Service - Plastikfreie Alternativen

Kaum ein anderes Land in Europa produziert so viel Verpackungsmüll aus Plastik wie Deutschland. Nur knapp die Hälfte davon wird recycelt, der Rest wird verbrannt, landet auf Deponien oder in der Umwelt – mit katastrophalen Auswirkungen auf das Ökosystem. Immer mehr Menschen sind sich des Problems bewusst. Doch was kann der einzelne tun? Wir zeigen im Service plastikfreie Alternativen für Einkauf, Haushalt und Bad.

37 Kilo Plastikmüll produziert jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Tendenz: steigend. Aufs Jahr gerechnet sind es allein in Deutschland zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll. Dass es möglich ist, im Alltag komplett auf Plastik zu verzichten, zeigen die Bloggerin Shia Su und ihr Mann Hanno. Sie verzichten seit einigen Jahren konsequent auf Plastikartikel und kennen viele Alternativen. Auf ihrem Blog „wastelandrebel.com“ gibt Shia ihre Erfahrungen und Tipps für ein plastikfreies Leben weiter.

Plastik sparen beim Einkaufen
Viele Menschen würden gerne weniger Plastikmüll produzieren, aber das ist gar nicht so leicht, zumindest wenn man in herkömmlichen Supermärkten einkaufen geht: Mozzarella, Toilettenpapier, Reinigungsmittel – für viele Produkte findet man dort gar keine plastikfreie Alternative. Am einfachsten geht das Plastiksparen in einem „Unverpackt“-Laden. Dort bekommt man Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs lose und  unverpackt und kann sie sich selbst in mitgebrachte Behältnisse abfüllen. Neben Reis, Nudeln und Linsen findet man dort auch Reinigungsmittel und Öl zum Abfüllen. „Unverpackt“-Läden gibt es in immer mehr Städten. Eine Übersicht bietet das „Netzwerk Unverpackt“ (siehe Info-Links).

Eine weitere Alternative ist der Wochenmarkt. Auch dort erhält man vieles unverpackt bzw. kann sich Käse, Wurst etc. in mitgebrachte Dosen einpacken lassen. Auch in vielen Bio-Supermärkten und Reformhäusern gibt es inzwischen einen „unverpackt“-Bereich, in dem man z.B. Haferflocken, Nüsse, Nudeln, Reis etc. selbst abfüllen kann.

Doch auch im „normalen“ Supermarkt kann man Plastik einsparen. Zum Beispiel, in dem man darauf verzichtet, Gemüse und Obst in kleine Plastiktüten zu packen und sie stattdessen einfach lose aufs Band legt. Alternativ kann man von Zuhause kleine (Lein-)beutelchen mitbringen und das Obst dort reinlegen.

Statt Milch in Tetrapaks und Joghurt in Plastikbechern kann man zu Milch und Joghurt in Glas greifen, die findet man meist auch im herkömmlichen Supermarkt.

Wurst und Käse findet man im Kühlregal nur plastikverschweißt. Und auch an der Frischetheke wird in der Regel alles in Folie verpackt. Hier lohnt es sich, nachzufragen, ob man die Wurst in mitgebrachte Tupperdosen einpacken lassen darf. Oft lehnen die Verkäufer diesen Wunsch aber mit Hinweis auf Hygienevorschriften ab. Doch in einigen Filialen setzt bereits ein Umdenken ein und die Ware darf in mitgebrachte Dosen gelegt werden.

Plastik sparen im Haushalt

Eine große Quelle von Plastik sind nicht nur die Lebensmittel-Verpackungen, sondern auch Reinigungsmittel für den Haushalt. Glasreiniger, Spüli, WC-Reiniger - das alles kommt in großen Plastikflaschen daher. Doch auch dafür gibt es plastikfreie Alternativen. Shia Su stellt ihre Reinigungsmittel ganz einfach selbst her und schon so nicht nur die Umwelt, sondern auch ihren Geldbeutel. Rezepte für die verschiedenen Reiniger findet man im Internet zuhauf. Meist braucht man nur Essigessenz oder Zitronensäure, Soda, Kernseife, Natron und eventuell einige Tropfen ätherische Öle. Da in den selbstgemachten Mitteln die Konservierungsstoffe fehlen, immer nur kleine Mengen zubereiten.

Plastik sparen im Bad
Auch im Bad tummeln sich meist jede Menge Plastikflaschen – und sogar im Flascheninhalt, in den Duschgelen, Lippenstiften oder Make-Up befindet sich Plastik: Mikroplastik. Als Mikroplastik werden Plastik-Partikel bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Umweltschützer wie der BUND zählen dazu auch alle synthetischen Kunststoffe (Polymere) in flüssiger oder gelartiger Konsistenz. In Kosmetika dienen sie als Schleifmittel, Füllstoff und Bindemittel.

Bislang können Kläranlagen die Kunststoffe nicht vollständig herausfiltern. So gelangen sie praktisch ungehindert in unsere Seen, Flüsse und Meere. Dort ziehen sie Schadstoffe wie Pestizide und andere Umweltgifte an wie ein Magnet. Meereslebewesen nehmen die Partikel auf, entweder aktiv, weil sie sie mit Nahrung verwechseln. Oder passiv durch Infiltration. Das Plastik reichert sich in den Organismen entlang der Nahrungskette immer stärker an und gelangt schließlich auch auf unsere Teller. Die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus sind noch kaum erforscht. Vorstellbar wäre, dass Mikroplastik oder Nanoplastik Allergien und Entzündungen auslöst. Das haben Forscher bei Muscheln bereits nachgewiesen.

Das Problem: Ohne Chemiekenntnisse können Verbraucher kaum ablesen, ob ihr Kosmetikprodukt Mikroplastik enthält oder nicht. Umweltschützer kritisieren das schon lange und fordern ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Als erste europäische Länder haben nun Großbritannien und Schweden reagiert und zum 1. Juli 2018 ein Verbot für die Verwendung von Mikroplastik in bestimmten Produkten ausgesprochen. In Deutschland setzt man weiterhin auf die Freiwilligkeit der Hersteller. Nach anhaltenden Protesten haben viele große Unternehmen die Rezepturen von einigen ihrer Produkte bereits geändert. Beiersdorf zum Beispiel (zu dem u.a. die Nivea-Linie gehört) hat angekündigt, bis Ende 2020 auf feste Polymere in ihren abwaschbaren Produkten zu verzichten. Umweltschützern geht das aber nicht weit genug. Sie fordern auch den Verzicht auf flüssige und gelartige Polymere.

Dass es ganz ohne Kunststoff geht, zeigt zertifizierte Naturkosmetik. Produkte mit dem Siegel des BDIH dürfen keine synthetischen Erdölprodukte enthalten.

Dennoch sind die Behältnisse, in denen zertifizierte Naturkosmetik steckt, oft trotzdem aus Plastik. Wer das vermeiden will, kann zum Beispiel statt Duschgel und Shampoo feste Seife und festes Shampoo bzw. Haarseife nutzen.

Statt zu einer Zahnbürste aus Plastik und Zahnpasta kann man zu Bambuszahnbürsten und Zahnputz-Tabletten greifen.

Beitrag von Sina Krambeck