Service - Lob und Anerkennung: Die Kraft der Wertschätzung

Wahrgenommen, geschätzt und anerkannt werden, das wollen wir alle – sowohl im Beruf als auch im Privatleben. Doch was tun, wenn wir das Gefühl haben, nicht genug Aufmerksamkeit von unserem Umfeld zu bekommen? Wir erklären, wie es gelingen kann, eine wertschätzende Beziehung zu unseren Mitmenschen zu entwickeln.

Von unseren Mitmenschen geschätzt zu werden, ist ein zentrales Bedürfnis von uns. Fehlende Anerkennung und Wertschätzung kann auf Dauer sogar krank machen. Es kann zu Schlafstörungen, Depressionen und ähnlichem führen. Auch das Selbstwertgefühl wird dadurch stark angegriffen.

In ihrem Buch „Die Kraft der Wertschätzung“ schreibt die Psychologin Eva Wlodarek, dass wir erstmal bei uns selbst anfangen müssen, bevor wir von anderen mehr positive Aufmerksamkeit erwarten dürfen. Denn was wir über uns selbst denken, beeinflusst unsere Worte und Handlungen sowie unsere Außenwirkung. Nur wenn wir uns selbst „wertschätzen“ und positiv von uns denken, strahlen wir das auch nach außen aus. Dieses positive Denken sich selbst gegenüber, diese „Freundschaft mit sich selbst“, kann man trainieren. Zum Beispiel, indem man darauf achtet, die negative innere Stimme zum Schweigen zu bringen. Die einem immer einredet, dass man zu langweilig, zu doof etc. ist. Sätze wie   „Ich sehe heute ja wieder furchtbar aus“, „Das kapiere ich eh nicht“ machen uns klein. Dieser innere Kritiker steckt in uns allen, aber in unterschiedlicher Stärke. Der Trick ist, darauf zu achten, wann die innere Stimme einem etwas einredet und sie dann auf frischer Tat zu ertappen und ein Gegenargument zu finden. Wenn wir keine Zeit und Lust haben, uns intensiv mit unserer inneren Stimme zu beschäftigen, können wir uns auch einfach fragen: „Ist dieser Gedanke jetzt nützlich? Oder bewirkt er nur, dass ich mich schlecht fühle?“ Wenn letzteres der Fall ist: Innerlich „Stop“ sagen und sich mit einer Beschäftigung ablenken  oder den negativen Gedanken durch einen nützlichen  ersetzen. Beispiel: „Hoffentlich kapiere ich das überhaupt“ ersetzen durch „Wenn ich etwas nicht verstehe, dann werde ich nachfragen“.

„Freundschaft mit uns selbst“ schließen, bedeutet auch, dass wir Mitgefühl mit uns selbst haben sollten, mit unseren Fehlern und Schwächen. Dass wir, wenn wir einen Fehler gemacht haben, uns nicht mit ewigen Selbstvorwürfen fertig machen, sondern wie eine gute Freundin zu uns selbst sagen: „Nimm‘s nicht so schwer. Da hast du einen Fehler gemacht. Das kann jedem passieren. Beim nächsten Mal klappt es besser.“

Vielen Menschen fällt es schwer, sich auf die eigenen Erfolge zu besinnen. Oft sehen wir nur, was alles schief gelaufen ist, wo wir versagt haben etc. Da hilft es, eine Liste mit all den persönlichen Erfolgen aufzuschreiben. Darauf kommt in Stichworten alles, was man in seinem Leben schon erreicht hat. Etwa „ehrenamtlich die Fußball-Mannschaft trainiert“, „Meine kranke Mutter gepflegt“, „Kinder großgezogen“ etc. Auch gut: Eine Lobrede auf sich selbst verfassen oder sich jeden Abend kurz vor Augen zu führen, was man an diesem Tag alles gewuppt hat.

Aber was tun, wenn man selbst stolz auf eine Leistung ist, aber vom Umfeld (z.B. dem Chef oder dem Partner) überhaupt keine Reaktion dazu bekommt. Eva Wlodarek rät dazu, nicht passiv abzuwarten, sondern gezielt um ein Feedback zu bitten. Verdiente Anerkennung steht jedem zu. Deshalb ruhig fragen: „Wie schmeckt dir das Essen?“, „Gefällt dir das Restaurant, das ich ausgesucht habe?“ Oder zum Chef/zur Chefin sagen: „Sie haben zu meinem Vortrag neulich gar nichts gesagt. Ich nehme an, Sie waren nicht zufrieden. Stimmt meine Vermutung?“ Oft fällt das Gegenüber aus allen Wolken.

Beitrag von Sina Krambeck