"Mülltonnen in schwarz, braun, blau und gelb sind mit den dazu gehörigen Müll gefüllt"; © imago/ Thomas Eisenhuth
imago/ Thomas Eisenhuth
Bild: imago/ Thomas Eisenhuth

Service - Für die Tonne: Der Müll und sein Mythos

Müll – über 600 Kilo produziert jeder Deutsche etwa pro Jahr. In Sachen Verpackungsmüll sind wir sogar EU-weit trauriger Spitzenreiter. Immerhin sind wir aber Weltmeister im Mülltrennen oder etwa nicht? Das ist nur einer von vielen Mythen und Irrtümern, die sich um den Müll ranken. Zusammen mit Franziska Voß von der BSR Berlin klären wir auf.

Viele Irrtümer gibt es beim Mülltrennen: Wo kommt zum Beispiel der Joghurtbecher hin und muss man ihn tatsächlich spülen, bevor man ihn wegwirft? Wo landen Servietten, Pizzakarton und gesprungene Trinkgläser? Wir bringen Klarheit in die Tonne, denn nur wenn Müll richtig getrennt wird, ist er für die Experten wertvoller Rohstoff, schont die Umwelt und sogar unseren Geldbeutel.

Expertin im Studio ist Franziska Voß von der BSR.

Sind die Deutschen tatsächlich so gut im Mülltrennen?

Wir haben frühzeitig begonnen, Müll zu trennen. Abfalltrennung ist grundsätzlich etabliert aber es gibt Verbesserungspotential: Bei Restmülluntersuchungen finden sich noch viele Wertstoffe in der Restmülltonne.

Manche Menschen behaupten, man brauche nicht zu trennen, weil sowieso alles zusammengeworfen werde oder verbrannt werde? Was ist da dran?

Wenn Müll einmal getrennt ist, bleibt er auch getrennt und kann wiederverwertet werden. Das Entscheidende ist: Was passiert mit dem Müll, wenn ich ihn getrennt habe. Bei Papier und Glas ist die Wiederverwertung gut.

Nach Angaben der BSR werde allein in Berlin durch die getrennte Sammlung und Wiederaufbereitung von Pappe und Papier jedes Jahr mehr Holz eingespart, als der Grunewald hergäbe. Bei Kunststoff sieht es schwieriger aus, weil es so viele verschiedene Kunststoffe gibt.

Warum können wir durchs Mülltrennen Geld sparen?

Wenn wir alles unsortiert in den Restmüll schmeißen, zahlen wir das über die Nebenkostenabrechnung – und wir zahlen im Prinzip doppelt, wenn wir auch Verpackungsmüll dort reinschmeißen. Denn die Verpackung haben wir über die Lizenzgebühr schon beim Einkauf bezahlt. Und der Hersteller zahlt sowohl Lizenzgebühr als auch Entsorgung.

Problemkandidaten

Einige Verbraucher haben Schwierigkeiten, Verpackungen richtig zu entsorgen, die aus mehreren Komponenten bestehen, hier einige Beispiele:

Chipsdose: in die Wertstofftonne

Verpackungen mit einem Mix aus Plastik und Papier, z. B. Nudelpackung: Wertstofftonne

Verpackungen von Tiefkühllebensmitteln:

a.    Wenn es sich um eine Verbundverpackung aus verschiedenen Materialien (Pappe und Kunststoff) handelt: Wertstofftonne
b.    Wenn es eine mit Wachs beschichtete Pappeist: Papiertonne
c.    Ist die Verpackung verunreinigt: Restmülltonne.

Joghurtbecher: Der Becher an sich besteht meist aus Plastik, hat manchmal sogar zwei Deckel: einen äußeren aus Plastik und einen inneren Deckel aus Aluminium. Das können die Sortieranlagen in der Regel nicht trennen. Deshalb müssen beide Deckel ab. Und: Die Anlagen sortieren auch extrem verschmutzten Abfall aus, deshalb sollte der Becher löffelrein sein. Aber: Spülen ist überflüssig und Wasserverschwendung.

Was gehört in die gelbe Tonne?

Das gehört in gelbe Tonne: Verpackungen und andere Gegenstände aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoffen. Das sind zum Beispiel Kunststoffflaschen, Gebrauchsgegenstände (Spielzeug!), Folien, Dosen oder Getränkekartons.

Nicht hinein gehören Elektrogeräte, Papier, Glas, Holz und ähnliches.

Einige Menschen glauben, in die gelbe Tonne oder in den gelben Sack darf nur, was den grünen Punkt hat, stimmt das?

Das ist ein Irrglaube. Nicht alle Verpackungen sind beim Dualen System Deutschland mit dem berühmten Grünen Punkt lizensiert. Es gibt noch acht andere Duale Systeme. In Berlin gibt es eine einheitliche Wertstoffsammlung: In die Gelbe oder orangefarbene Tonne in Berlin dürfen auch andere Dinge aus Kunststoff und Metall, die keine Verpackungen sind, wie zum Beispiel Küchensiebe oder Töpfe.

Welchen Unterschied gibt es zu Brandenburg und anderen Bundesländern?

Brandenburger haben meist den gelben Sack, da kommt tatsächlich nur Verpackung rein, keine Gebrauchsgegenstände. Das kann aber von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein, im Zweifel nachfragen.

Was gehört in den Glascontainer?

- Flaschen, z. B. für Saft, Wein, Essig
- Gläser, z. B. für Marmelade- oder Babynahrung
- Konservengläser
- Verpackungen aus Glas

Am besten ohne Deckel, der kommt in die gelbe Tonne, das Glas ungespült und nach Farben sortiert.

Was kommt nicht hinein?

Trinkgläser gehören nicht hinein (die kommen in den Hausmüll), auch keine Spiegel, Fenstergläser, Kristallgläser. Denn diese Gläser haben einen anderen Schmelzpunkt, als Verpackungsglas von Flaschen. Auch nicht hinein gehören Glühlampen oder Energiesparlampen.

Muss man Altglas tatsächlich nach Farben sortieren?

Damit aus altem Glas hochwertiges Neuglas hergestellt werden kann, muss es möglichst sortenrein getrennt werden. Heißt: Weiß-, Grün- und Braunglas darf nicht in dieselbe Tonne; Blauglas zu Grünglas.

Was gehört in die Altpapier-Tonne?

- Zeitungen, Zeitschriften, Kartons, Pappe
- Verpackungen aus Papier
- Prospekte, Kataloge
- Bücher, Hefte, Schreibpapier.

Was kommt nicht rein?

- Tapetenreste
- verschmutztes Papier
- beschichtetes Papier (Wachs-, grafisches oder Fotopapier)
- Durchschreibpapier
- Servietten, Küchentücher, Taschentücher

Servietten und Küchentücher kommen nicht ins Altpapier, und das aus zwei Gründen: Oft sind sie verschmutzt, außerdem sind sie so kleinfaserig, dass sie sich nicht recyceln lassen.

Und Kassenzettel?

Nicht ins Altpapier, weil es beschichtetes Thermopapier ist, sie kommen in die Restmülltonne.

Wohin kommen Briefumschläge, Nudelverpackungen oder Brötchentüten mit Plastikfenster?

Ins Altpapier, wenn der Plastikanteil nicht größer als der Papieranteil ist. Im besten Fall trenne ich Plastik vorher raus.

Backpapier?

Ist meistens auch beschichtet, also auch in den Restmüll.

Pizzakartons?

Da verschmutzt, in den Restmüll.

Was kommt in den Bioabfall?

In die Biotonne gehören alle organischen Abfälle. Das hilft, Umwelt, Klima und Geldbeutel zu schonen. Denn aus dem Biogut macht die BSR in Berlin Biogas und Kompost. Das gewonnene Biogas ersetzt 2,5 Millionen Liter Diesel pro Jahr. Damit betankt die BSR 150 Abfallsammelfahrzeuge – das ist die Hälfte der Sammelflotte. Insgesamt spart die BSR durch die Aufbereitung des Bioabfalls jährlich mehr als 9.000 Tonnen CO2, die Gärreste helfen chemische Düngemittel zu ersetzen.

Das kommt rein: Essensreste, auch Gekochtes (in Zeitung eingewickelt), alte Lebensmittel, natürlich ohne Verpackung, Schalen von Gemüse, Zitrusfrüchten und Obst, Kaffeesatz, Eierschalen, Küchenpapier, Grünschnitt, Blumen, Teebeutel.

Was gehört nicht in die Biotonne?

Kunststoffe, Hygieneartikel, Katzenstreu, Alu, Erde, Asche, behandeltes Holz, Leder.

Was kommt in die Restmülltonne?

Hygieneartikel, Porzellan, Asche, Staubsaugerbeutel, Tapetenreste, verschmutzte Papiere, Folien, Fotos, Windeln, Zigarettenstummel, Katzenstreu

Was gehört nicht hinein?

Kunststoffe, Bauschutt, Elektroschrott, Batterien, Papiere, Speisereste, Flaschen.

Was können wir tun, um es den BSR- oder Alba-Mitarbeitern leichter zu machen?

Der beste Abfall ist der, der nicht entsteht. Ansonsten im Winter bitte die Wege zu den Mülltonnen schnee- und eisfrei halten und die Einfahrten vor den Häusern nicht zuparken, damit die Kolleginnen und Kollegen mit den Mülltonnen zum Müllauto kommen. Bitte keinen Müll auf oder neben die Tonnen stellen. Ist eine Wertstofftonne voll, darf der Wertstoff auch mal in die Restmülltonne.

Beitrag von Susanne Stein