"Der Name Müller auf einem Klingelschild"; imago/ Philipp Brandstädter
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Bild: imago/ Philipp Brandstädter

Service - Den eigenen Namen ändern

Charlie Sheen, der eigentlich Carlos Irwin Estewes heißt. Jule Neigel, die irgendwann wieder Julia sein wollte. Dieter Moor, aus dem Max Moor wurde. Der Vorname – nicht immer begleitet er einen ein Leben lang. Denn grundsätzlich erlaubt das deutsche Recht Namensänderungen. Und zwar bei Vor- und Nachnamen.

Vergleichsweise einfach ist der Wechsel des Nachnamens bei Heirat oder Scheidung, genannt zivilrechtliche Namensänderung. Einen Ehe- oder Familiennamen bestimmt man bei dem Standesamt, in dem die Hochzeit stattgefunden hat. Dieser Ehename kann auch noch Jahre nach der Hochzeit bestimmt werden. Es gibt keine Frist. Der gemeinsame Ehe- oder Familienname ist derjenige, der auch für die Kinder dieser Ehe gilt. Bei einer Scheidung kann der Geburtsname wieder angenommen werden, ebenfalls auf Antrag im Standesamt.

Anders ist die Rechtslage bei Kindern. Für die Kinder müssen sich die Eltern auf einen Nachnamen einigen. Dieser Name wird automatisch zum Geburtsnamen für alle weiteren Kinder. Einen Familiennamen für die Kinder müssen auch unverheiratete Eltern bestimmen. Erklären sie beim Jugendamt, dass sie die elterliche Sorge gemeinsam tragen, so müssen sie dort einen Familiennamen bestimmen. Diesen können sie nur bis drei Monate nach der Erklärung ändern lassen. Danach geht eine Nachnamensänderung für das Kind nur noch mit einem Antrag als öffentlich-rechtliche Namensänderung, wenn ein guter Grund vorliegt.

Name ist Identität

Die sogenannte öffentlich-rechtliche Namensänderung ist möglich, aber mit Hürden verbunden. Das deutsche Namensrecht beruht auf dem Grundsatz der Namenskontinuität. Dieser Grundsatz wurde 1938 als Namensänderungsgesetz festgehalten. Demnach beeinträchtigt jede Namensänderung die Erkennbarkeit der Herkunft aus einer Familie und verschleiert die blutmäßige Abstammung. Wenige Jahre später diente das Gesetz vorrangig dazu, Menschen mit jüdischem Glauben zu stigmatisieren.

Die Stigmatisierung aufgrund von Abstammung ist vorbei, das Gesetz gilt aber nach wie vor. Deshalb müssen gute Gründe vorliegen, wenn der Name geändert werden soll. Das Amt kann sogar ein psychologisches Gutachten verlangen, wenn der Grund für eine Namensänderung nicht sofort einsichtig ist oder der Antragsteller als Begründung nur allgemein "gesundheitliche Beeinträchtigungen" angibt.

Wenn der Name zur Last wird

Gute Gründe sind:

1. Häufigkeit: Als änderungswürdige Namen gelten sehr häufige Nachnamen, sogenannte Sammelnamen, wie Müller, Meier, Schmidt, Lehmann, Krause oder Schulze.

2. Verwechslungsgefahr: Wenn in einem Mietshaus zwei Mietparteien mit demselben Familiennamen wohnen und das zu konkreten Schwierigkeiten führt, weil beispielsweise eine Zwangsvollstreckung läuft. Dann kann das ein Grund für eine Namensänderung sein.

3. Tod oder Scheidung: Ein Kind hat den Namen des Vaters. Als der Vater stirbt, möchte das Kind den Geburtsnamen der Mutter annehmen. Allerdings: Namen von Kindern zwischen einem und 16 Jahren dürfen nur aus schwerwiegenden Gründen zum Wohl des Kindes geändert werden.

4. Witzpotenzial: Ohne Probleme geändert werden können anstößig oder lächerlich klingende Namen wie "Fick" oder Namen, die zu Wortspielen verleiten.

5. Schreibweise: Selbst die Schreibweise eines Namens kann ein Änderungsgrund sein. Wer beispielsweise das "ß" in seinem Namen durch "ss" ersetzen möchte, kann das auf Antrag tun.

Namensänderung kostet

Tipp: Wer den Vor- oder Nachnamen aus anderen Gründen außer Heirat oder Scheidung ändern will, sollte erstmal beim Bürgeramt nachfragen, ob eine Aussicht auf Erfolg besteht.

Bei der Vornamenswahl für ein Baby berät die Gesellschaft für deutsche Sprache. Sie ist Ansprechpartnerin für Eltern, Standes- und Bürgerämter gleichermaßen, weil sie langjährige Erfahrung mit Vornamen hat und eine internationale Vornamendatenbank mit weit mehr als einer Million Einträgen pflegt. Denn: Das Ändern des Vornamens kann – je nach Aufwand – bis zu 255 Euro kosten, ein geänderter Nachname bis zu 1.022 Euro. Diese Höchstsätze werden aber selten fällig, sie sollen abschreckend wirken. Manchmal fällt ein Gebührenvorschuss an. Bei Ablehnung kommen anteilige Kosten auf einen zu. Der Höchstsatz kann verlangt werden, wenn der Verwaltungsaufwand hoch ist, weil die Rechtslage schwierig ist, andere Verfahrensbeteiligte wie Kinder oder Ehepartner angehört werden müssen und andere Behörden, etwa das Jugendamt, eingeschaltet werden müssen. Einfach und günstig ist die Sache, wenn keiner dieser Faktoren eine Rolle spielt und der Grund für die gewünschte Änderung klar auf der Hand liegt.

Vornamen gleichberechtigt

Ab November 2018 sind alle Vornamen gleichberechtigt. Der Namensträger entscheidet selbst, welchen Namen er im Alltag benutzt. Wer also Lena Marie heißt, kann sich im Alltag nur Marie nennen. Neu ist auch: Wer möchte, dass ganz offiziell (z. B. im Ausweis) der gewählte Vorname zuerst steht, kann diese Änderung beim Geburtsstandesamt beantragen. Dafür muss die Person keinen Grund angeben, sondern lediglich eine Erklärung abgeben. Aus Max Ludwig kann dann Ludwig Max werden. Die Kosten betragen in Berlin z. B. 30 Euro. In anderen Bundesländern können sie abweichen.

Beitrag von Christine Knospe