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Service - Persönliche Bestattung - Es geht auch anders

Wer zum ersten mal mit einem Trauerfall in der Familie konfrontiert wird, ist oft völlig überfordert. In konventionellen Bestattungshäusern werden dann trotz Ausnahmesituation auf die Schnelle jede Menge Entscheidungen verlangt, die vor allem mit Geld zu tun haben und den Trauernden oft den Ablauf der Beerdigung aus der Hand nehmen. Doch es lohnt sich, schon vor dem Todesfall darüber nachzudenken, wie der Abschied von einem geliebten Menschen gestaltet werden soll, damit er dem Toten und den Hinterbliebenen wirklich entspricht und die Zeit der Trauer erleichtert.

Eric Wrede ist Bestatter in Berlin und er versucht es anders zu machen als viele in seiner Branche. Darüber hat er Buch geschrieben. "The End". Darin plädiert der 38-Jährige dafür, dass wir unsere Trauerrituale überdenken: Für eine neue Trauerkultur in Deutschland. In seinem Beerdigungsinstitut "Lebensnah" ist er in alle Phasen der Verabschiedung selbst involviert und delegiert nichts an Subunternehmer, wie viele Bestattungshäuser. So ist er sicher, dass mit den Verstorbenen respektvoll umgegangen wird. Für die Hinterbliebenen möchte er einen Rahmen schaffen, damit sie sich in der Trauerphase – ohne falsches Pathos und salbungsvolle Sprache - aufgehoben fühlen.

Schon zu Lebzeiten sollten wir schriftlich fixieren, wem wir was vererben wollen und wie unsere Trauerfeier aussehen sollte. Das erleichtert es den Hinterbliebenen enorm, sich in einer schwierigen Phase zurechtzufinden.

94 Prozent aller Deutschen möchten gern zu Hause sterben, 78 Prozent tun es im Krankenhaus. Früher war die Totenwache am eigenen Bett ein festes Ritual. Heute wollen die meisten Menschen einen Toten schnell aus der Wohnung abholen lassen. Dabei lässt es der rechtliche Rahmen zu, seinen Verstorbenen 36 Stunden, u.U. auch länger zu Hause zu behalten.
Eric Wrede ermutigt Hinterbliebene dazu, beim Waschen und Ankleiden des Toten mitzuhelfen und so sehr persönlich Abschied zu nehmen. Der Sarg kann bei ihm mit Hilfe selbst getischlert werden, die Urne gestaltet werden. Besser als jede professionelle Rede sind persönliche Worte von Angehörigen, die den Verstorbenen gekannt und geliebt haben.
Eine gelungene Trauerfeier ist nicht davon abhängig, wieviel Geld investiert wird, sondern dass sich Zeit gelassen und Liebe in die Gestaltung gelegt wird.

Beitrag von Susanne Kallenbach