Vollkornbrot mit vegetarischem Aufschnitt, Foto: rbb

Service - Vegetarische Aufschnitte im Test

Immer mehr Menschen wollen, zumindest zeitweilig, auf Fleisch verzichten. Daher erfreuen sich vegetarische und vegane Aufschnitte immer größerer Beliebtheit. Doch wie gut sind die Produkte, die sich zumindest optisch oft kaum von Fleischprodukten unterscheiden lassen?

Früher wurde darüber gelächelt, heute findet man veggy food an fast jeder Ecke. Zuviel Fleisch ist ohnehin nicht gesund, sagen Experten. Also sind Alternativen gefragt. Neben Gemüse und Obst könnten es auch spezielle Wurstsorten sein: Vegetarischer Aufschnitt, der Salami oder Brühwurst ähnelt. Rein optisch lässt sich da kaum noch ein Unterschied erkennen.

Stiftung Warentest hat sich nun einige Sorten mal gründlich auf der Zunge zergehen lassen. Und die Qualität der Wurstersatzprodukte akribisch analysiert. Zu Gast im Studio: Ina Bockholt, Stiftung Warentest

Im aktuellen test-Heft sind die Ergebnisse ausführlich beschrieben:
20 vegetarische Aufschnitt-Sorten sind getestet worden. Und eins steht fest: Ob vegetarische Salami, Lyoner oder Mortadella - die getesteten Produkte sind zu 100 Prozent frei von Fleisch. Vegetarische Produkte dürfen auch Ei und Milch enthalten, aber vegane nichts davon. In veganen Produkten ist auch keine Tier-DN gefunden worden. Aber wie ist es mit dem Geschmack?

Wer "Ersatzwurst" kauft, muss sich vom gewohnten Geschmack nicht gänzlich verabschieden. Gerade Veggie-Aufschnitt, der an Lyoner erinnert, kommt dem Original in Aussehen, Geschmack und Konsistenz oft recht nah. Veggie-Salami ist in der Regel weiter von echter Salami entfernt. Die Mühlen-Salami von Rügenwalder Mühle ähnelt im Genuss ihrem Vorbild am meisten. Aber in der Festigkeit ist sie auch mit ihr nicht vergleichbar. Insgesamt schmecken die meisten der getesteten Sorten würzig.

Wie immer bei solchen Tests wurde auch nach eventuellen Schadstoffen gesucht, die Zusatzstoffe genauer unter die Lupe genommen und geschaut, ob ein eventueller Keimbefall vorhanden ist. Also im schlimmsten Falle Krankheitserreger. Bei einem Produkt wurde ein solcher nachgewiesen und zwar in der vegetarischen Mortadella von Wiesenhof, die der Hersteller aber bereits aus dem Handel genommen hat.

In dieser vegetarischen Wurst fanden die Tester den Krankheitskeim Listerien. Dieser kann grippeähnliche Symptome auslösen und lebensgefährliche Krankheiten verursachen, wie Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen. Schwangere sind besonders gefährdet.

Eine erhöhte Anzahl an Milchsäurebakterien und einem weiteren Verderbniskeim wurden in der veganen Salami von Veggy Friends gefunden. Keine Gesundheitsgefahr - aber das Produkt war kaum noch genießbar. Es roch säuerlich und schmeckte bitter.

Es besteht ein Unterschied zwischen vegetarisch und vegan. Vegetarisch bedeutet "kein Fleisch", aber tierische Produkte wie Eier und Milch sind nicht ausgeschlossen. Vegan bedeutet "gar nichts Tierisches".

In sechs vegetarischen Aufschnitt-Produkten sind bei der Herstellung Eier verwendet worden. Ein Produkt, die Schinken Spicker Mortadella von Rügenwalder Mühle, besteht sogar zu 70 Prozent aus Hühner-Eiweiß. In anderen ist es deutlich weniger. Ob die verwendeten Eier dann immer aus artgerechter Tierhaltung stammen, konnte nicht geklärt werden. Auch die Verbraucher werden auf den Verpackungen keine genauen Angaben finden.

Hingewiesen wird auch darauf, dass vor allem Allergiker die Zutatenliste der vegetarischen Wurstsorten genau lesen sollten. Bei deren Herstellung werden oft auch pflanzliche Zutaten verwendet, wie Soja, Weizen oder Erbsen. Sie werden vor allem benötigt, um ein Wurstähnliches Aussehen zu kreieren. Aber es gibt Menschen, die unter Zöliakie leiden und die vertragen beispielsweise Weizeneiweiß oder Seitan nicht. Soja und Hühnerei können für Allergiker kritisch sein.

Immer wieder ein großes Thema: Die Zusatzstoffe. Alle Test-Sorten enthalten welche, vom Farbstoff über Verdickungsmittel bis hin zu Geschmacksverstärkern. Die hier mehr oder weniger verwendeten Stoffe sind nach EU-Vorgaben aber alle unbedenklich.
Der Fettgehalt ist natürlich geringer. In der Regel etwa halb so viel wie in Fleischprodukten.

Mit 1,9 hatte die Rügenwalder Mühle Vegetarischer Schinken Spicker das beste Qualitätsurteil zu verzeichnen. Sie erhielt auch im Geschmack die Note "sehr gut". Alnatura Veggie Aufschnitt Paprika, Kaufland Take it Veggie sowie Taifun Papillon veganer Aufschnitt mit Paprika, erhielten ebenfalls alle ein Gesamturteil "Gut".

Gute vegetarische "Salamis" sind: Die Rügenwalder Mühle Vegetarische Mühlensalami Klassisch und wie Salami vegan von Heirler. Erstere hat einen leichten Cervelatwurstgeschmack und enthält viel Ei. Letztere besteht komplett aus pflanzlichen Zutaten, wie Tofu und Weizen und sie schmeckt sehr nach Gemüse, leicht scharf.

Die test-Verlierer:
Mit dem Prädikat "Mangelhaft" haben zwei Produkte abgeschnitten: Zum einen Veggy Friends vegane Salami auf Sojabasis. Dort sind Milchsäurebakterien gefunden worden, die das Erzeugnis im Geschmack und Geruch erheblich verschlechterten. Und die Wiesenhof Veggie Vegetarische Mortadella, die gesundheitsschädliche Keime enthielt. Dieses Produkt ist aber nach Herstellerangeben seit November 2018 nicht mehr auf dem Markt.
Quelle: Stiftung Warentest

Beitrag von Boris Römer