"Steckdose in einem Gänseblümchen, Symbolfoto Ökostrom"; © dpa/ Christian Ohde
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Service - Wie ökologisch sind Ökostrom-Tarife?

Der Streit um die Rodung des Hambacher Forstes führte zu einer gesteigerten Nachfrage nach Ökostrom. Einen Wald roden, um Braunkohle zu gewinnen, ist in Zeiten erneuerbarer Energien wohl nicht der richtige Weg, sagen sich viele Verbraucher und suchen sich Ökostromanbieter. Studiogast: Florian Munder, Verbraucherzentrale Berlin

Energie aus Wind oder Sonnenschein ist eine gute Sache. Es gibt wohl niemanden, der das bestreiten würde. Doch fallen hier nicht auch hohe Kosten an? Ist Ökostrom nicht viel zu teuer?
Viele glauben das immer noch, aber inzwischen leben wir in Zeiten, wo man mit Ökostrom nicht nur die Umwelt, sondern auch die eigene Haushaltskasse schont. Mehr als 11 Millionen deutsche Haushalte profitieren inzwischen davon. Besonders Verbraucher, die einen Grundversorger-Tarif besitzen, können mit Ökostrom Geld sparen. Bis zu 1,5 Cent pro Kilowattstunde, wie Untersuchungen 2017 zeigten.

Im Jahr kommen da schon ein paar hundert Euro zusammen, wenn man einen günstigen Ökostromtarif gewählt hat. Aber das heißt nicht, dass ich auch 100 Prozent Ökostrom aus der Steckdose bekomme. Der Strom sucht immer den Weg des geringsten Widerstandes und kommt daher vom nächstgelegenen Erzeuger in die eigene Wohnung. Alle deutschen Stromerproduzenten speisen die Energie in das gleiche Netz ein, egal ob sie aus Kohle, Wind, oder Atomkraft hergestellt worden ist. Ökostrom kann man also nur kaufmännisch beziehen.

Doch je mehr Leute auf Ökostrom umsteigen, desto mehr wird aus dem Strom-Mix- Grüner Strom. Die Nachfrage führt also dazu, das mehr sauberer Strom angeboten wird. Doch sollte man der Werbung nicht trauen. Viele große Strom-Konzerne passen ihr Image dem Zeitgeist an. Sie bieten zwar auch grünen Strom an, produzieren ihn aber nicht selbst. Verbraucher lassen sich da schnell täuschen und vertrauen den abgebildeten Windrädern auf den Prospekten. Das ist sogar erlaubt, da es für den Begriff Ökostrom keine genaue Definition gibt.

Um Kunden zu gewinnen oder zu halten, dürfen Strom-Konzerne Ökostrom von anderen Anbietern kaufen und weiter vermarkten. Das läuft dann über so genannte Zertifikate. Dahinter steckt ein einfacher und völlig legaler Trick. So kauft beispielsweise ein deutscher Kohlestrom-Erzeuger bei einem norwegischen Energie-Produzenten, der ausschließlich saubere Wasserkraft nutzt, ein Ökostrom-Zertifikat. Durch diese Investition kann sich das Kohlekraftwerk nun ebenfalls als Ökostrom-Anbieter bezeichnen.

Solche Zertifikate werden auch Herkunftsnachweise genannt, da sie belegen, dass der Strom tatsächlich aus erneuerbaren Energien stammt. Hier wurde aber nur in die ökologische Stromerzeugung investiert  Der dort erzeugte Strom selbst wird vom Käufer der Zertifikate nicht weiterverkauft. Letztendlich kann diese umstrittene Regelung bedeuten, dass ein Stromanbieter, der solche Zertifikate erworben hat,  selbst jedoch ausschließlich Kohle- oder Atomstrom produziert, diesen dann als Ökostrom vermarkten darf. Um herauszufinden, ob der Stromerzeuger wirklich selbst sauberen Strom produziert, helfen die so genannten Ökostrom-Labels.

Sie garantieren einerseits, dass der Strom 100 Prozent ökologisch ist und andererseits, das der Ausbau der grünen Stromerzeugung weiter geht. Für die Verbraucher sind das Gütesiegel, die allerdings keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Jeder, der ein solches Label kreiert, legt die Anforderungen auch selber fest. Zum einen das "Grüner-Strom-Label", das seit 20 Jahren existiert. Sieben Umwelt- und Verbraucherverbände sowie Friedensinitiativen stehen dahinter.

Stromanbieter, die damit werben, müssen einen festen Betrag pro verkaufte Kilowattstunde in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Außerdem sollen neue Entwicklungen in diesem Bereich vor allem im Inland gefördert werden. Als Zweites das „OK Power-Gütesiegel“. Vergeben von der Verbraucherzentrale, Nordrhein-Westfalen, dem Öko-Institut Freiburg sowie gemeinnützigen Vereinen. Es legt fest, das der Strom zu einem Teil aus neuen Anlagen geliefert werden muss. Diese dürfen nicht älter als 6 bzw. 12 Jahre sein.

Damit will man den Ausbau der Öko-Energiewirtschaft beschleunigt ausbauen.  Weitere Gütesiegel finden sich auf der website des Öko-Instituts Freiburg „EcoTopTen“.
Auch der Technische Überwachungsverein „TÜV“ gibt solche Siegel heraus. In diesem Fall sollten Verbraucher genauer hinschauen, da der TÜV unterschiedliche Siegel vergibt,. TÜV-Nord garantiert zum Beispiel, dass mindestens ein Drittel des Öko-Stroms aus neuen Anlagen stammt, die nicht älter als 6 Jahre sind. Auch müssen die Anbieter hier in neue Projekte investieren.

Bei TÜV-Süd ist der Förderbetrag geringer oder nicht festgelegt, da es hier zwei Label-Standarts gibt. Dennoch existieren auch hier Regelungen, die einen raschen Ausbau der Ökostrombranche vorsehen. Wenn ich in Ökostrom investieren möchte, wie kann ich den Stromanbieter wechseln?
Der Wechsel ist leicht und schnell erledigt. Um einen Preisvergleich machen zu können, sollte man einen Stromtarif-Rechner benutzen, der bei Anbietern aber auch bei Verbraucherverbänden oder auf Verbraucherportalen wie Finanztip.de zu finden ist. Zur Berechnung müssen die Postleitzahl und der Jahresverbrauch in Kilowattstunden eingegeben werden oder die Anzahl der Personen, die im Haushalt leben.

Der angezeigte Preis enthält die Monatsgebühr sowie den Arbeitspreis in Cent. Wer wechseln will, muss dann den neuen Anbieter anschreiben. Der verlangt online die üblichen persönlichen Daten, wie Name und Adresse, bisheriger Stromlieferant sowie Stromzählernummer. Der neue Anbieter regelt den gesamten Wechsel. Beachten sollte man bei diesem Schritt allerdings die eigene Kündigungsfrist.  Ein Sonderkündigungsrecht besteht nur, wenn der bisherige Stromanbieter die Preise anhebt.

Egal, was beim Wechsel passiert. Ohne Strom wird niemand zurückbleiben, da in einem solchen Falle der Grundversorger automatisch einspringt. Das ist der regionale Energielieferant, der dann zu den marktüblichen Konditionen die Energie liefert, bis ein anderer Anbieter die Aufgabe übernimmt. Solch ein Fall ist aber eher selten.

Beitrag und Text von Boris Römer