Service - Räucherlachs

Gerade zu den Feiertagen hat Räucherlachs Hochkonjunktur. Eine Leckerei, die vielen eine Gaumenfreude ist. Doch der aktuelle Test von 20 solcher Produkte lässt einem doch manchen Happen Räucherlachs im Halse stecken bleiben.

Nicht wegen der Ergebnisse des sensorischen Tests. Aber: Nicht nur, dass Räucherlachs teils nicht im Sinne des Tierwohls und der Ökologie in den Zuchtfarmen gehalten wird, weiterhin sorgt artfremdes Futter in einigen Produkten für einen Überschuss schwer bekömmlicher  Omega6-Säuren, und über das Futter gelangt zudem das gesundheitsschädliche Pflanzenschutz- und Konservierungsmittel Ethoxyquin in den Fisch. Wo auch schon mal Fadenwürmer gefunden wurden.

Die 20 Räucherlachsprodukten schickte ÖKO-TEST durch aufwendige Labortests. Gecheckt wurden der typische Lachsgeschmack, natürlich mögliche Schadstoffe im Fisch, aber auch die ökologischen Bedingungen der Lachszucht. Hier muss zwischen der konventionellen und der Biozucht unterschieden werden, aber auch zu der "Primadonna" unter den Lachsen, dem Wildlachs.

Man muss festhalten: Der Lachs ist ein Raubfisch, der in freier Wildbahn bis zu 30 km an Tag zurücklegt. Der Wander- und Raubfisch ist daher von seinen natürlichen Voraussetzungen her, nicht unbedingt als Zuchtfisch in begrenzten Zuchtfarmen geeignet. Deshalb muss er als Bioprodukt einem deutlich geringeren Besatzdichte in den Farmnetzten ausgesetzt sein und darf nur artgerechtes Futter erhalten, frei von Schadstoffen wie dem Ethoxyquin.

In konventionellem Zuchtlachs ist immer noch dieses gesundheitsschädliche Futterkonservierungsmittel zu finden. Norwegische Fischfutterhersteller haben begonnen, das bis 2020 noch erlaubte Koservierungsmittel aus ihren Produkten zu nehmen. Für Bioprodukte ist deren Einsatz bereits  verboten.

Umso erstaunter waren die Tester, es in zwei Bioprodukten zu finden. Insgesamt waren von 15 Zuchtlachsen 6 mit Ethoxyquin belastet, darunter sogar 2 BIO Produkte. Insgesamt kann der Wildlachs als das reine Bioprodukt gelten: Artgerecht unterwegs, artgerechte Nahrung, frei von Schadstoffen, wenn ihm solche nicht durch seine Umgebung untergeschoben sind und hoffentlich nachhaltig gefischt. Die Konsequenz: Wildlachs ist die erste Wahl, aber auch teuerste Räucherlachsvariante.

Der Parasit Lachslaus kann die Gesundheit der Fische massiv beeinträchtigen und sich in dicht besetzten, engen Farmnetzten besonders schnell ausbreiten. Die dagegen eingesetzten Chemikalien können den Fischen selbst im Prinzip nichts, belastet aber deren Lebensumfeld, die Umwelt allgemein. Lobenswert ist da, das einige Farmen ohne Chemie entlausen, in dem die Lachse kurzzeitig in angewärmtes Wasser umgesetzt werden.

Leider wird bei der konventionellen Zucht immer weniger artgerechtes Futter (Fischanteil) eingesetzt.  In einem konkreten Beispiel aus der Fischzucht in Norwegen verbleiben am Gesamtfutter nur noch nur noch ganze 21% Fischmehl und Fischöl. Der Lachs wird widernatürlich immer mehr zum Vegetarier.

Der Fischerersatz ist in hohem Maße proteinhaltiges Soja. Das heißt: Statt der gesunden omega3 Fettsäuren nimmt der Fisch vor allem Omega6 Säuren auf. Die können die positive Wirkung von Omega3 blockieren. Ein Überverhältnis von Omega6 Säuren wird auf Dauer nicht gesundheitsfördernd für Menschen sein. Zudem verdirbt das Fischfutter nun schneller. Die dann oxidierten Fettsäuren werden ins Fischfleisch eingelagert und gelangen über die Nahrungskette in den Menschen.

Jetzt wird es noch eklig, aber nicht gefährlich. Stichwort: Nematoden, Fadenwürmer. Mehr als 20 Fadenwürmer/kg Wildlachs sollten es nicht sein. In einem Wildlachsprodukt waren es deutlich mehr. Das führte im Test zu einer klaren Abwertung, auch wenn die Würmer nicht gefährlich sind, da der Wildlachs nach dem Fang sofort tiefgefroren wird und die Würmer das nicht überleben.

Der typische, gute Räucherlachsgeschmack, den fast alle Testprodukte boten: Frisch nach Lachs, nicht aufdringlich fischig, leicht salzig. Als Mundgefühl hinterließen die Zuchtlachse einen fest-elastischen Eindruck. Dagegen zerfiel der Wildlachs fast auf der Zunge. Das Fleisch der Wildlachse ist nun mal magerer und mürber.

Die Sieger/Verlierer im ÖKO TEST:

BIO Räucherlachs

gut:
Bio Räucherlachs Laschinger 3,69 €/110 g: Sehr gut im Geschmack und bei den Inhaltsstoffen, in Sachen Ökologie und Tierwohl nur leichte Schwächen

Ausreichend:
Norfisk Delikatessen Bio Räucherlachs 2,99 €/100 g: Klarer Punktabzug wegen des Schadstoffes Ethoxyquin sowie bei Ökologie und Tierwohl während der Zucht.

Räucherlachs, konventionelle Zucht:

Die 10 Testprodukte erbrachten hier ein schlechtes Gesamttestergebnis: 3x befriedigend, 1x ausreichend, 5x mangelhaft, 1x sogar ungenügend!

Der Sieger hier mit nur befriedigend:
Almare Seafood Skandinavischer Räucherlachs 2,14 €/100 g: Das gute Ergebniss bei Geschmack und Inhaltsstoffen wurde durch Schwächen bei Ökologie und Tierwohl reingerissen.
Ocean Sea Norwegischer Räucherlachs 2,14 €/100 g: Sogar sehr gut bei Inhaltsstoffen und Geschmack, aber auch durch chemische Behandlung und überhaupt bei ökologischen und Tierwohl Kriterien schwach. Trotzdem unter den konventionellen Räucherlachsen immer noch einer der besten.

Ungenügend und absoluter Testverlierer::
Friedrichs Original Rauch-Lachs 4,99 €/100 g: Mit dem kuriosestem Verlierer Ergebnis.  Sehr gut bei Sensorik und Inhaltsstoffen, aber in Sachen Ökologie und Tierwohl der Totalausfall.  

Wildlachs, geräuchert:

sehr gut:
Friedrichs Kodiak Wildlachs Smoked 6,49 €/100 g: Von Geschmack über Inhaltsstoffe bis Fangmethode – für alles eine glatte 1. Guten Appetit mit gutem Gewissen !
Stührk Alaska Wildlachs geräuchert 5,49 €/110 g: Fast durchweg sehr gut.  

Verlierer hier mit befriedigend:
Fish Tales Sockeye geräucherter Wildlachs 5,98 €/100 g: Hinterlässt eigentlich ringsherum einen guten Eindruck. Wenn da doch bloß nicht die Nematoden, die Fadenwürmer wären.

Weil Umwelt und Tierwohl in den Aquakulturen der Zuchtfarmen mehr oder weniger, aber leiden, können die Tester mit gutem Gewissen nur Wildlachs empfehlen. Räucherlachs aus Aquakultur schneidet zudem generell schlechter ab. Und auch nur einer, der BIO Lachs von Laschinger, konnte unter diesen bei den Kriterien Ökologie und Tierwohl ein gut einfahren.
   
Beitrag von Reinhard Rychlik