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Rechte und Pflichten - Zeuge - was nun?

Wer einen Unfall oder einen Dieb auf frischer Tat beobachtet, ist Augenzeuge. Damit sind Rechte und Pflichten verbunden. Doch welche sind es genau? Antworten im Service.

Eine gesetzliche Pflicht, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen, besteht nur, wenn Gefahr oder Not für das Opfer besteht. Dann müssen Augenzeugen eingreifen: Erste Hilfe leisten, Polizei und Krankenwagen rufen und sich als Zeugin oder Zeuge zu erkennen geben. Sonst wäre es unterlassene Hilfeleistung.

In allen anderen Fällen steht zunächst mal die eigene Sicherheit im Vordergrund. Niemand muss sich selbst in Gefahr bringen, und niemand muss sich selbst oder Angehörige mit einer Aussage belasten. Bei der Aufklärung von Straftaten sind Augenzeugen jedoch eine wertvolle Hilfe. Wer sich als Zeuge zu erkennen geben möchte, sollte möglichst schnell ein Gedächtnisprotokoll des Geschehens machen. Auch Fotos können hilfreich sein, sofern das Fotografieren gefahrlos möglich ist. Die Kontaktdaten beim Opfer oder bei der Polizei zu hinterlassen ist ausreichend, Zeugen sind nicht verpflichtet, am Ort des Geschehens auf die Polizei zu warten.

Anders steht es um die Pflichten als Zeuge vor Gericht. In diesem Fall bekommen Zeugen eine schriftliche Ladung. Zu einem Gerichtstermin müssen Zeugen ihren Personalausweis mitbringen, um sich beim Sicherheitscheck am Eingang auszuweisen. Wer bei einer Gerichtsverhandlung eine Zeugenaussage machen soll, muss diesen Termin wahrnehmen und kann sich vom Arbeitgeber freistellen lassen. Die Fahrtkosten werden erstattet, Freiberufler können Ihren Verdienstausfall geltend machen und werden entschädigt.

Verschieben lässt sich dieser Termin nur im Fall einer ernsthaften Erkrankung mit ärztlichem Attest oder wenn eine Urlaubsreise ins Ausland bereits gebucht worden ist. Wer unentschuldigt fernbleibt, muss einen Teil der Verfahrenskosten übernehmen sowie eine Ordnungsstrafe bezahlen. Er kann zudem sogar zwangsweise durch die Polizei vorgeführt werden.

Für die Urteilsfindung der Richter sind Zeugenaussagen wichtig, selbst kleine Details können den Richtern weiterhelfen, da sie sich ein möglichst genaues Bild vom Geschehen machen müssen.

Zeugen sollten dem Gericht genau schildern, was sie wissen und auch deutlich zu verstehen geben, woran sie sich nicht mehr erinnern können. Dabei hilft ein vorher angefertigtes Gedächtnisprotokoll. Auch vor Gericht muss ein Zeuge sich selbst oder seine Angehörigen nicht durch eine Aussage belasten.

Eine Vereidigung von Zeugen ist heute weder im Zivil- noch im Strafprozess der Regelfall. Sie kann aber nach Ermessen des Gerichts angeordnet werden, wenn es zu einer wahrheitsgemäßen Aussage notwendig ist. Für eine vorsätzliche eidliche Falschaussage, den Meineid, sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren vor.

Beitrag von Dagmar Kniffki