Holzkohle in einem Grill (Quelle: Imago)
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Service - Grillkohle im ÖKO-Test

Sommerzeit ist Grillzeit und ohne glühende Kohle gibt es keine leckeren Grillwürstchen. Der Markt bietet dafür allerlei Produkte an, etwa Holzkohle oder Briketts. Die Grillfans fragen sich nicht nur, welche Kohle in der Praxis die beste Glut ergibt, sondern auch, welches Produkt ökologischen Standards entspricht und nachhaltig ist. Die Zeitschrift ÖKO-TEST hat jetzt Holzkohle und Briketts ins Labor geschickt und einen Praxistest gemacht.

Ein perfekter Grillgenuss – das ist es, was Hobby-Griller sich wünschen. Und genau das versprechen die Hersteller von Grillholzkohle und Briketts. Schneller, heißer, länger – und am besten voll ökologisch. Doch was steckt dahinter?

Ökotest hat 20 Produkte getestet. Das Fazit: Elf der Produkte sind gut oder sehr gut. Verbraucher können also aufatmen. Gute Grillholzkohle unter 5 Euro bieten demnach Dehner und das Holzkohlewerk Lüneburg. Sehr gute Briketts unter 5 Euro gibt es von Flammenco, Edeka und Kingstone. Auffällig ist: Die Briketts haben nicht nur ein besseres Gesamturteil, sondern sind gerade im Praxistest besonders gut im Vergleich zur Kohle. Der Grund: Die Kohle brauchte im Test relativ lange, um grillbereit zu sein. Ein Manko, denn gerade der Schnellstart ist gemeinhin der Vorteil beim Grillen mit Kohle. Ist dies nicht gegeben, gibt es Punktabzug. Denn der Nachteil bleibt bestehen: Kohle verkohlt schnell. Es handelt sich also um ein eher kurzes Grillvergnügen. Die Vorteile der Grillbriketts: Sie sind relativ ergiebig, da sie lange glühen und Grillmeister im Gegensatz zur Kohle nicht so oft nachschütten müssen. Der Nachteil: Es dauert auch relativ lange bis sie glühen. Dies lässt sich aber mit einem Anzündkamin umgehen. Damit sind auch Briketts deutlich schneller grillbereit.

Zu kleine Stücke, zu viele Steinchen

Doch die Qualität zeigt sich nicht nur in der Anwendung. Ökotest kritisiert besonders die Zusammensetzung. Zur Abwertung führte zum Beispiel bei Holzkohle, wenn zu viele kleine Stückchen in der Tüte stecken. Die Norm besagt, dass nur maximal zehn Prozent Stücke mit einer Größe von einem Zentimeter enthalten sein dürfen. Etwas, das nicht alle Produkte im Test erfüllen. Bei Briketts wurden im Labor mitunter Steinchen oder auch fossile Brennstoffe nachgewiesen. Auch das führte zur Abwertung.

Herkunft – unbekannt

Welches Holz verarbeitet wurde und woher es stammt, müssen die Hersteller bislang nicht angeben. Ökotest kritisiert dies und fordert eine Inhaltsangabe wie bei Kosmetika oder Lebensmitteln. Denn: Der Verbraucher muss aus Sicht von Ökotest die Chance haben, regionale Produkte zu kaufen. Viele Hersteller werben damit, dass sie zum Beispiel nur das bei Grillmeistern besonders beliebte Buchenholz verarbeitet haben. Im Labor stellte sich heraus: Es steckt überhaupt kein Buchenholz drin. Bei einem anderen Produkt wird mit rein europäischen Hölzern geworben. Im Labor wurde allerdings nachgewiesen, dass es ausschließlich aus Tropenhölzern besteht. Ein Etikettenschwindel. Eine Abwertung wegen der Verwendung von Tropenhölzern hat Ökotest indes nicht vorgenommen. Auch dort gebe es nachhaltige Holzwirtschaft. Nur Holz aus Regenwäldern sei ein absolutes No Go.

Siegel teils nicht aussagekräftig

Auf Siegel können sich Verbraucher laut Ökotest nicht immer verlassen. Das einzige mit „Mangelhaft“ bewertete Produkt im Test, die Max Premium Holzkohle Grill & Barbecue von Masterfire, hat sogar das FSC-Siegel. Es erfüllt allerdings nicht die Kriterien, wie der Test

zeigt. Der Forest Stewardship Council vergibt eine Zertifikat-Nummer, die der Verbraucher theoretisch im Internet nachverfolgen kann. Dies ist allerdings nach Aussagen von Ökotest nicht praktikabel, da viel Recherche nötig ist, um an die gewünschten Angaben zu kommen. So seien die Namen der Bäume auf Latein angegeben, der Verbraucher müsste also zuerst herausfinden, um welche Bäume es sich wirklich handelt.

Doch die meisten getesteten Produkte waren gut oder sehr gut, sagt Ökotest. Bei richtiger Anwendung kann also nicht mehr viel schief gehen. Unser Tipp: Gute Kohle und Briketts einfach mischen. So lassen sich die Vorteile beider Varianten kombinieren.

Beitrag von Christine Knospe