Zwei Frauen in einer Auseinandersetzung (Quelle: Colourbox)
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Service - Mythen der Körpersprache

Studien haben gezeigt: Je aufmerksamer wir für nonverbale Signale sind, desto leichter erreichen wir unsere Gesprächspartner. Zwar haben viele das Gefühl, sie würden ihr Gegenüber intuitiv „lesen“ können, aber dieses Halbwissen kann einen schnell täuschen! Wir lassen uns die Mythen der Körpersprache von einem Experten entschlüsseln.

Im Gespräch: Dirk W. Eilert, Experte für Körpersprache und Mimik

Wenn Dirk Eilert Menschen beobachtet, dann sieht er mehr. Als Experte für Körpersprache und Mimik kann er sein Gegenüber besser lesen als jeder andere. Sein Wissen über Körpersprache und Mimik gibt Dirk Eilert seit 2001 in einer von ihm gegründeten Akademie, in Berlin Spandau weiter.
Dirk W. Eilert: Das Kerngebiet unserer Akademie besteht darin, dass wir wissenschaftliche Forschung übertragen, ganz praktisch, ins Leben. Mit dem Thema emotionale Gesundheit, emotionale Kompetenz.“ Neben Coaching und Seminaren, die Eilert in seiner Akademie anbietet, schreibt er auch immer wieder Bücher zum Thema Körpersprache und Mimik. Gerade hat er sein Wissen in einer umfangreichen Faktensammlung zusammengefasst.

Dirk W. Eilert: Ich schreibe an einer Profibox, an einem Nachschlagewerk, was sämtliche körpersprachlichen Signale erfasst und das auf eine wissenschaftlich fundierte Weise. So dass, wenn uns irgendein Signal im Leben begegnet, wir einfach in diese Box reinschauen können, eine Karte rausziehen können, das Signal darauf finden und genau beschrieben finden, was sagt dieses Signal jetzt über den Menschen aus.“ Bei der Arbeit an diesem Werk wurde Dirk Eilert klar, dass es viel Halbwissen, ja sogar Mythen zum Thema Körpersprache gibt.

Einige dieser Mythen kann der Experte ziemlich einfach entkräften.

1. Mythos: Arme verschränken bedeutet Ablehnung
Dirk W. Eilert: „Das ist Quatsch, denn erstens verschränken wir die Arme, wenn es einfach nur bequem ist. Also wenn ich z. B. auf einem Stuhl sitzen würde, der keine Armlehnen hat, dann neigen ganz viele Menschen dazu die Arme einfach in solch ein bequeme Position zu nehmen. Zweitens ist es so, dass Arme verschränken grundsätzlich nicht Ablehnung bedeutet, sondern Abschottung. Jetzt denkt der eine oder andere vielleicht: Abschottung und Ablehnung, ist das nicht das Gleiche? Aber eben nicht. Ja, wir verschränken die Arme um uns vom anderen abzuschotten, das wäre die Ablehnung. Hier gehen wir köpersprachlich zurück, mit dem Kopf, zeigen vielleicht im Gesicht auch leichte Signale von Ekel oder Skepsis. Aber wir verschränken eben auch die Arme, wenn wir dem anderen konzentriert zuhören. Studien haben sogar gezeigt, dass wir konzentrierter zuhören können, wenn wir dabei die Arme verschränken. Dabei geht der Körper ein Stück nach vorne. Menschen bleiben sogar länger an einer Aufgabe dran, wenn sie dabei die Arme verschränken, weil wir uns damit vor äußeren Einflüssen abschotten.“

2. Mythos: Nicken bedeutet immer Zustimmung
Dirk W. Eilert: „Wenn wir mal an eine Situation denken, wo wir Zuhörer waren und dagesessen haben, gelächelt haben, genickt haben und eigentlich sowas gedacht haben wie: Erzähl mir doch keinen Mist. An dem Beispiel merkt jeder, nicken bedeutet manchmal Zustimmung, Nicken ist manchmal aber auch nur soziales Schmiermittel, was dem anderen signalisiert, ich höre dir gerade zu, aber es hat nichts mit Zustimmung zu tun.“

3. Mythos: Die Füße sind der ehrlichste Körperteil
Dirk W. Eilert: „Auch das ist ein Mythos. Spätestens wenn wir uns vergegenwärtigen, wie die Füße neuronal gesteuert werden, wird uns das bewusst. Im Kontrast zur mimischen Muskulatur im Gesicht zum Beispiel, sprechen die Füße gar nicht so sehr auf Emotionen an. Unsere mimische Muskulatur ist direkt mit dem limbischen System, mit unserem Emotionszentrum im Kopf verdrahtet. Trotzdem verraten uns auch die Füße etwas über unser Gegenüber. Zum Beispiel, wohin die primäre Aufmerksamkeit geht. Wenn wir wissen wollen, wohin diese primäre Aufmerksamkeit eines Menschenvgerichtet ist, dann können wir auf die Richtung der Füße achten.“

Auch im Bereich Gefühle und dazugehörige Mimik gibt es häufig Fehldeutungen. So ist nicht jeder Mensch, der Lachfalten hat, auch automatisch ein fröhlicher Mensch.

4. Mythos: Augenfältchen sind immer Lachfalten
Dirk W. Eilert: „Auch das ist Humbug. Unser Leben unsere Emotionen brennen sich zwar in unser Gesicht ein, aber einmal bekomme ich an den Augen Falten, wenn ich lache, aber auch beim Ausdruck von Schmerz bilden sich an der gleichen Stelle Fältchen. Das heißt theoretisch könnte jemand der viele Fältchen an den Augen hat ein optimistischer fröhlicher Mensch sein, aber es könnte genauso gut ein chronischer Schmerzpatient sein.“

Es gilt also, genau hinschauen und nicht nur ein einziges Anzeichen zu deuten. Der Mensch verrät viel mit seiner Körpersprache und Mimik, aber nur im Gesamtpaket.

Beitrag von Britta Wulf