Junge Forscher sind von einem Experiment fasziniert (Quelle: Colourbox)
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Service - Als ehrenamtlicher Forscher aktiv werden

Sie beobachten den Sternenhimmel, entziffern Briefe, die in Sütterlin-Schrift verfasst sind oder belauschen Fledermäuse: Tausende so genannte „Bürgerwissenschaftler“ helfen ehrenamtlich mit, neue Forschungserkenntnisse zu gewinnen. Dabei können sie ihre eigene Neugier stillen und Wissenschaft hautnah miterleben. Die Nachfrage ist groß und das Angebot steigt.

Auf der Internetseite buergerschaffenwissen.de gibt es inzwischen über 80 verschiedene Mitmach-Projekte aus ganz Deutschland. Sie beschäftigen sich mit Themen aus der Biologie, aber auch mit  sozialwissenschaftlichen, technischen oder historischen Sachgebieten.
Viele Projekte (z.B. Insekten oder Vögel zählen) sind einfach mengenmäßig zu groß, als dass eine Handvoll von Wissenschaftler das alleine stemmen könnte. Das heißt hierbei sind die Wissenschaftler auf die Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die Ihnen Daten zuliefern. Ein weiteres Ziel der sogenannten „citizen science“: Das Verständnis für die Wissenschaft in der Gesellschaft fördern. Durch neue digitale Technologien (z.B. Apps) ist das Mitmachen und die Beteiligung der Bürger viel leichter geworden.
Ein großes „citizen science“-Projekt ist zum Beispiel der Atlas deutscher Brutvogelarten. In dem Werk stecken über 400 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Mehr als 400 000 Hobby-Ornithologen machten mit und beobachteten und dokumentierten die heimische Vogelwelt. Ein Ergebnis: Vielen Feldvögeln geht es schlecht, wie etwa dem Rebhuhn. Der Atlas zeigt, wie die Bestände geschrumpft sind.

Ein weiteres großes Bürgerwissenschafts-Projekt kümmert sich um Mücken. Schon seit dem Jahr 2012 sind Hobby-Biologen aus ganz Deutschland aufgerufen, Mücken zu fangen und an das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg zu schicken. Knapp 24.000 Einsendungen sind seither eingegangen. Eine unentbehrliche Datenquelle für die Forscher. Die kleinen Blutsauger werden hier  katalogisiert und in den deutschen Mückenatlas eingetragen. Er gibt Auskunft über die Verbreitung der verschiedenen Mückenarten und zeigt, welche nicht-einheimischen Arten schon bei uns eingeflogen sind. Wie zum Beispiel die Asiatische Buschmücke.

Bei den meisten Projekten kann jeder mitmachen. Bei manchen gibt es bestimmte Bewerbungsfristen zu beachten. Noch bis zum 1. September 2019 kann man sich für das Projekt „Wildtierforscher Berlin“ bewerben. Jeder Berliner mit Garten oder Kleingarten kann sich dafür bewerben. 200 Teilnehmer werden pro Runde ausgesucht.

Jeder Teilnehmer des Projekts bekommt leihweise für vier Wochen eine Kamera, die er in seinem Garten anbringen kann. Sie ist mit einem Bewegungssensor ausgestattet, und macht automatisch Fotos von Tieren, die dem Garten einen Besuch abstatten.

Die Aufnahmen lädt man dann hoch auf die Internetplattform des Projekts und  wertet sie mithilfe von wissenschaftlichen Methoden  aus. Wie das geht, erfahren die Teilnehmer in workshops. Dadurch lernen sie, wie Forscher arbeiten und außerdem noch jede Menge über die verschiedenen Wildtiere in unserer Stadt.

Die Bewerbungsfrist für die nächste Runde hat gerade begonnen. Bewerben kann man sich online auf der Seite wildtierforscher-berlin.de. Und wer weiß, wer sich bei Ihnen im Garten so alles herumschleicht...

Fotos im Beitrag: Leibniz-IZW

Studiogast: Dr. Katrin Vohland, Museum für Naturkunde Berlin

Beitrag von Sina Krambeck