Zwei Männer warten am Flughafen (Quelle: Colourbox)
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Service - Reiseänderungen: Das sind Ihre Rechte

Na das kann ja heiter werden: Ausgerechnet in den Sommerferien ruft die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo zu Streiks auf. Möglicherweise droht ab Juli ein Chaos-Sommer mit Flugstreichungen und Verspätungen. Und dabei gibt es für viele Reisende schon ohne Streik genug Ärger. Reiseveranstalter ändern nämlich immer öfter nach der Buchung Abflugzeit oder -ort. Doch Urlauber müssen das nicht hinnehmen.

In ihrer aktuellen Ausgabe berichtet die Zeitschrift Finanztest, dass es immer häufiger vorkommt, dass Reiseveranstalter nach der Buchung einfach den Abflugort oder die Abflugzeit ändern. Statt zum Beispiel um neun Uhr morgens startet der Flieger erst um 19 Uhr und statt von Berlin von Leipzig aus. Seit Juli 2018 gibt es ein neues Reiserecht und das besagt, dass Reiseveranstalter den Reiseablauf noch nachträglich ändern können, wenn die Veränderung "unerheblich" ist. Was unerheblich ist, sagt das Gesetz aber leider nicht. Das bedeutet, dass die Gerichte künftig in jedem Einzelfall festlegen müssen, was "erheblich" und was "unerheblich" ist.

Rücktritt möglich

Experten gehen davon aus, dass sich die Gerichte an der alten Rechtsprechung orientieren werden. Die besagt, dass Kunden ab einer Flugverschiebung von fünf Stunden je angefangene Stunde einen Nachlass von fünf Prozent auf den Tagesreisepreis erhalten.

Bei einer 14-tägigen Pauschalreise zum Gesamtpreis von 1.400 Euro wären das bei einer Flugverschiebung von zehn Stunden ein Nachlass von 30 Euro. Nicht gerade viel, wenn man dafür im Prinzip einen ganzen Urlaubstag verliert. Der Reisende muss das nicht hinnehmen. Er kann in so einem Fall von der Reise zurücktreten und kriegt dann sein Geld zurück. Wichtig: Kunden, die das wollen, müssen innerhalb einer Frist reagieren. Tun sie nichts, gilt das als Annahme der Flugänderung.

Und wenn der Flieger sich auch noch verspätet?

Und manchmal kommt es ganz dicke: dann wird nicht nur die Abflugzeit verschoben, sondern der Flieger verspätet sich dann auch noch.

Sowohl Individualreisende als auch Pauschalurlauber haben nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung Anspruch auf Entschädigung, wenn ihr Flug annulliert wird oder sich um mehr als drei Stunden verspätet. Und zwar sind das bei einer Kurzstrecke 250 Euro, bei der Mittelstrecke 400 und bei der Langstrecke 600 Euro.

Ansprechpartner für die Entschädigung ist die Airline.

Das heißt, als Pauschalreisender habe ich zwei Stellen, von denen ich unter Umständen Geld erhalten kann: Erstens der Veranstalter wegen der Verschiebung, zweitens die Airline, wenn der verschobene Flug dann auch noch verspätet ankommt.

Kostenfreies Musterschreiben

Auf der Seite des ADAC gibt es ein kostenfreies Musterschreiben, das man für seine Entschädigungsforderung nutzen kann. Das einfach ausfüllen und direkt an die Airline schicken. Wenn die Airline überhaupt nicht reagiert oder sich weigert zu zahlen, kann die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) oder die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz vermitteln. Wenn Sie sich selbst nicht mit der Airline herumstreiten wollen und am liebsten das Geld sofort möchten, können Sie Ihre Entschädigungsforderung verkaufen, z. B. an EUflight.

Rückflug mitten in der Nacht

Was auch immer wieder vorkommt: Beim Hinflug hat alles problemlos geklappt, aber dann ändert der Reiseveranstalter während des Urlaubs, einen Tag vor der Rückreise, den Rückflug. Auf einmal soll man dann schon mitten in der Nacht zum Flughafen aufbrechen. Doch auch das dürfte nach neuem Recht eine erhebliche Reiseänderung sein.

Urlauber sollten dem örtlichen Reiseleiter mitteilen, dass sie damit nicht einverstanden sind und eine Lösung des Problems verlangen. Schafft der Veranstalter keine Abhilfe, können Sie für einen verlegten Rückflug eine Minderung des Reisepreises verlangen oder sich auf eigene Faust einen Alternativflug zur ursprünglichen Abflugzeit buchen und dem Veranstalter diese Kosten in Rechnung stellen.

Entschädigung von der Bahn

Nicht nur Fluggäste, auch Bahnreisende haben selbstverständlich Anspruch auf Entschädigung bei Verspätungen. Ab einer Verspätung von einer Stunde bekommen Reisende von der Bahn Geld zurück.

Bei einer Verspätung von 60 Minuten und mehr beträgt die Entschädigung 25 % des Fahrpreises. Ab zwei Stunden Verspätung bekommt man die Hälfte des Ticketpreises zurück.

Möglicherweise können sich Kunden ab dem kommenden Jahr noch mehr Geld zurückholen. Das EU-Parlament fordert, dass schon ab einer Stunde Verspätung die Hälfte des Fahrkartenpreises erstattet wird. Bei mehr als zwei Stunden soll nach dem Willen der EU-Parlamentarier der volle Ticket-Preis erstattet werden.

Beitrag von Sina Krambeck