Grillen im Garten (Quelle: Colourbox)
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Service - Grillen ohne Schnickschnack

Drei Viertel der deutschen Haushalte grillen regelmäßig, darunter auch immer mehr selbst ernannte Experten. Grillen ist eine Wissenschaft für sich, jeder weiß es vermeintlich besser. Doch was sagt der Grill-Profi? Wie viel Schnickschnack braucht gutes Grillen?  

Norbert Blaschke ist Juror bei Grillmeisterschaften und Inhaber einer Grillschule. Er weiß genau, wie richtig gutes Grillen geht. Und zwar nicht so, wie es die meisten tun. "Einfach drauf los feuern, Rost drüber und Grillfleisch rauf – das kann nicht funktionieren", sagt er. Mindestens ein Grill mit Deckel sollte es schon sein, so sein Rat. Idealerweise ein Gasgrill, da dieser sich präzise regulieren lässt und das ohne viel Qualm. Der Nachteil: Ein Gasgrill ist relativ teuer. Günstige Einsteigergeräte gibt es erst ab um die 100 Euro. Und ein gutes Gerät kostet schnell mal um die 300 Euro, gibt Blaschke zu.

Allerdings: Kohle ist auf Dauer auch nicht billig. Langfristig kann sich also die Anschaffung eines Gasgrills durchaus lohnen. Einen Elektrogrill würde der Experte nie benutzen. Der schafft höchstens ein schnelles Würstchen, aber sobald es um dickeres Fleisch geht, reicht die Power nicht, so seine Meinung. Der Vorteil: Elektrogrills sind auch für die Wohnung geeignet, da sich kein Kohlenmonoxid bilden kann.

Wir entscheiden uns für einen Kohlegrill mit Deckel – die Minimalvariante laut Blaschke. Zum Anfeuern am besten einen Grillkamin nutzen. Das geht schneller und qualmt weniger. Sobald die Kohle weißlich wird und richtig glüht, in den Grill kippen. Dabei zwei Grillzonen bilden. Eine Zone fürs scharfe Angrillen bei hoher Temperatur, eine Zone fürs Garen bei niedriger Temperatur mit geschlossenem Deckel. Im Fachjargon heißt das: indirektes Grillen. Laut Blaschke der Garant für perfekt gegartes Grillfleisch. Auch dicke Steaks gelingen damit auf den Punkt, verspricht er.  

Gutes Grillen ohne gutes Fleisch – da bringt auch das tollste Equipment nichts. Blaschkes Rat: "Wer gute Qualität kauft, der braucht weder Marinaden noch ausgefallene Gewürze." Vor dem Grillen ganz leicht ölen und nur salzen, das reicht seiner Meinung nach aus. "Marinaden dringen nur in die obere Schicht des Fleisches ein. Und auch das dauert ziemlich lange. Deshalb lieber darauf verzichten", so der Grill-Experte. Zwei Gänge will Blaschke heute grillen: Lachs und Steak. Würstchen kann schließlich jeder.

Statt Lachs und andere feste Fischsorten in Alufolie im eigenen Saft zu garen, kommen sie bei Blaschke direkt auf den Rost. Damit sie nicht ankleben, immer leicht ölen. Aber Vorsicht: Nicht zu viel Öl verwenden. Es darf nicht in die Glut tropfen, sonst können gesundheitsbedenkliche Stoffe entstehen. Zwei bis drei Minuten zuerst auf der Fleisch-, dann auf der Hautseite direkt über der glühenden Kohle grillen. Schließlich ein paar Minuten auf der anderen Seite des Grills gar ziehen lassen. Da Fisch gut Säure verträgt, eine Vinaigrette aus Essig, Öl, Senf, Salz, Pfeffer und Knoblauch darüber träufeln. Und fertig ist der erste Gang.   

Steaks hingegen kann man auf zwei verschiedene Arten grillen. Entweder vorwärts oder rückwärts. Die bekannteste Variante ist das "vorwärts Grillen". Dabei kommt das gesalzene und geölte Fleisch zuerst direkt auf die heißeste Stelle des Grills und darf dann auf der Seite ohne Glut weitergaren. Dabei überprüft der Experte die Innentemperatur des Fleischs mit einem Thermometer, um den Garpunkt genau zu treffen.

Die Alternative ist das "rückwärts Grillen" – besonders empfehlenswert bei sehr dicken Steaks. Dabei wird das Fleisch zuerst indirekt gegrillt, wird also vorgegart bis es fast fertig ist. Und erst dann kommt es auf die heiße Zone und darf Röstaromen entwickeln.

Beitrag von Christine Knospe