sie geben sich mit Fleisch von Tieren zufrieden, deren Leben würdelos verlief.

Kaum Interesse an Tierwohl

Ein durchschnittliches Schweineleben ist trist. Wenig Platz, wenig Bewegung, keine frische Luft. Gesetzlich vorgeschrieben sind lediglich 0,75 Quadratmeter für ein 100-Kilo-Schwein. Die Tiere stehen auf nackten Spaltenböden, unter denen sich Kot und Urin sammeln. Ammoniak entsteht. Das schlechte Stallklima kann Lungenerkrankungen beim Schwein hervorrufen. Der Verbraucher erfährt von den Haltungsbedingungen über ein Siegel, das inzwischen viele Produkte aufweisen.

Haltungsformen:

Haltungsform 1: Erfüllt zwar die gesetzlichen Standards – aber aus Tierwohl-Sicht ungenügend.

Haltungsform 2: 10 Prozent mehr im Stall – laut Tierschützer immer noch zu wenig. Jeder zweite Bauer im Test setzt das schon jetzt freiwillig um.

Haltungsform 3: Mind. 40 % mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, Zugang zu Frischluft, Stroh im Stall

Haltungsform 4: Stallfläche von bis zu 1,5 m², Auslauf von bis zu 1,2 m², entspricht EU-Bio-Standard

Hohes Tierwohl garantieren demnach nur Stufen 3 und 4, allerdings ist dieses Fleisch teuer und das Angebot bisher rar. Der Test ergab, dass sich die Handelsketten kaum für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen einsetzen.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler gewährte keinerlei Einblick in die Produktion seiner drei Produkte im Test (inkl. dem von Tochter Netto). Und das, obwohl die Stiftung Warentest anbot, Daten vertraulich zu behandeln. Dafür gab’s ein "Mangelhaft". Die anderen acht Handelsketten engagieren sich aber ebenfalls nur dürftig. Ihre Einkaufspolitik zielt zu wenig auf höhere Tierwohl-Standards ab. Ihre Einkaufspreise legten sie nicht offen.

Studiogast: Nicole Merbach, Redakteurin Stiftung Warentest

Beitrag von Christine Knospe