Service - Glücklich getrennt – so geht das

Etwa jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden - und viele davon zum Leidwesen aller nicht im Guten. Kennen Ex-Partner ihre Rechte, hilft das, Ärger zu vermeiden. zibb klärt deshalb über die größten Irrtümer auf. Expertin im Studio: Marie Schlicker, Redakteurin von Finanztest.

Für die einen bedeutet sie das traurige Ende einer Liebesbeziehung, andere empfinden ihre Scheidung als Befreiungsschlag. 2017 haben sich hierzulande gut 153.000 Paare scheiden lassen, im Schnitt hatten sie 15 Ehejahre miteinander verbracht, bevor es zum Bruch kam. In etwas mehr als der Hälfte aller Fälle reichten Frauen die Scheidung ein.

Ordnung schaffen im Trennungsjahr
Die große Mehrheit geschiedener Paare lebt mindestens ein Jahr lang in Trennung, bevor es zur Scheidung kommt. Erst wenn verheiratete Paare seit mindestens einem Jahr in voneinander abgetrennten Haushalten leben, erkennt das Familiengericht die Ehe als gescheitert an. Danach kann der Scheidungsantrag eingereicht werden.

Trennungsunterhalt
Neben der Frage, was mit der gemeinsamen Wohnung, Möbeln und Haushaltsgegenständen geschieht, sollten Ehepaare sich im Jahr nach ihrer Trennung auch darum kümmern, eigene Konten anzulegen oder versuchen, aus gemeinsamen Kreditverträgen oder Bürgschaften für den anderen herauszukommen. Falls ein Ehepartner sich selbst nicht finanzieren kann und der andere genug verdient, um für ihn aufzukommen, hat der mit dem geringeren oder gar keinem Einkommen gesetzlichen Anspruch auf Trennungsunterhalt. Diesen muss er beim Familiengericht beantragen.

Ein Anwalt, geteilte Kosten
Sind sich scheidungswillige Ehepartner weitestgehend einig, können sie die Scheidungskosten senken, indem nur einer von beiden einen Anwalt engagiert, während der andere auf Rechtsbeistand verzichtet. Die Kosten für Anwalt und Gerichtsverfahren kann das Paar unter sich aufteilen. Derjenige, der auf den Rechtsbeistand verzichtet, sollte jedoch zumindest eine Erstberatung bei einem Anwalt machen.

Finanzielle Hilfen für Geringverdiener
Ein Erstgespräch beim Anwalt darf nicht mehr kosten als 190 Euro. Diese Gebühr übernehmen auch die meisten privaten Rechtsschutzversicherungen. Wer sich weitere Anwalts- und später anfallende Gerichtskosten nicht leisten kann, hat die Möglichkeit beim Familiengericht Verfahrenskostenhilfe zu beantragen. Je nach persönlichem Einkommen übernimmt der Staat die Kosten dann entweder ganz oder der Zuschuss muss in monatlichen Raten wieder zurückgezahlt werden.

Online-Scheidung ist nicht günstiger
Im Internet werben Anwälte mit Online-Scheidungen, die einfacher, schneller und preisgünstiger sein sollen als das übliche Verfahren.
Stattdessen bedeutet eine Online-Scheidung nur, dass das Paar per Internet mit dem Rechtsanwalt kommuniziert anstatt in die Kanzlei zu gehen. Scheidungsverfahren kosten immer dasselbe und schneller geht das Verfahren online auch nicht.

Beitrag von Alena Hecker