Testfeld bei Forst
rbb/Iris Wußmann
Agroforst Testfeld bei Forst | Bild: rbb/Iris Wußmann

Service - Mehr Gartenfreude mit dynamischem Agroforst

Garten macht eine Menge Freude, Arbeit, aber auch immer wieder Frust: Die Pflanzen wollen nicht gedeihen, Schädlinge breiten sich aus und Wetterextreme tun ihr Übriges. Der sogenannte Dynamische Agroforst kann da eine Lösung sein. Im Service klären wir, was es damit auf sich hat.

Was es mit dem dynamischen Agroforst auf sich hat und wie diese alte ursprünglich aus Lateinamerika stammende Methode auch bei uns funktioniert, erklärt die Berliner Bloggerin und Hobbygärtnerin Xenia Rabe-Lehmann. Seit 2018 gärtnert Xenia Rabe-Lehmann nach der Methode des Dynamischen Agroforst (kurz DAF). Der DAF beruht im Wesentlichen auf drei Grundprinzipien:

Große Pflanzenvielfalt:
Bei Xenia Rabe-Lehmann gedeihen auf einer Fläche von 12 Quadratmetern an die 40 verschiedene Pflanzen. Sie hat sich ein Gemüsebeet angelegt, das Prinzip funktioniert aber auch für Blumen.

In schönster Nachbarschaft wachsen bei ihr z.B. Erdbeeren, Süßkartoffeln, Kohlrabi, Borretsch, Salbei und Stachelbeere. Auch Ringelblume, Margerite und Tagetes stehen mitten im Gemüsebeet. Im Dynamischen Agroforst wächst möglichst viel wortwörtlich querbeet. Diese bunte Mischung aus verschiedensten Pflanzen, sorgt dafür, dass sich die Gewächse gegenseitig unterstützen: sie kräftigen sich, sie spenden sich oberirdisch Schatten, sie halten den Boden feucht, sie schützen sich vor Wind und auch unterirdisch an den Wurzeln helfen sie sich gegenseitig. So steigern sie letztlich den Ertrag.

Der Name Agroforst sagt es schon: Auch Bäume und Gehölze gehören eigentlich zum Agroforst. Sie geben dem Ganzen Struktur und halten den Boden zusammen. Im Gemüsebeet von Xenia übernehmen diese Rolle Beerensträucher und ein Mirabellenbaum.

Einige Pflanzen können sogar andere vor Blattläusen oder anderen Schädlingen schützen. Die Kapuzinerkresse z.B. ist ein Leckerbissen für Blattläuse, sie lieben sie mehr als Salat und andere Pflanzen. Also pflanzt die Hobbygärtnerin Kapuzinerkresse in ihr Beet - in der Hoffnung, dass Salat und Co. so verschont bleiben.

Ein anderer Tipp ist die Tagetes. Tagetes kann sogenannte Bodennematoden vertreiben. Diese kleinen Würmchen können die Wurzeln von Pflanzen schädigen. Ein paar Tagetes ins Beet gepflanzt, kann also für bessere Bodengesundheit sorgen, und oberirdisch vertreibt die Pflanze Fliegen. Xenias besonderer Tipp: Zitronentagetes, diese Pflanzen duftet herrlich und ein Zweig im Wasser zusammen mit Limette ergibt eine schmackhafte Erfrischung.

Hohe Pflanzdichte:
Kommen wir zum zweiten wichtigen Prinzip des Dynamischen Agroforst: die hohe Pflanzdichte. In der Natur bleibt meist kein Flecken Erde unbedeckt, so soll es auch im Agroforst sein. Die Pflanzen werden dicht zueinander gepflanzt, um voneinander zu profitieren, also sie konkurrieren nicht, sondern die geben sich gegenseitig Kraft. Dabei sollte man immer schauen, was zusammenpasst, was sich gut ergänzt, was wie lange im Beet steht.

Für eine Stelle im Beet hat sich Xenia z.B. folgenden gut durchdachten Mix überlegt: großknolliger Kohlrabi (der nur eine begrenzte Zeit im Beet verbleibt), Ysop, Rote Gartenmelde und bodendeckenden Neuseeländer Spinat (der sehr lange im Beet bleibt).

Der Neuseeländer Spinat wird sich sehr stark in die Fläche ausbreiten, die Rote Gartenmelde hingegen wächst in die Höhe, wird bis zu 1,80 m hoch. So ergänzen sich die Pflanzen sehr gut. Hohe Pflanzdichte und Bodenbedeckung ist ein Schutz: der Boden wird so vor Austrocknung und Starkregen geschützt. Und dort wo noch nichts bedeckt ist, wird gemulcht: Alles, was an organischem Material anfällt, also z.B. Rasenschnitt, Hecksel oder Pflanzenschnitt, wird auf die Beete ausgebracht. Das hat den weiteren Vorteil, dass Bodenlebewesen es gleich wieder zu Humus verarbeiten können. Alle Schnittabfälle bleiben also im System. Und damit sind wir beim dritten und letztem Prinzip des Dynamischen Agroforst: der regelmäßige Pflanzenschnitt.

Regelmäßiger Pflanzenschnitt:
Das Wort dynamisch bedeutet, dass der Mensch im DAF überall dort eingreift und schneidet, wo z.B. mehr Licht und Luft an die Gesamtpflanzung kommen muss. Im Agroforst sind das oft die Bäume, im Gemüsebeet die Beerensträucher und Obstbäume. Aber auch die Tomaten werden ja zurückgeschnitten, ausgegeizt.

Dynamischer Agroforst für Terrasse und Balkon
Prinzipien des Dynamischen Agroforst funktionieren auch auf Terrasse oder Balkon: Tomaten z.B. werden zurückgeschnitten/ausgegeizt, die Zweige kommen direkt als Mulch ins Pflanzgefäß. Und als Begleitpflanze kann man Basilikum direkt in den Tomatentopf pflanzen: ein unschlagbares Duo für Blumen- und Kochtopf.

Beitrag von Susanne Stein