Service - Kampf gegen die Lebensmittel-Verschwendung

Unglaublich aber wahr: 313 Kilogramm genießbare Lebensmittel werden pro Sekunde in Deutschland weggeworfen. Kaum ist das Mindesthaltbarkeitsdatum des Joghurts überschritten oder der Apfel nicht mehr ganz so frisch, landen sie im Müll. Jeder kann etwas dagegen tun.

Anlässlich der Europäischen Woche der Abfallvermeidung finden überall in Deutschland und ganz Europa Aktionen und Diskussionen darüber statt, wie man Müll vermeiden kann. Einen ganz großen Teil des vermeidbaren Mülls machen Lebensmittel aus, die in der Tonne landen, obwohl sie noch genießbar wären.
Allein in Deutschland landen jedes Jahr rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne. Das entspricht einer LKW-Ladung pro Minute. Jedes Jahr wird also in Deutschland eine Fläche von der Größe des Saarlandes und Mecklenburg-Vorpommerns genutzt, um Nahrungsmittel anzubauen, die direkt nach der Ernte weggeschmissen werden. Weltweit liegt der Anteil an verschwendeten Lebensmitteln bei einem Drittel der Gesamtproduktion.

Wie konnte es soweit kommen? Dass Lebensmittel erst gar nicht im Handel landen, liegt zum Teil an den europaweit gültigen Vermarktungsnormen, die vorschreiben, dass z.B. eine Gurke ganz gerade sein muss. Das hat logistische Gründe, weil sich gerade Gurken besser stapeln lassen. Das bedeutet aber: Krumme Gurken werden aussortiert und landen normalerweise gar nicht erst im Verkauf. Überall entlang der Wertschöpfungskette, von der Ernte über den Transport, den Handel und den Endverbraucher werden Nahrungsmittel weggeschmissen, die noch genießbar wären.   

In Frankreich gibt es seit zwei Jahren ein Gesetz, das den Händlern verbietet, genießbare Nahrungsmittel wegzuschmeißen. Dort werden die Lebensmittel, die nicht verkauft werden, an gemeinnützige Organisationen gespendet. Ein ähnliches Gesetz in Deutschland ist bislang nicht in Sicht. Bislang gibt es nur die „Zu gut für die Tonne“-Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die auf die Eigeninitiative der Verbraucher setzt und einfache Tipps, Rezepte für "beste Reste" und Mitmachaktionen vorstellt, womit sich alltägliche Lebensmittelabfälle reduzieren lassen. Allerdings hat sich auch Deutschland dem Ziel der Vereinten Nationen verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelabfälle zu halbieren. Dafür wird derzeit eine bundesweite Strategie erarbeitet.

Unabhängig davon retten immer mehr Menschen Essen vor der Tonne, zum Beispiel mithilfe von  Foodsharing-Plattformen und Apps wie „Too good to go“. Oder sie kochen mit abgelaufenen Lebensmitteln und teilen übriggebliebene Nahrungsmittel mit Menschen aus ihrer Nachbarschaft in so genannten „Fair-Teiler“-Boxen.

„Mindestens haltbar bis“ heißt nicht „sofort tödlich ab“
Ein Problem bei der Lebensmittelverschwendung: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Über dessen Sinn und Zweck wird in Deutschland immer wieder diskutiert. „Mindestens haltbar bis“ heißt ja nicht „sofort tödlich ab“. Und trotzdem schmeißen viele Menschen Produkte mit abgelaufenem MHD reflexartig weg, obwohl diese noch gefahrlos genießbar wären. Einige wie zum Beispiel Nudeln, Reis, Mehl oder Zucker sogar ein Jahr und länger über das MHD hinaus. Das Mindesthaltbarkeitsdatum besagt nur, wie lange der Hersteller die Qualität und bestimmte Eigenschaften des Produktes garantiert. Um auf Nummer sicher zu gehen, setzen viele Hersteller das MHD sehr früh an bzw. bauen einen großzügigen Puffer ein. Um sicherzugehen, ob eine Produkt noch genießbar ist, sollte man an dem Produkt riechen, es ansehen, evtl. mit der Zungenspitze probieren, ob es noch gut ist.

Weitere Tipps zum achtsamen Umgang mit Lebensmitteln
-    Mit einem Plan und Einkaufszettel einkaufen gehen. Sich vorher überlegen, was man in den nächsten Tagen essen möchte und dann gezielt nur dafür einkaufen.
-    Lebensmittel richtig lagern. Bestimmte Obstsorten wie z.B. Äpfel, Aprikosen und Pflaumen  sondern das Reifegas Ethylen ab. Es sorgt dafür, dass anderes Obst und auch Gemüse im Umkreis schneller altert und verdirbt.
-    Eine „Eat me First“-Kiste im Kühlschrank gut sichtbar platzieren. Da hinein wandern alle Lebensmittel, die demnächst gegessen werden sollten, weil sie sonst schlecht werden.
-    Die beste Methode, um Gemüse und Obst länger haltbar zu machen, ist einfrieren, fermentieren oder einwecken.

Beitrag von Sina Krambeck