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Service - So bewahrt man sich die Urlaubserholung

Die ganze Urlaubserholung nutzt wenig, wenn einen am ersten Arbeitstag wieder der komplette Alltagsstress einholt. Damit das nicht passiert, gibt uns zibb-Psychologin Elisabeth Heckel den ein paar praktische Tipps, wie man den Urlaub intensiver genießen und die schönen Urlaubsgefühle möglichst lange bewahren kann.

Expertin im Sommerstudio: Elisabeth Heckel, Diplom-Psychologin und Coach.

Das Leben erscheint vielen Menschen heute als einzige To-do-Liste. Um so mehr sehnen wir uns nach Urlaub und Entspannung und zwar möglichst in gehöriger Entfernung zum gewohnten Umfeld. Dabei ist das Urlaubmachen eine relativ junge Errungenschaft. Erst 1903 setzten Brauereiarbeiter den Anspruch auf eine längere Auszeit von der Arbeit durch. Vor 200 Jahren war es undenkbar, mehrere Wochen nicht zu arbeiten. Ende der 1920er Jahre kam die Mode, in den Urlaub zu reisen, im wohlhabenden Bürgertum auf. Erst in den 1950er Jahren entwickelte sich eine breitere Tourismusbewegung, die die Menschen vor allem in den Süden zog. Allmählich entwickelte sich der Pauschaltourismus,der sich zu einer enorm wichtigen Industrie entwickelte. Im Jahr 2019 verreisten 1,5 Mrd. Menschen.

In diesem Jahr müssen viele von uns lernen, unter anderen Bedingungen zu abzuschalten und zu entspannen-Urlaub zu Hause. Zwar spart man Geld, aber das Abschalten dürfte schwieriger werden im alltäglichen Umfeld. Gelingen kann das trotzdem:

1. Meine Erholung ist nicht deine Erholung

Wer unter zu viel Routine leidet, braucht neue Eindrücke. Wer hingegen viel beruflich unterwegs ist, sehnt sich nach Ruhe und Reizarmut, etwa in der Natur

2.Wir sind heute anders erschöpft als noch vor wenigen Jahrzehnten

Waren es in der Vergangenheit körperliche Erschöpfung aufgrund physisch fordernder Arbeit, fühlen sich Menschen heute, besonders seelisch überfordert
Viele Menschen klagen über mentales Ausgebranntsein, was sich u.a. in depressiven Verstimmungen zeigen kann. Psychologen sprechen von „Ich-Erschöpfung“. Experten raten, Dinge auch mal geschehen und sich treiben zu lassen- neugierig bleiben!

3. Stress baut man nicht (unbedingt) auf dem Sofa ab

Bewegung ist das Einzige, das für jeden sinnvoll ist, um sich zu erholen, meint Erholungsforscherin Prof. Dr. Carmen Binnewies.
Mindestens eine halbe Stunde muss es schon sein. Dabei können auch ruhigere Aktivitäten wie Spazieren, Yoga oder Qigong sein- Hauptsache, wir genießen, was wir tun.
Das Genießen ist ein wichtiger Erholungsfaktor. Auch wer nicht verreist, sollte sich etwas gönnen, etwa den neuen Bikini oder die Sonnenbrille, die man sich sonst für die Reise oder währenddessen gekauft hätte.
Auf Reisen isst man häufig in Restaurants, also kann man dies auch als Daheimgebliebener vor Ort tun.
Erholung kann sich auch durch Forderung (etwas neues lernen) und Anstrengung (eine Wanderung etwa, die an körperliche grenzen geht) einstellen. Viele empfinden durch Herausforderung tiefe Befriedigung und auch das ist erholsam.

4. Routine durchbrechen, Alltagsangelegenheiten ignorieren

Keinesfalls sollten die Urlaubstage zu Hause nur dafür genutzt werden, Liegengebliebenes aufzuarbeiten, etwa den Keller aufzuräumen oder die Steuererklärung zu machen. Natürlich können auch gemeinsame Aktionen, wie Gartengestaltung oder die Umgestaltung der Wohnung Befriedigung verschaffen, dennoch sollte die Balance zwischen kreativer Aktivität und Müßiggang erhalten werden.

5. Freizeit planen

Es mag widersprüchlich klingen, sich einen festen Plan für die freien Tage zu machen, hilft das gegen das Verschwenden, Vertrödeln der freien Zeit. Ausflüge in die nähere Umgebung planen, sie erkunden, kleine Fluchten organisieren (Mikroabenteuer), etwa eine Nacht im Freien verbringen oder auch Museen, Ausstellungen besuchen, Dinge, die sonst keinen Raum im Alltag haben bringt Entspannungseffekte. PC und Labtop sollten weggeräumt werden, ein digitales Fasten, wenig Medienkonsum sind ebenso wichtig für die Erholung.

Beitrag von Ute Mueller-Schlomka