Service - Arbeitszeugnisse – Was Sie darüber wissen sollten

Arbeitszeugnisse – sie sollen die Leistung und die Erfolge des Arbeitnehmers belegen. Laut Gesetz müssen die Aussagen deshalb wahr und wohlwollend formuliert sein. Doch welche Floskeln bedeuten was? Welche Rechte Arbeitnehmer haben und wie ein Arbeitszeugnis wirklich aussehen sollte, verrät Bewerbungspapst Jürgen Hesse im zibb Service.

Ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer – egal, ob voll- oder teilzeitbeschäftigt, ob Praktikant oder Auszubildender, ob sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder Minijobber.

Sogar Freiberufler und Selbstständige können ein Zeugnis verlangen, wenn sie eine arbeitsvertragliche Tätigkeit ausgeübt haben. Andernfalls können sie den Auftraggeber um eine Referenz bitten. Dabei gelten allerdings nicht so strenge Regeln wie beim Arbeitszeugnis.

Dieses muss insbesondere dann ausgestellt werden, wenn ein Arbeitsverhältnis endet. Doch auch ein Zwischenzeugnis ist auf Verlangen des Arbeitnehmers möglich, zum Beispiel wenn der Chef wechselt, sich die eigene Position im Unternehmen ändert oder auch wenn man wegen Elternzeit am Arbeitsplatz pausiert.

Ein Arbeitszeugnis sollte folgende Elemente enthalten:

- Angaben zu Position und Beschäftigungsdauer
- Beschreibung der Tätigkeiten und Aufgaben
- Leistungsbeurteilung
- Verhaltensbeurteilung
- Grund für Beendigung des Arbeitsverhältnisses
- Zukunftsfloskeln

Die wichtigsten Weichensteller sind eine Mischung aus objektiven Daten wie Länge des Arbeitsverhältnisses, der Aufgaben und Position im Unternehmen sowie versteckter Botschaften, etwa wie der Mitarbeiter verabschiedet wird, welche guten Wünsche ihm mitgegeben werden oder auch das Datum der Ausstellung.

Gerade Abschiedsfloskeln enthalten oft Hinweise auf die Stellung des Arbeitnehmers. So bedeutet der Satz "Wir wünschen ihm alles Gute, insbesondere Erfolg", dass er im Unternehmen keinen Erfolg hatte. Die Aussage "Wir haben uns einvernehmlich getrennt" deutet hingegen darauf hin, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zur Kündigung gedrängt hat.

Ein wirklich beiderseitiges Einverständnis liegt vor, wenn da steht "…haben uns in bestem gegenseitigen Einvernehmen getrennt." Vorsicht: Ein ungerades Datum als Ausscheidedatum ist ein Indiz für eine fristlose Kündigung.

Wer mit seinem Zeugnis nicht einverstanden ist, kann Berichtigung verlangen – allerdings nur innerhalb von zehn Monaten nach Ausstellung. Eine Anfechtung vor dem Arbeitsgericht hat hingegen meist nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn man ein unterdurchschnittliches Zeugnis erhalten hat. Dass einem ein überdurchschnittliches Zeugnis zusteht, muss man beweisen – und das ist schwierig.

Häufig bitten Chefs auch darum, das Zeugnis selbst zu schreiben. Gerade in diesem Fall sollten Arbeitnehmer vorsichtig sein. So sollte die Länge des Zeugnisses in Relation zur Dauer des Beschäftigungsverhältnisses stehen. Keine Übertreibungen z.B. bei den Abschiedsfloskeln.

Wichtige Angaben wie Beurteilungszeitraum, ausstellender Vorgesetzter, Kündigungsgrund usw. müssen enthalten, transparent und schlüssig sein, sonst wird der Personaler des neuen Unternehmens stutzig. Bei der Beurteilung von Leistung und Verhalten muss nicht jeder Aspekt ausführlich abgearbeitet werden, es reichen 3-4 Punkte mit Zufriedenheitsangabe.

Beitrag von Christine Knospe