Kundenbewertungssiegel (Quelle: Imago)
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Service - Wie erkennt man gefälschte Tests und Kundenbewertungen?

Ob Fahrradladen, Staubsauger oder Hotel: Bevor man sich als Verbraucher für eine Dienstleistung oder ein Produkt entscheidet, checkt man, was andere Kunden dazu im Internet geschrieben haben. Doch auf viele dieser Bewertungen kann man sich nicht verlassen. Im Gegenteil: Im Netz wimmelt es von angeblichen Produkttests und gefälschten Kundenrezensionen.

Studiogast: Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip

Mal stecken die Anbieter selbst dahinter, mal Agenturen, bei denen Hersteller Bewertungen kaufen können. Das Nachsehen hat der Kunde.
Wie viele Bewertungen im Netz tatsächlich gefälscht sind, weiß niemand so genau. Manche Studien gehen von 10 bis 15 Prozent aus, andere von 30 Prozent oder noch mehr.
Eine Fälschung als solche zu enttarnen ist nicht ganz einfach.  Wirklich sicher vor gefälschten Bewertungen ist man nie. Im Zweifel aufs Bauchgefühl verlassen: Falls Ihnen an einer Bewertung etwas merkwürdig vorkommt, ist es das vermutlich auch. Einige Hinweise gibt es aber doch, zum Beispiel würden echte Kunden eher nicht den ganzen Produktnamen inklusive Seriennummer eines Produktes abschreiben à la „Der Müller Staubweg D-4530 Turbo 2E saugt ruckzuck die ganze Wohnung leer.“ Auch Satzbausteine, die man auf den Seiten der Hersteller findet, deuten darauf hin, dass hier kein echter Kunde seine Meinung abgibt.  

Auch Bewertungen auf Reiseportalen sind mit Vorsicht zu genießen
Ausführliche, mit geschliffener Sprache verfasste Texte  oder sehr professionell aussehende Fotos können Hinweise darauf sein, dass die Bewertungen nicht echt sind.  
Auch auf die Verfasser selbst sollte man einen Blick werfen. Wenn da ein Nutzer in einem Jahr hunderte von Reiseziele angeblich besucht hat, sollte einen das schon misstrauisch machen.  Bei den meisten Bewertungsportalen sieht man, wenn man auf den Usernamen klickt, was die Person noch alles kommentiert hat. Unrealistisch viele weitere Meinungen sind hier ebenso ein schlechtes Zeichen wie gar keine.

Statt nur auf die Gesamtpunktzahl zu schauen, sollte man sich besser genauer ansehen, was die Bewerter kritisiert haben.  Denn ob ein Hotel extrem hellhörig ist oder nur die Frühstückseier übergart sind, macht einen Unterschied.
Bei Amazon bewerten Kunden zum Beispiel oft eher die Lieferung als das Produkt – anderen Kunden hilft das nur begrenzt weiter. Wenig hilfreich sind auch drei oder vier Jahre alte Bewertungen. Restaurants haben seitdem vielleicht den Koch gewechselt, Apps mit Updates Fehler korrigiert. Also auf aktuelle Bewertungen achten und sich die Gesamtheit der Bewertungen ansehen, sich nicht nur auf einige wenige verlassen. Und auch gucken, wie viele Bewertungen hat z.B. ein Hotel. Hat es nur drei und alle sind positiv, kriegt es gleich die volle Punktzahl. Ein Hotel, das dagegen 1000 Bewertungen hat und davon sind ein paar wenige nicht so gut, kriegt dann gleich eine schlechtere Gesamtnote, obwohl es insgesamt viel mehr positive Bewertungen hat als das andere Hotel.

Gefälschte Test-Seiten
Nicht nur Kundenbewertungen werden gefälscht. Im Netz wimmelt es auch von Testseiten, wo angebliche Produktsieger angepriesen werden.
Wenn ein Produkt von einem Testportal ausgezeichnet wird als Testsieger, mit 5 Sternen, dann denken viele „ Das Produkt ist top, also schnell rein  damit in den Einkaufswagen“ Und Klick, gekauft. Doch leider erweisen sich viele angebliche Spitzenprodukte als Flop. Denn es wird gefälscht. Viele angebliche Testsieger-Plaketten entpuppen sich am Ende als nichts weiter als heiße Luft.
Ein Hinweis auf unseriöse Testseiten kann zum Beispiel sein, wenn das Portal direkt auf Online-Händler verlinkt, bei denen man das vorgestellte Produkt kaufen kann. Klickt ein Besucher der Fake-Testseite auf diesen Link und kauft das Produkt, kassiert der Betreiber der Fake-Seite eine Provision vom Onlinehändler. Dieses System nennt sich Affiliate-Marketing.
Fehlen Bilder, die das Produkt in einer Test-Situation zeigen, deutet auch das darauf hin, dass das Portal das Produkt nicht selbst aufwändig getestet, sondern höchstens „eingeschätzt“ hat.

Unter Umständen kauft der Nutzer dann ein Produkt, das sein Geld nicht wert ist. Der Schaden kann aber noch höher sein. Es gibt Fake-Seiten, die z.B. einen Kinderhochstuhl mit „gut“ bewerten und ihm eine hohe Sicherheit bescheinigen, während die Stiftung Warentest denselben Stuhl mit Mangelhaft bewertet, weil er nicht sicher ist und auch noch krebserregende Stoffe enthält.

Beitrag von Sina Krambeck