"Eine Frau zeigt einer anderen Frau den Weg"; © COLOURBOX
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Service - Das Handy als Übersetzer

55 Millionen Bundesbürger sind 2018 mindestens einmal verreist – viele davon ins Ausland. Wer sich dort verständigen will, greift immer öfter auf Übersetzungsapps zurück. Einfach Wort oder Satz eintippen oder reinsprechen, schon klappt’s mit der Völkerverständigung. So das Versprechen der unzähligen Anbieter. Wir wollten wissen: Kann das funktionieren?

Übersetzungsapps arbeiten in der Regel wortbasiert, das heißt, sie ersetzen Wort A durch Wort B. Dass das schnell schief gehen kann, zeigt schon das deutsche Wort "Bank". Je nach Kontext bedeutet es entweder "Sitzgelegenheit" oder "Ort, wo man sein Geld hin bringt". An genau dieser Stelle stoßen die Apps an ihre Grenzen. Sie kennen schlichtweg den Kontext nicht. Und dennoch: Beim Bestellen im Restaurant, beim Fragen nach dem Weg oder beim Übersetzen von Schildern und Tafeln leisten Übersetzungsapps wertvolle Dienste. Drei verschiedene haben wir ausprobiert.

Pons eher für Profis

Die Platzhirsche Google und Microsoft bieten ihre Apps kostenlos an. Für die Pons-App werden in der werbefreien Premium-Version 99 Cent pro Monat fällig. Hier steckt die professionelle Wörterbuch-Redaktion des Pons-Verlags dahinter. Entsprechend sind auch die Funktionen am ehesten mit einem Wörterbuch vergleichbar.

Eine Spracherkennung gibt es nicht. Man kann lediglich Wörter oder Sätze eintippen und erhält dann Übersetzungsmöglichkeiten und Zusatz-Infos zum jeweiligen Wort, zum Beispiel in welchen Zusammenhängen es verwendet wird. Eine App für Profis, die sich mit Sprachen generell auskennen.

Google und Microsoft mit Spracherkennung

Anders funktionieren der Google und der Microsoft Übersetzer. Hier ist das Eintippen von Wörtern und Sätzen nur eine Funktion von vielen. Besonders hilfreich ist die Spracherkennung, die auch erstaunlich gut funktioniert. So sind sogar richtige kleine Gespräche möglich.

Beispiel: Einkaufen. Ich kann in der App nachschlagen, was irgendein Gemüse auf Italienisch heißt, die Rückfrage des italienischen Ladenbesitzers spricht er in mein Smartphone. Angezeigt wird mir das Gesagte in deutscher Übersetzung. Grammatikalisch korrekte Sätze kann man zwar nicht erwarten, aber man kann sich verständigen.

Einen Schritt weiter geht Microsoft mit dem geräteübergreifenden Gruppengespräch. Die Gesprächsteilnehmer loggen sich mit ihren Smartphones ein und wählen ihre Muttersprache aus. Das, was die anderen in ihrer jeweiligen Sprache in ihre Telefone sprechen, wird mir in meiner Muttersprache als Text angezeigt. Ähnlich wie bei einem Chat – nur eben mehrsprachig.

Abfotografierte Texte übersetzen

Auch das klingt praktisch: die Übersetzung von Texten, die ich abfotografiert habe. Auch diese Funktion bieten inzwischen viele Apps an, so auch Google und Microsoft. Aber: Sie funktioniert nicht wirklich. Im Test haben wir versucht, eine russische Zeitung zu lesen. Kaum ein Satz wurde richtig übersetzt. Zum Teil erkannte die App nicht einmal die russischen Wörter selbst.

Und trotzdem: Mit dieser Funktion erfährt man häufig zumindest, worum es ungefähr geht. Einen Versuch ist es allemal wert, wenn zum Beispiel Straßenschilder auf Japanisch eine unüberwindbare Hürde zu sein scheinen.

Fazit

Generell gilt: Bei der Übersetzung komplexer Sätze tun sich alle Übersetzungsapps schwer. Deshalb möglichst einfache Sätze verwenden – und im Zweifelsfall sogar nur einzelne Wörter übersetzen lassen. Sonst entstehen schnell Missverständnisse.

Tipp: Die meisten Anbieter stellen Offline-Sprachpakete zur Verfügung. Um Kosten für mobiles Internet im Ausland zu vermeiden, sollten Urlauber sich zuhause die jeweilige Sprache des Ziellands herunterladen. So können sie die App auch offline nutzen.

Beitrag von Christine Knospe