Eine E-Gitarre lehnt an einem Klavier. (Bild: Colourbox)

Service - Musikinstrumente im Alter lernen

Immer Menschen jenseits der 60 möchten noch mal ein Musikinstrument lernen. Doch klappt das überhaupt? Bis wann kann man ein neues Instrument lernen oder wieder-erlernen, wenn man es als Kind mal gespielt hat? Welche Instrumente eignen sich dafür und welche eher nicht? Wo gibt es Unterrichtsstunden speziell für ältere Menschen? Und was taugen YouTube-Tutorials?

Gitarre, Klarinette, Trompete, Klavier: Viele Menschen könnten sich vorstellen, auch in der Mitte des Lebens nochmal ein Instrument zu lernen. Oft scheitert es an gängigen Ausreden: keine Zeit, im fortgeschrittenen Alter fällt das Lernen schwerer, zu wenig Talent, sagen sich viele.
Es gibt keine unmusikalischen Menschen, sagen Experten. Musizieren steigert das Wohlbefinden, die kognitiven Leistungen und kann sogar sogar Demenz vorbeugen. Gründe genug, auch mit 50, 60 oder 70 Jahren noch ein Instrument zu lernen. Das geschieht in der Regel mit weniger Leistungsdruck als bei Jüngeren. Bei Musizierenden in diesen Altersgruppen zählt vor allem der Spaß, weniger der Anspruch auf Perfektion. Obwohl sich Technik, Schulung des Gehörs, Motorik und Körperhaltung durch regelmäßiges Üben auch im mittleren Alter stetig verfeinern und verbessern.

Aber wie am besten loslegen? Wer Geld in den Kauf seines Lieblingsinstrumentes investiert, ist wahrscheinlich auch motiviert, es zu lernen. Für den Anfang, zum Ausprobieren kann es reichen, erst mal ein Instrument zu leihen oder ein preiswertes, gebrauchtes zu kaufen. Für erste Spiel-Versuche und zur Klärung der Frage, welches Instrument geeignet ist, können die zahlreichen Video-Anleitungen im Internet hilfreich sein. Dort wird alles genau erklärt, allerdings gibt es kein Feedback für die Schüler. Wer lernen und sich entwickeln möchte, kommt mit individuellem Unterricht weiter. Lehrer helfen auch im Vorfeld bei der Klärung, welches Instrument das geeignete ist. Zu finden sind qualifizierte Lehrer über Tipps von Bekannten, Kleinanzeigen oder schwarze Bretter. Eine sichere Anlaufstelle sind  die Berliner und Brandenburger Musikschulen, die Menschen in allen Altersgruppen unterrichten. Entscheidend ist eine stimmige Chemie zwischen Schüler und Lehrer. Der Lehrer sollte freundlich und motivierend wirken, auf die Persönlichkeit der Schüler eingehen, auch mögliche altersbedingte Schwächen wie eingeschränkte Sehkraft oder motorische Probleme berücksichtigen. Nur dann macht der Unterricht Spaß und ermöglicht Entwicklung.

Wer im mittleren Alter ein Instrument lernt, bleibt in der Regel deutlich länger dabei  als Kinder und Jugendliche. Viele Späteinsteiger verwirklichen sich mit dem Musizieren ein lang gehegten Traum. Das Spielen bekommt ein hohen Stellenwert in ihrem Alltag. Unterschiede zu jüngeren Musikschülern gibt es nur bedingt: Die Motorik kann durch Krankheiten eingeschränkt sein, was aber kein Hindernis sein sollte. Für einige Späteinsteiger ist das Notenlesen eine kleine Hürde, die keineswegs zum Problem werden muss. Das Gedächtnis kann teilweise wieder an altes, längst vergessenes Schulwissen anknüpfen – alternativ lässt sich das  Spielen nach Gehör schulen, bei allen, die mit den Noten dauerhaft hadern.  Zum Üben gibt es Playbacks, bei denen andere Instrumente und die Stimme des eigenen Instrumentes zum Mitspielen nach Gehör aufgenommen sind.

Beim Musizieren in der Mitte des Lebens spielen für viele Menschen Entspannung und Ausgleich zum Berufs-Alltag eine bedeutende Rolle: Abschalten und Auftanken mit der Kraft der Musik. Besonders gut gelingt das in der Gruppe. Joachim Litty von der Landesmusikakademie Berlin empfiehlt, möglichst schnell mit einem Ensemble, einer Band oder einem Orchester zu spielen. Kontakte lassen sich beispielsweise bei den Workshops von der Landesmusikakademie knüpfen. Auch in  generationenübergreifenden Ensembles oder Orchestern heißt die Devise:  Musizieren ohne Leistungsdruck. Denn Druck kann Stress auslösen und genau der soll beim Spielen verfliegen.

Beitrag von Dagmar Kniffki