Service - Was wir wirklich über Jesus wissen

Weihnachtszeit ist Geschichtenzeit. Vor allem die biblische Geschichte wird in diesen Tagen wieder erzählt. Das Leben Jesu Christi fasziniert nicht nur Christen. Die Evangelien von Markus, Lukas und Matthäus im neuen Testament der Bibel geben auch Auskunft über politische und gesellschaftliche Umstände der damaligen Zeit. Was ist Fiktion und was hat sich tatsächlich so begeben, wie es die Bibel erzählt? Theologe Thomas Söding von der Ruhr-Uni Bochum klärt auf.

Krippe, Stern und Hirten, Wunder, die Jesus vollbracht haben soll: Sie geben der biblischen Geschichte Unterhaltungswert - aber ihr Wahrheitsgehalt ist gering. Fest steht: Jesus hat gelebt, wahrscheinlich auch in Galiläa. Viele Zitate belegen eine ländliche Umgebung. Natürlich gibt es keine Geburtsurkunde und auch das Jahr, das unserer Zeitrechnung zugrunde liegt, ist möglicherweise nicht exakt. Jesus könnte auch vier Jahre früher oder später geboren worden sein.

Am besten erforscht ist die Kreuzigung von Jesus - durch römische, jüdische und christliche Quellen. Auch das Todesurteil durch den römischen Stadthalter Pontius Pilatus ist historisch belegt. Herodes Antipas, römischer Herrscher in Galiläa, hielt sich zeitgleich mit Jesus in Jerusalem auf. Aber was hat in seinem kurzen, nur etwa 32-jährigen Leben zu diesem Todesurteil geführt?

War Jesus fromm, schon als Kind, wie es die Bibel schreibt? Ging er als Zwölfjähriger allein aus der Provinz nach Jerusalem, um dort auf Augenhöhe mit Geistlichen zu philosophieren? Suchte er die Nähe Gottes, als dessen Sohn er sich ausgab? War sein Wirken politisch, war er friedvoll oder ein kämpferischer Rebell?

Charaktereigenschaften und zahlreiche Begebenheiten seines Lebens lassen sich nicht mit Fakten belegen. Es muss sich was zugespizt haben vor seinem Tod und sein Sterben am Kreuz löst eine Massenbewegung aus: Das Christentum. Ein einfacher Seelenfänger hätte es nicht so weit gebracht, selbst Pontius Pilatus begegnete Jesus mit Respekt. Interpretation? Vermutung? Beobachtung zweiter Ordnung nennen Historiker das. Seit der Aufklärung zählen Zahlen, Daten, Fakten und Beweise. Symbolhafte Geschichten können helfen, die Komplexität des Weltgeschehens besser zu verstehen.

Beitrag von Dagmar Kniffki