Service - Raus aus dem Patchwork-Chaos

Patchwork-Familien – längst Normalität in Deutschland. 7 bis 13 Prozent aller Familien, so schätzen Experten, leben das Modell. Nicht immer leicht: Gerade bei Krankheiten oder Problemen in der Schule ist vielen nicht klar, wer entscheiden darf. Wer sorgt für wen, wer ist finanziell verantwortlich und wer erbt am Ende was?

Hinter dem Begriff "Patchwork-Familien" verbergen sich recht unterschiedliche Formen des Zusammenlebens. Gemeinsam ist ihnen nur, dass mindestens ein Partner eins oder mehr Kinder aus einer früheren Beziehung mitbringt. Statistisch gesehen bleibt das Sorgerecht in etwa neun von zehn Scheidungsverfahren als gemeinsames Sorgerecht bei den Eltern bestehen, auch wenn sie geschieden sind. Es entscheiden also weiterhin die geschiedenen Eltern, ohne den neuen Partner, in dessen Haushalt das Kind möglicherweise bereits lebt. In den Fällen, bei dem einem Elternteil nach einer Scheidung das alleinige Sorgerecht für ein Kind zugesprochen wurde, kann dem neue Partner das Recht zustehen, in kleineren Alltagsangelegenheiten gemeinsam mit dem Sorgeberechtigten mitzuentscheiden, sofern er mit dem Elternteil verheiratet ist. Doch das ist statistisch die Ausnahme.

Gemeinsamer Name in Patchwork-Familien
Wer in der Patchwork-Familie wie heißt, kann ebenfalls zu Streit führen. Grundsätzlich behält ein Kind seinen Familiennamen, den es bei der Geburt bekommen hat. Stimmt der sorgeberechtigte Elternteil zu, kann eine neu zusammengesetzte Patchwork-Familie nach der Trauung einen gemeinsamen Namen für alle Mitglieder beantragen. Aber: Das Kind hat ein Mitsprache-Recht. Bereits mit fünf Jahren muss es befragt werden und kann die Änderung seines Namens ablehnen. Ab dem Alter von 14 Jahren muss es den neuen Familiennamen selbst beantragen. Ist es mit der Führung des neuen Namens einverstanden, kann es ihn annehmen, ihn seinem bisherigen Namen vorstellen oder hinten anhängen. Verweigert der andere Elternteil die Zustimmung zur Namensänderung, kann nur eine gerichtliche Klärung eine Klärung herbeiführen. Doch die Gerichte werden einer Änderung meist nur dann zustimmen, wenn sie es für das Wohl des Kindes als unabdingbar notwendig ansehen; etwa wegen erheblicher psychischer Störungen, wenn das Kind extrem darunter leidet, anders zu heißen, als der Rest der Familie. Das muss allerdings belegt werden.

Nie ohne Testament
Ein Problem trifft gerade Patchwork-Familien häufig unvorbereitet: die Erbfrage. Wer stirbt und kein Testament hat, für den gilt nämlich die gesetzliche Erbfolge. Und das bereits seit 1900. Demnach gelten ausschließlich Blutsverwandte und Ehepartner als Erben. Dieses Gesetz bringt Patchwork-Familien in Schwierigkeiten. Ein Beispiel: Beide Partner bringen ein Kind aus einer früheren Beziehung mit in neue Familie. Stirbt zuerst der neue Mann, ohne ein Testament zu hinterlassen, erbt seine Ehefrau die Hälfte des Vermögens, die andere Hälfte geht an sein leibliches Kind. Sein Stiefkind geht leer aus. Stirbt dann die Mutter, so bekommt deren leibliches Kind das komplette Vermögen der Mutter. Das leibliche Kind des Mannes geht diesmal leer aus. Am Ende landen damit drei Viertel des elterlichen Vermögens beim leiblichen Kind der Mutter.

Um eine ungewollt ungleichmäßige Verteilung des Erbes zu vermeiden, brauchen Patchwork-Familien ein Testament. Wirklich gleichberechtigt sind Stiefkinder aber dennoch nicht. Denn beim Verfassen eines Testaments gilt zwar Testierfreiheit, d.h. jeder kann frei entscheiden, wen er begünstigt. Das hat aber keinerlei Auswirkungen auf den Pflichtteil. Pflichtteilsberechtigt sind nur Kinder, Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner und Eltern. Sie haben Anspruch auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Besonders wichtig in Patchwork-Familien: die finanzielle Versorgung des länger lebenden Ehegatten abzusichern. Das können Familien z.B. erreichen, indem sie den Ehegatten als Vorerben und die Kinder als Nacherben einsetzen. Das heißt, der Ehegatte erhält lebzeitig die Erträge des Nachlasses. Nach seinem Tod fällt das Vermögen an die Nacherben und nicht an die eigenen Erben. Alternativ können Versorgungsvermächtnisse (z.B. Wohn-oder Nießbrauchsrechte) eingesetzt werden. Patchwork-Familien sollten sich zudem Gedanken über die Vermögensvorsorge minderjähriger Kinder machen. Denn für die Kinder aus früheren Beziehungen übernimmt das im Todesfall automatisch der Ex-Partner. Ist das nicht gewünscht, muss man selbst im Testament festlegen, wer die Vermögenssorge für die Kinder übernehmen soll.

Beitrag von Christin Knospe