"Ein Mann pflanzt Salat in ein Blumentöpfchen"; © COLOURBOX
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Service - Regrow: Gemüsereste einfach nachwachsen lassen!

Was haben Salatstrunk, Zwiebelwurzel und Avocadokern gemeinsam? Sie alle landen normalerweise im Müll. Wer ahnt schon, dass ungeahntes Potenzial in ihnen steckt? Wir wollen dafür ein Bewusstsein schaffen und Ihnen erklären, wie Sie Ihr Gemüse selbst ganz einfach nachziehen können.

Wer gern und oft Gemüse isst, hat auch viel Abfall. Doch muss alles gleich in den Müll? Das haben sich Melissa Raupach und Felix Lill gefragt, die gemeinsam das Onlinemagazin „Plantura“ für Gartenfreunde betreiben. Und so haben sie Gemüseresten zu neuem Leben verholfen und die Fensterbank zum Gemüsebeet werden lassen. Regrowing - auf Deutsch nachwachsen lassen nennt sich dieser Trend. Das Prinzip funktioniert über Stecklinge oder vegetative Vermehrung, bei der die Pflanze neue Wurzeln bildet. Erstaunlich, was sich darüber so alles nachziehen lässt…

Regrow Gemüse
Ob Frühlings- oder Gemüsezwiebel, Roma Salat, Rote Beete oder Süßkartoffel, stets gilt es den ursprünglichen Wurzelbereich wiederzubeleben oder neue Wurzeln entstehen zu lassen.. Dazu kommt der Strunk in ein Glas mit Wasser. Das Glas ist beim Regrowing wichtig, denn nur so kann das Licht die notwendige Energie spenden. Nach 5 bis 7 Tagen (je nach Pflanze) im Wasserbad sind die Wurzeln zum Wachsen angeregt und der Strunk kann eingepflanzt werden, wobei der Kopf nicht mit Erde bedeckt werden sollte. Nun brauchen die Zöglinge Geduld und regelmäßiges Gießen. Nach einigen Wochen ist der einstige Gemüserest zu neuem Leben erwacht. Der Salat und die Frühlingszwiebeln haben neue sind neu ausgetrieben, die Rote Beete hat Blätter gebildet, die als Salat geerntet werden können und die Süßkartoffel kann ins Freiland oder einen sehr großen Topf gesetzt werden, damit neue Knollen wachsen können.

Regrow Exoten
Die Ananas ist schon etwas anspruchsvoller, braucht sie doch viel Wärme und Licht. Um sie zum erneuten Wachsen zu bewegen, wird der Strunk vorsichtig herausgedreht und von den unteren Blättern befreit. Nach gut einer Woche im Wasserbad, haben sich die ersten Wurzelansätze gebildet. Nun heißt es ab in die Erde und schon bald schenkt die Ananas der Wohnung tropisches Flair.

Auch die Mango ist nicht ganz unkompliziert. Bei ihr wird der Innere Kern aus der festen Hülse befreit und für etwa zwei Wochen in einem Tuch feucht gehalten. Haben sich erste Wurzeln und ein Trieb gebildet, kann auch dieser Exot in die Erde. Mit viel Glück ist dann nach einigen Monaten ein kleines Bäumchen gewachsen.

Doch bei den Exoten wird es schwierig tatsächlich Früchte zu ernten, kommen sie doch aus den Tropen und sind dort viel Wärme und Sonne gewohnt. Eine schöne Zimmerpflanze erwächst aber auf jeden Fall.

Regrow Kräuter
Basilikum lässt sich genauso wie Minze ganz einfach vermehren. Von den etwa 10 Zentimeter langen Trieben werden vorsichtig die unteren Blätter entfernt und  ins Wasser gestellt. Nach zwei bis drei Wochen sollten die Wurzeln kräftig gewachsen sein und die Stecklinge können eingepflanzt werden. Noch leichter lässt sich Koriander regrowen, denn den kauft man oftmals noch mit Wurzeln. Und sogar das Zitronengras ist dankbar für eine Wiederbelebung mit Wasser und Erde. Der ständige Nachwuchs wird also leicht zum Kräutergarten.

Worauf ist zu achten?
Bei den Einsteigerpflanzen wie Lauch, Zwiebeln und Kräutern klappt das Nachwachsen sofort, für andere braucht es etwas mehr Mühe und Geduld.
Fäulnis kann ein Problem werden, wenn die Schnittstelle verunreinigt ist oder zu viel gegossen wird. Wenn qualitativ minderwertige Erde gekauft wird, holt man sich oft Trauermücken in die Wohnung. An sich ist immer qualitativ hochwertige Erde in Bio-Qualität empfehlenswert, auch Anzuchterde kann hilfreich sein (vor allem bei Kräutern), ist aber kein Muss

Das Alter des nachgezogenen Gemüses spielt auch eine Rolle. Bei Kartoffeln ist es besser, wenn sie schon älter sind, bei Salat ist das allerdings eher schlecht. Jetzt im Sommer können die Zöglinge auch auf den Balkon. Doch Achtung, es darf nicht zu kühl werden, und nachts sollten empfindlichere Pflanzen rein gestellt werden. Und bitte auch nicht in die pralle Sonne von 0 auf 100 stellen, es gibt auch bei Pflanzen Sonnenbrand.

Beitrag von Katja Charlé