Service - Raus aus dem Vertrag

Preiserhöhungen, veränderte Geschäftsbedingungen, fehlende Leistung - es gibt einige Gründe, warum Kunden frühzeitig aus ihren Verträgen aussteigen können. Rechtsanwältin Heike Geerdes erklärt, in welchen Fällen Kunden das Sonderkündigungsrecht geltend machen können und was es bei der Kündigung zu beachten gibt.

Zu langsames Internet
Ist der Internetanschluss wesentlich langsamer als beworben, sollten Kunden ihren Anbieter schriftlich zum Nachbessern auffordern und ihm dafür eine Frist von einer bis zwei Wochen setzen. Ändert sich auch nach wiederholter Aufforderung nichts, ist eine fristlose Kündigung möglich.

Gestiegene Energiepreise
Erhöht der Energieanbieter seine Preise, darf der Kunde den Vertrag sofort kündigen. Stromkunden haben sogar dann ein Sonderkündigungsrecht für ihren Stromvertrag, wenn die Preiserhöhung ausschließlich auf gestiegene oder neu eingeführte Steuern, Abgaben oder Umlagen zurückzuführen ist. So hat es das hat Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden.
Sicher geht, wer per Einschreiben kündigt. Das kostet zwar etwas mehr, erbringt aber den Beweis für das Abschicken und den Zugang der Kündigung.

Zu lange Vertragslaufzeiten
In Einzelfällen dürfen Kunden auch aufgrund unzulässiger Vertragslaufzeiten früher aus ihrem Vertrag aussteigen - etwa im Fitnessstudio: So urteilten Gerichte, dass Verträge mit Fitnessstudios über mehr als zwei Jahre nicht zumutbar seien. Genauso wenig ist es in Ordnung, einen Vertrag nach Ablauf der ersten Laufzeit automatisch um gleich mehrere Jahre zu verlängern. Wer die festgelegte Frist einhält, kann in diesem Fall jederzeit kündigen.

Kündigungsdienste
Wer den Überblick über laufende Verträge und ihre Kündigungsfristen zu verlieren droht, kann sich Hilfe bei Internetanbietern wie Aboalarm, Volders oder auch kündigen.de suchen. Die Dienste unterstützen ihre Kunden bei der Kündigung von Verträgen, indem sie Schreiben formulieren und sie auf Wunsch gegen ein paar Euro auch direkt an den Dienstleister versenden. Die Kunden erhalten anschließend einen Beweis, dass die Kündigung zugestellt worden ist. Allerdings müssen sie den Internetdiensten im Gegenzug sämtliche Vertragsdaten übermitteln, die meist auch persönliche Einblicke erlauben.

Beitrag von Alena Hecker