Orangen (Quelle: Colourbox)
colourbox
Bild: colourbox

Service - Leckeres Vitamin-C: Orangen im ÖKO-Test

Winterzeit ist Orangenzeit. Beliebt sind sie, weil in ihnen viel gesundes Vitamin C drin steckt. Die Zeitschrift ÖKO-TEST hat 25 Orangensorten in die Labore geschickt und auf Pestizide untersuchen lassen. Außerdem wurden die Arbeitsbedingungen der Pflücker unter die Lupe genommen.

Jedes Jahr werden weltweit ca. 70 Millionen Tonnen Orangen geerntet. In Deutschland werden pro Kopf und Jahr 4 kg der Früchte gegessen und 8 Liter Orangensaft getrunken. Gerade in der kalten Jahreszeit sind Orangen der Renner unter den Obstsorten. Schon zwei Orangen decken den Tagesbedarf an Vitamin C . Das stärkt das Immunsystem und damit die Abwehrkräfte sowie unser Bindegewebe und unterstützt die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.
Wer so nachgefragt ist, muss sich dem Ökotest der Zeitschrift ÖKO-TEST stellen. Diese nahm 25 europäische Orangen-Früchte (aus Spanien, Italien, Griechenland) unter die Lupe, darunter sowohl Bio- und als auch konventionelle Produkte, auch von Direktversendern.
Die wesentlichen Testkriterien: Die Proben wurden auf rund 600 Pestizide untersucht, auf das Einhalten der durch die EU vor gegebenen Grenzwerte, aber auch auf Pestizide die Toxikologen unabhängig von Grenzwerten als besonders gefährlich einstufen. Gelten diese doch als krebserregend, schädlich für das Hormonsystem sowie die Gehirnentwicklung von Kindern und als stark bienengiftig. Jedoch wurde das mögliche Verbot solcher Pestizide gerade wieder auf das Jahr 2020 verschoben. Darunter auch die Insektizide Chlorpyrifos und Chlorpyrifos –Methyl. Beide zählen zu den auch hormonell wirkenden Pestiziden.

Der zweite Schwerpunkt im Test waren die  Produktionsbedingungen. Hierbei geht es um das Einhalten von aktuellen Standards bei den Arbeitsbedingungen, so Arbeitszeit und Arbeitsschutz, um die Löhne aber auch um den verantwortungsvollen Umgang mit Pestizidenden. All dies muss überprüft und transparent zugänglich sein. Die Kriterien dafür stammen aus dem Katalog der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation,  einer Unterorganisation der  UNO. Sobald es hier auch bei nur einem Kriterium nicht klappte, konnte es nur Punkteabzug geben.

Im Vergleich zwischen konventionellen und Bio-Produkten macht Bio klar das Rennen. Von acht getesteten fuhren hier sechs ein Sehr Gut ein und zwei verfehlten den Topwert mit einem Gut. Die zwei guten Produkte schwächelten leicht bei den Produktionsbedingungen und der Transparenz. Auffällig sind die teils großen Preisunterschiede je kg.

Bio-Orangen:
Sehr gut: Bio Orange Navelina (Edeka/3,79 €/kg), Bio Orangen Navelina, lose (Fruites Tot L’Any/3,99 €/kg), Dennree Bio- Orangen   Navelina (Dennree/3,49 €/kg), Bio C.A.I. Bio Orangen Navelina (Real/1,99 €/kg), Bio Orangen, Navelina(REWE/1,99 €/kg), Tegut Bio Orangen Navelina, Demeter (Tegut/2,99 €/kg)

gut: Alnatura Bio Orangen Navelina (Alnatura/2,66 €/kg), Bio Orangen Navelina (Kaufland/2,89 €/kg)

Bei der großen Gruppe der getesteten konventionellen Orangen ( 17, darunter 3 mal Direktversand) waren die Testergebnisse bei klar niedrigeren Preisen deutlich schlechter: Nur 5x gut und 5x noch befriedigend. Aber 3 Produkte retteten sich noch auf ausreichend, einmal bliebt nur mangelhaft und gar 3x quittiert ein ungenügend den Komplettausfall. Über die Ergebnisspanne nahmen die Pestizidbelastung und unzureichende Arbeitsbedingungen bzw. Transparenz der Produktion zu.

Die Sieger unter den konventionellen Orangen:
gut: Agrisol Orangen Navelina (Norma/0,85 €/kg), Sonnenkuss Orangen, Sorte M7 (Edeka/2,33 €/kg) und Markttag Sonnengereifte Orangen, Navelina (Netto Discount/1,00 €/kg), Naturlieblinge  Orangen, Navelina (Aldi Süd/ 1,08 €/kg) und Orangen Navelina (Aldi Nord/1,10 €/kg), Aldi Nord Orangen  (1,10 €/kg)

Die Verlierer eint hier zweierlei. Zum einen die Belastung mit Pestiziden, zum anderen die ungenügenden bzw. völlig fehlenden Angaben zu den Produktionsbedingungen. Das führte bei den Orangen des Direktanbieters Orangesoline sogar zum Zusatzvermerk „Nicht verkehrsfähig“. Die Direktanbieter sind kleine Familienbetriebe, die nicht nach ILO Kriterien zertifiziert sind und so die Arbeitsbedingungen ihrer Pflücker nur unzureichend oder eben gar nicht belegen.

ungenügend: Saftig&Schmackhaft Orangen, Navelina (Penny/1,25 €/kg), Tafel-Orangen, Navelina lose (Direktversand orangesonline.net/3,40 €/kg), Valensina Navelina Saftorangen (Valensina/1,99 €/kg)

Trotz eines Direktversenders von konventionellen Orangen unter den Verlierern, vor allem wegen überschreiten der Pestizid Grenzwerte, aber auch wegen des Fehlens von Angaben zu den Produktionsbedingungen und deren Transparenz, regt ÖKO TEST dazu an, Direktversender nicht links liegen zu lassen. Die anderen beiden im Test, quiearanjas.com und fetasoller.comr schnitten deutlich besser ab, zudem handelt es sich hier um kleine Erzeuger.  Die kämpfen hart gegen den Preisdruck der großen Handelsketten ums Überleben.

Orangen ganz praktisch:
Gerade Orangensaft sollte man doch eher in Maßen genießen. Darin befindet sich Fruchtzucker in konzentrierter Form, besonders im Saft. Ein Liter enthält fast genauso viele Kalorien wie ein Tafel Schokolade. Wenn auch optisch ein Genuss, haben Orangen mit besonders grobporiger Schale meist wenig Saft. Mehr davon bieten glatte Orangen mit feiner Schale.
Orangen sind sehr kälteempfindlich und gehören deshalb nicht in den Kühlschrank. Bei Zimmertemperatur halten sie sich 2 bis 3 Wochen. Dagegen schimmeln Bio Orangen schon nach wenigen Tagen, sind sie doch unbehandelt, ohne Konservierungsstoffe.
Ganz anders die konventionellen Früchte. Deren Schale wird gewachst, weil ihre natürliche Wachsschicht beim Reinigen der Ernte verloren geht. Das soll das Schimmeln und Austrocknen verhindern. Nachteil dieser Behandlung: Das meist dafür verwendete Imazalil gilt als krebserregend und kann beim Schälen oder Pressen der Frucht in deren Fleisch bzw. Saft gelangen. Deshalb der Tipp: Behandelte Orangen vor dem Auspressen warm abwaschen und abtrocknen und nach dem Schälen gründlich die Hände waschen, bevor es ans Fruchtfleisch geht. Das ist bei Bio-Produkten nicht nötig, denn deren Schalen dürfen nicht konserviert werden. Penibel entfernen viele die weißen Häutchen an den Fruchtstücken, sorgen diese doch für einen bitteren Geschmack. Aber: Die dort enthaltenen Bitterstoffe haben eine gesundheitsfördernde Wirkung. Entscheiden Sie selbst. 

Beitrag von Reinhard Rychlik