verschiedene Textilsiegel
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Service - Textilsiegel

T-Shirt ist nicht gleich T-Shirt. Bei billigen Produkten verdienen die Händler auf Kosten der Näherinnen in den Billiglohnländern und der Umwelt.  Immer mehr Verbraucher achten deshalb auf nachhaltig produzierte Kleidung. Doch wie finden sie die? Es gibt dutzende Nachhaltigkeits-Siegel auf dem Markt. zibb erklärt, was sie bedeuten und wie verlässlich sie sind.

Der Blick in die Läden oder in die Kleiderschränke bringt es an den Tag: Klamotten, soweit das Auge reicht. Durchschnittlich 60 Teile kauft jeder von uns pro Jahr. Vieles davon tragen wir nie oder nur selten und wir kaufen trotzdem ständig neu. Die Leidtragenden sind dabei oft die Menschen und die Umwelt in den Herstellungsländern. Die Produktion allein einer Jeans verbraucht und verschmutzt laut Greenpeace bis zu 7.000 Liter Wasser.  Immer mehr Kunden wollen deshalb nachhaltig und fair produzierte Kleidung kaufen. Doch wie finden sie die? Helfen Siegel? Davon  gibt es mittlerweile Dutzende, Orientierung fällt da schwer. Stiftung Warentest hat jetzt fünf Siegel geprüft. Das Ergebnis: Nicht alle Zertifikate belegen tatsächlich die Herkunft ihrer Ware. Auch die beiden firmeneigenen Siegel von H&M und C&A wurden gecheckt.   

Die Warentester haben diese fünf Siegel ausgewählt, weil sie sie am häufigsten im Bekleidungshandel antrafen: Global Organic Textile Standard (Gots), #wear the Change (C&A), Cotton made in Africa, H&M conscious, Better Cotton Initiative (BCI).

Es gibt weitere Siegel, die zum Teil höhere Anforderungen haben, doch die trifft man in den Regalen nicht so oft. Von jedem der fünf Siegel wurden drei T-Shirts aus Baumwolle gekauft. Stiftung Warentest  fragte die Organisationen oder Firmen, die das Siegel vergeben, ob und wie sie ihr T-Shirt zurückverfolgen können, über Näherei, Färberei, Spinnerei bis zum Baumwollfeld.

Die Warentester  haben die Farmen und Firmen nicht persönlich besucht und überprüft, sie  blieben auf der Papierspur. Die Rückverfolgbarkeit dieser Spur ist die Grundlage, wenn eine Firma kontrollieren will, wie fair und ökologisch die Herstellung eines Produktes ist.

Global Organic Standards (Gots)

Am überzeugendsten fanden die Tester den Global Organic Textile Standard, kurz Gots.  Dahinter steht eine gemeinnützige Gesellschaft, gegründet von vier Non-Profit-Organisationen aus vier Ländern. Das Siegel fordert die Verwendung von Biobaumwolle. Alle Verarbeitungsbetriebe müssen soziale Mindestkriterien erfüllen. Also z.B. für sichere Arbeitsbedingungen sorgen oder gestatten, dass Arbeiter sich in Gewerkschaften organisieren. Jedes T-Shirt war zurückverfolgbar bis zur Baumwollfarm. Auf die  Anfrage der Tester hat  Gots zu allen drei T-Shirts Zertifikate geliefert.

#wear the Change (C&A)

#wear the change heißt das Siegel von C&A, auf Deutsch: trage den Wandel. Bei dem Siegel geht es überwiegend um Umweltschutz.  Dahinter verbergen sich verschiedene Siegel, die auf dem Etikett genannt werden. Z.B. für Biobaumwolle oder für wiedergewonnene Fasern. Da Siegel verspricht: Steht Biobaumwolle auf dem Etikett, enthält   das Kleidungsstück mindestens 70 Prozent davon. Die Warentester weisen darauf hin:  Die Anforderungen greifen oft nur für den Anbau von Baumwolle und Recycling von Fasern, nicht für die weiteren Produktionsschritte. Im Test konnten die T-Shirts bis zur Baumwollfarm nachverfolgt werden.  Die Herkunft der T-Shirts war gut belegt.

 H&M conscious

Das Nachhaltigkeitssiegel von H&M heißt #concious, also bewusst. Auch bei H&M geht es überwiegend um Umweltschutz und das Unternehmen nutzt wie C&A Siegel anderer Organisationen,  nennt sie aber nicht auf den Etiketten. Das Siegel verspricht: Mindestens 50 % der eingesetzten Materialien sind recycelt oder nachhaltig erzeugt.  Die Rückverfolgung geht teilweise bis zum Stoffhersteller. Die Warentester kritisieren allerdings: Leider wurde die Herkunft  der Test T-Shirts nur lückenhaft belegt.

Cotton Made in Africa (CmiA)

Dahinter steckt eine gemeinnützige Stiftung.  Das Siegel verspricht Umweltschutz und Soziales auf kleinen Baumwollfarmen in Afrika. CmiA will Baumwollfarmern helfen, z.B. durch gezielte Schulungen oder den Verzicht auf die gefährlichsten Spritzmittel.  Die Herkunft der Test T-Shirts war gut belegt. Eine Besonderheit:  Ob und wie viel CmiA-Ware tatsächlich in einem Hemd steckt, ist schwer nachzuvollziehen, weil CmiA mit der sogenannten Massenbilanzierung arbeitet.

Better Cotton Initiative (BCI)

Diese Non-Profit-Organisation arbeitet weltweit mit Kooperativen und Bauern jeder Größe, will Umweltschutz und Soziales verbessern. Ihre Baumwolle ist weitverbreitet, 1,3 Millionen Farmer hatten in der Saison 2016/17 eine BCI Lizenz. Sie arbeitet ebenfalls mit Massenbilanzierung. Die Warentester kritisieren: Zur Herkunft der Test T-Shirts konnte BCI  keine Auskunft geben. Diese Siegel stellt die im Vergleich am wenigsten strengen Anforderungen.

Andere Siegel

Es gibt mittlerweile Dutzende von Textilsiegeln. Für Kunden ist es oft schwierig, einzuschätzen, was sich dahinter verbirgt. Recherche im Netz ist mühsam aber hilfreich. Viel Unwissen gibt es z.B. über das bekannte Oeko Tex Standard 100. Dieses Siegel sagt lediglich etwas über das fertige Kleidungsstück aus, es wurde auf Schadstoffe geprüft. Es gibt keine Aussage darüber, wie produziert wurde. Da geht das neuere Oeko Tex Made in Green Siegel weiter. Eine gute Möglichkeit, herauszufinden, was sich hinter einem Siegel verbirgt und unter welchen Bedingungen Textilien hergestellt wurden, bietet die Plattform Siegelklarheit, initiiert von der Bundesregierung. Sie gibt es auch als app für unterwegs, da scannt man die Siegel und bekommt direkt eine Einschätzung mit detaillierten Erklärungen. www.siegelklarheit.de

Das Bundesentwicklungsministerium  plant außerdem ein Metasiegel: der Grüne Knopf. Er soll  sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien kennzeichnen. 

Tipps fürs Shopping nachhaltig produzierter Kleidung

In den großen Kaufhäusern ist die Auswahl nicht groß. Besser gleich in Spezialgeschäfte gehen. Hier ist eine große Sammlung ökologisch und fair produzierte anzutreffen. Es lohnt sich auch immer, nachzufragen, wie das Kleidungsstück produziert wurde. Denn auch wenn ein Kleidungsstück kein Siegel hat, kann es trotzdem unter ökofairen Bedingungen hergestellt worden sein. Viele Siegel kosten Geld oder es braucht langwierige Prozesse. Der Preis sagt leider nichts über den Herstellungsprozess eines Kleidungsstückes aus. Z.B. kann eine Markenjeans um die 100 Euro kosten, eine ökofaire Jeans kostet 80 Euro und eine Designerjeans 300 Euro. Einfache ökofaire Basic T-Shirts gibt es ab 12 Euro.

Auf www.getchanged.de findet man eine große Auswahl an Geschäften und Labels, die ökofaire Mode anbieten.

Text von Susanne Stein