Biene in Nahaufnahme. Quelle: Colourbox
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Service - So helfen Sie Insekten beim Überwintern

Insekten sind für unser Ökosystem unverzichtbar, doch in den letzten 15 Jahren sind die Bestände der heimischen Insekten um über 80 Prozent zurückgegangen – für das Ökosystem eine Katastrophe!. In unserem Service zeigen wir, wie die verschiedenen Insekten überwintern und was jeder Einzelne von uns dazu beitragen kann, dass es wieder mehr Insekten gibt.

Studiogast: Derk Ehlert, Wildtierbeauftragter 

Den Schmetterlingen geht es nicht gut. In Bayern zum Beispiel haben Experten von der Zoologischen Staatssammlung München herausgefunden,  dass die Bestände häufiger Falterarten seit 1970 um bis zu 99 Prozent zurückgegangen sind.  Das ist in Berlin und Brandenburg nicht viel anders.

Der Entomologische Verein Krefeld misst seit 1989 regelmäßig den Gesamtbestand der Fluginsekten in Nordrhein-Westfalen. Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Mit dem dramatischen Ergebnis, das sie dort um 75 Prozent zurückgegangen sind. Selbst in Naturschutzgebieten.  Es trifft auch andere Insektenarten. Fast die Hälfte der auf der Roten Liste Deutschlands erfassten Insektenbestandes geht zurück. Und das hat Folgen.

Viele Obst- und Gemüsesorten brauchen eine natürliche Bestäubung. Das von Hand zu machen, würde die Verbraucherpreise deutlich heben. Insekten sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele einheimische Wildtiere. Und: Insekten reinigen unsere Umwelt. Sie zersetzen Tierkadaver und totes Holz. Sie fressen Schädlinge. Sie brauchen unseren Schutz. Übrigens auch im Winter.          

Früher sah die Welt und auch unsere Lebensweise  noch etwas anders aus. Wir brauchen nur 6 Jahrzehnte zurück zu schauen. 1960 wurde weniger Chemie in der Landwirtschaft eingesetzt, die Natur war insgesamt unversehrter, die Städte noch nicht so aufgeräumt und hell beleuchtet, auf dem Lande gab es mehr wilde Flecken. Die Insekten fanden genügend Lebensraum.  Da fiel es nicht auf, wenn eine große Zahl dieser Winzlinge einen Winter nicht überlebte.  Im Sommer glich sich das wieder aus. Jetzt aber kommen zu den verschärften Umweltproblemen noch die Gefahren durch den Winter hinzu.

Hierzulande gibt es an die 70 Arten von Marienkäfern. Sie versammeln sich zum Überwintern an wärmeren Orten, wie Laubhaufen, geschützte Hauswände. Marienkäfer, die bis ins Haus vordringen, stammen aus anderen Gegenden der Welt. Sie wurden meist aus Asien nach Europa eingeschleppt und bedrohen nun sogar die einheimischen Marienkäfer.

Eine warme Wohnung ist nicht geeignet für eine Überwinterung, denn die Kleintiere könnten dort austrocknen. Geeignet wären nur Räumlichkeiten, die sehr kühl sind aber nicht bis in den Frostbereich. Beliebt sind daher Kellerräume. Früher hatten die Altbauten richtig kühle, feuchte Keller, ein idealer Überwinterungsort für viele Insektenarten.

Schmetterlinge überwintern auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Einige Arten tun dies als Ei, die meisten als Raupe. Nur wenige als Puppe. Ganz wenige, wie der Zitronenfalter oder das Tagpfauenauge verbringen die kalte Jahreszeit in ihrem natürlichen Zustand als Falter. Zum Teil in Büschen oder auf Bäumen.  Das sind dann auch die ersten Exemplare, die im Frühjahr munter umherflattern.

Spinnen sind keine Insekten, sondern gehören zu der Art der Gliederfüßler. Und die verkriechen sich in alle möglichen Ecken und vertragen auch gut Zimmertemperaturen.

Welche Witterung ist für Insekten gut im Winter?
Optimal ist immer Schneefall zum Herbstende.  Eine leichte Schneedecke, die schützend und isolierend die Erde bedeckt und so verhindert, dass der Frost dorthin dringen kann. Wenn sich diese Schutzschicht bis in den Frühjahr hält, haben die meisten Insekten eine sehr gute Chance, den Winter zu überstehen. Trockene Winter mit klirrender Kälte  können dagegen ganze Insektenvölker vernichten. Gefährlich wird es für die Winzlinge auch, wenn die Temperatur ständig schwankt, also  wärmere Tage mit frostigen wechseln.  Dadurch werden Insekten aktiv, finden aber kaum Nahrung und müssen dann immer wieder in die Winterpause wechseln. Diesen Stress überstehen viele nicht.

Doch wie können wir Menschen den Insekten im Winter helfen? Sie brauchen  eine natürliche Umwelt. Und da ist unsere Hilfe wichtig, denn viel zu oft gestalten wir die Umwelt nach unserem Geschmack und vergessen die Bedürfnisse der anderen. Statt aufgeräumte Gärten lieber ein wenig Wildnis. Ein bisschen totes Holz an den Büschen platzieren, die Wiesen zum Herbst hin nicht radikal abmähen und sie auch im Frühjahr an einigen Stellen wachsen lassen, damit die Insekten nach dem Winter erste Nahrung finden können. Das Laubfegen nicht zu ernst nehmen. An einigen Stellen können kleinere Häufchen davon liegen bleiben, denn sie bieten Unterschlupf und bedecken den Boden und schützen so auch vor dem Frost.  Auch kleine Steinhaufen können gute Winterquartiere sein.

Der Marienkäfer verbringt seinen Winterschlaf gern im Laub oder in Haufen, die aus Gartenabfällen bestehen, aus geschredderten Zweigen, Blättern, Moos, Reisig  und ähnliches. Aber sie verkriechen sich auch in Hohlräumen, Häuserritzen und in Dachöffnungen. Also wäre es gut, so manche Unebenheit am Haus zu tolerieren. Sollten Marienkäfer zwischen den Fenstern einen Platz gefunden haben, dann die Tiere in Ruhe lassen. Sie schlafen dort nur, sind nicht tot und entfernen sich im Frühjahr von ganz alleine.

Viele Libellen überwintern als Ei oder Larve. Faulige Pflanzen am Ufer eines Teiches sind  dafür ideal. Denn diese bieten ihnen dann im Frühjahr auch gute Nahrung. Andere Libellenarten nutzen auch den Teichboden, gehen also als Larve ins Wasser. Schon beim Anlegen eines Teiches kann man an die kleinen Nützlinge denken, in dem man das Ufer bepflanzt.

Manche schimpfen über die Ameisen, weil sie Haus und Hof bevölkern und dennoch sind sie überaus nützlich. Die Ameisenvölker verbringen die kalte Zeit meist einige Meter tief in der Erde in einer Winterstarre, in der sie auch nichts fressen. Der ganze unterirdische Bau ist gut verschlossen. Sie können dort auch den härtesten Frost überstehen. Auf fremde Hilfe sind sie nicht angewiesen.

Auch ein Insektenhotel kann eine gute Winterherberge sein. In der Regel für Wildbienen, aber auch für viele andere Insekten.

Die wichtigsten Tipps kurz zusammen gefasst (Quelle: NABU):

-              Insektenhotel aufstellen
-              Offene Bodenstellen zulassen
-              Altholz, Pflanzenstängel und oberirdische Hohlräume nicht beseitigen
-              Stauden und Gehölze erst im Mai zurückschneiden
-              Wiesen erst im Juni mähen
-              Frühblüher stecken


Beitrag von Boris Roemer